Stell dir vor, du willst ein Haus kaufen. Der Makler sagt dir, der Preis ist fair, denn die Miete, die du nächstes Jahr bekommst, rechtfertigt ihn locker. Dann schaust du in die Unterlagen und siehst: Gemessen an den Mieten der letzten zehn Jahre ist das Haus mehr als doppelt so teuer wie jedes vergleichbare Haus der letzten 145 Jahre. Wem glaubst du?
Genau vor dieser Frage stehst du gerade, wenn du in den S&P 500 investierst. Und damit fast jeder, der einen MSCI World oder einen All World ETF bespart, denn dort stecken US Aktien mit rund zwei Dritteln Gewicht drin.
Das Shiller KGV, auch CAPE genannt, steht Ende September 2026 bei 41,08. Höher war es in den letzten 145 Jahren nur ein einziges Mal: im Dezember 1999, kurz bevor die Dotcom Blase platzte. Gleichzeitig liegt das ganz normale KGV auf Sicht der nächsten zwölf Monate bei 19,2 und damit sogar leicht unter dem Schnitt der letzten fünf Jahre.
Eine der beiden Zahlen führt dich in die Irre. Ich habe mir deshalb den kompletten Datensatz von Robert Shiller geholt, 1.605 Startmonate seit 1881 selbst ausgewertet und mit den aktuellen Zinsen gegengerechnet. In diesem Artikel zeige ich dir, was dabei herausgekommen ist, wo die Grenzen dieser Kennzahl liegen und was das ganz konkret für deinen Sparplan in Euro bedeutet. Wer die Zinsseite und die Konjunkturdaten dahinter laufend verfolgen will, findet sie im Makro Dashboard mit Zinsstrukturkurve, Spreads und Inflationsraten.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Der Stand: Shiller KGV (CAPE) des S&P 500 bei 41,08 (multpl, 29.09.26). Je nach Quelle liegt der Wert zwischen 40,6 und 41,2. Rekord: 44,2 im Dezember 1999. Durchschnitt seit 1881: 17,5.
- Die Gegenrechnung: Das KGV auf die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt bei 19,2 (FactSet, 25.09.26). Das ist unauffällig, weil die Gewinne 2026 um rund +32% wachsen sollen.
- Was die Geschichte sagt: Bei einem Start CAPE über 35 lag die reale Rendite der folgenden zehn Jahre im Median bei -3,0% pro Jahr. Bei 15 bis 20 waren es +6,2%. Eigene Auswertung aus Shillers Daten.
- Der Haken: Die Gruppe über 35 besteht aus nur 34 Monaten, alle aus den Jahren 1998 bis 2001. Das ist eine einzige Episode, keine Statistik.
- Die Zinsseite: Die reale Gewinnrendite auf CAPE Basis liegt bei 2,43%, die reale Rendite zehnjähriger US Staatsanleihen bei 2,91%. Aktien bieten auf dieser Basis aktuell keinen Aufschlag gegenüber sicheren Anleihen.
- Was ich daraus mache: Nicht verkaufen, nicht timen. Aber Erwartungen senken, Klumpen prüfen und neue Sparraten bewusst breiter verteilen.
Dieser Leitfaden ist Teil unserer vertiefenden Serie zu US ETFs und Portfolio Strategien. Weiterführende Analysen und Werkzeuge:
Was das Shiller KGV misst und warum es anders ist

Das Shiller KGV teilt den Indexstand nicht durch den Gewinn eines Jahres, sondern durch den Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre. Dadurch verschwinden einzelne Boom und Krisenjahre aus der Rechnung.
Warum ist das wichtig? Schau dir das normale KGV im Jahr 2009 an. Die Gewinne der Banken waren in der Finanzkrise eingebrochen, das KGV des S&P 500 schoss auf über 100. Wer nur auf diese Zahl geschaut hätte, hätte am absoluten Tiefpunkt geglaubt, der Markt sei wahnsinnig teuer. Das Shiller KGV lag damals bei rund 13 und hat richtig angezeigt: Aktien sind günstig.
Das ist so, als würdest du den Wert eines Obstbauern nicht an einer einzigen Ernte messen, sondern an zehn Ernten. Ein Hagelsommer oder ein Rekordjahr verzerrt dann nicht mehr das Bild.
Entwickelt hat die Kennzahl der Yale Ökonom Robert Shiller, der dafür und für seine Arbeit zu Preisblasen 2013 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat. Er hat die Daten bis 1871 zurück rekonstruiert, und genau diesen Datensatz nutze ich hier.
CAPE = Realer Indexstand / Durchschnitt der realen Gewinne der letzten 10 Jahre
Beim aktuellen Stand heißt das: Du zahlst für den S&P 500 rund das 41 fache dessen, was die Unternehmen in den letzten zehn Jahren im Schnitt pro Jahr verdient haben, alles in heutiger Kaufkraft.
Wo wir stehen: 41 im Vergleich von 145 Jahren
Das CAPE liegt heute höher als in 1.729 der 1.749 Monate seit 1881. Nur rund 20 Monate waren teurer, und alle lagen rund um die Jahrtausendwende.
Wenn du dir die Grafik anschaust, siehst du drei Gipfel, die herausstechen:
- September 1929: CAPE 32,6. Danach kam der große Crash und die Weltwirtschaftskrise.
- Dezember 1999: CAPE 44,2, der Rekord. Danach halbierte sich der S&P 500 bis 2002.
- September 2026: CAPE 41,1, also heute.
Ohne Übertreibung: Diese Grafik macht mir keine Angst, aber sie macht mich demütig. Seit 2004 investiere ich in Aktien, und ich habe noch nie erlebt, dass eine so lange Datenreihe so eindeutig in eine Richtung zeigt.
Interessant ist auch die Entwicklung der letzten zwölf Monate. Im September 2025 lag das CAPE bei rund 39,2 (GuruFocus Shiller CAPE), im April 2025 nach dem Zollschock kurz bei 32,6. Seitdem ist es fast ohne Pause gestiegen, im August 2026 auf 41,13, den höchsten Wert seit dem Jahr 2000.
| Zeitpunkt | Shiller KGV | Was danach geschah |
|---|---|---|
| Durchschnitt seit 1881 | 17,5 | |
| Median seit 1881 | 16,5 | |
| Tief März 2009 | 13,3 | Beginn des längsten Bullenmarkts der Geschichte |
| Hoch September 1929 | 32,6 | Weltwirtschaftskrise |
| Hoch Dezember 1999 | 44,2 | S&P 500 halbiert bis 2002 |
| Hoch November 2021 | 38,6 | Bärenmarkt 2022 |
| September 2026 | 41,1 | ? |
Was 145 Jahre Daten über die nächsten 10 Jahre sagen
Je höher das Shiller KGV beim Einstieg war, desto niedriger war im Schnitt die Rendite der folgenden zehn Jahre. Das ist der stärkste Zusammenhang, den die Kennzahl liefert.
Ich habe dafür jeden einzelnen Monat von Januar 1881 bis September 2014 genommen und ausgerechnet, welche reale Gesamtrendite du in den zehn Jahren danach bekommen hättest. Real heißt: nach Inflation, mit wieder angelegten Dividenden, in US Dollar. September 2014 ist der letzte Monat, für den es schon volle zehn Jahre Daten gibt.
| Start CAPE | Monate | Median p. a. | Jahrzehnte im Minus |
|---|---|---|---|
| unter 10 | 229 | +11,0% | 0% |
| 10 bis 15 | 461 | +7,8% | 10% |
| 15 bis 20 | 514 | +6,2% | 9% |
| 20 bis 25 | 257 | +4,8% | 25% |
| 25 bis 30 | 87 | +5,3% | 6% |
| 30 bis 35 | 23 | +0,6% | 22% |
| über 35 | 34 | -3,0% | 85% |
Die Richtung ist eindeutig. Wer bei einem CAPE unter 10 eingestiegen ist, hat in keinem einzigen Fall nach zehn Jahren real Geld verloren. Wer über 35 eingestiegen ist, lag in 85% der Fälle nach zehn Jahren real im Minus.
Übersetzt in Euro heißt das: Aus 10.000 € wurden bei einem Start CAPE von 15 bis 20 im Median nach zehn Jahren real rund 18.200 €. Bei einem Start über 35 waren es real rund 7.400 €.
Und jetzt die ehrliche Einschränkung
Hier lohnt sich ein nüchterner Blick, weil viele Artikel genau an dieser Stelle aufhören und dir Angst machen. Die Gruppe über 35 besteht aus nur 34 Monaten. Und alle 34 liegen zwischen 1998 und 2001. Das ist keine Statistik aus vielen unabhängigen Fällen. Das ist ein einziges Ereignis, die Dotcom Blase, das 34 Mal gezählt wird.
Das ist so, als würdest du aus einem einzigen verregneten Urlaub schließen, dass es an diesem Ort immer regnet. Kann stimmen. Muss aber nicht.
Dazu kommt: Das CAPE sagt nichts darüber, wann etwas passiert. Zwei Beispiele aus denselben Daten:
- Juni 1997: Das CAPE überschreitet zum ersten Mal seit 1929 die Marke von 30, genau 31,3. Wer da verkauft hätte, hätte die nächsten drei Jahre verpasst. Bis August 2000 stieg der S&P 500 real um +64%, das sind +16,9% pro Jahr. Erst über die vollen zwölf Jahre bis 2010 blieb davon real nur +1,3% pro Jahr übrig.
- Januar 2018: CAPE 33,3, also schon damals höher als 1929. Wer ausgestiegen wäre, hätte bis September 2024 real +73% verpasst, rund +8,6% pro Jahr. Völlig normale Aktienrenditen trotz Warnsignal.
Ich schreibe das nicht, um das CAPE schlechtzureden. Ich schreibe es, damit du verstehst, was es ist: ein Kompass für die nächsten zehn Jahre, keine Uhr für den nächsten Crash.
Warum das CAPE heute höher sein könnte als früher
Es gibt gute Gründe, warum ein CAPE von 41 heute weniger dramatisch sein könnte als 1999. Aber keiner davon erklärt den ganzen Abstand zum Durchschnitt von 17,5.
Die Argumente, die ich für berechtigt halte:
- Höhere Margen: Die größten Unternehmen im Index sind Software, Plattformen und Chips. Microsoft, Alphabet, Meta oder Nvidia verdienen an jedem Dollar Umsatz ein Vielfaches dessen, was ein Stahlwerk oder eine Eisenbahn 1960 verdient hat. Mehr Gewinn pro Umsatz rechtfertigt einen höheren Preis pro Gewinn.
- Schnelles Gewinnwachstum: Das CAPE rechnet mit dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Wenn die Gewinne schnell wachsen, hinkt dieser Durchschnitt hinterher und das CAPE sieht automatisch höher aus. Genau das passiert gerade: FactSet erwartet für 2026 ein Gewinnwachstum von rund +32% und für 2027 noch einmal +15,1%.
- Aktienrückkäufe statt Dividenden: Unternehmen geben heute mehr Geld über Rückkäufe zurück. Dadurch wächst der Gewinn je Aktie schneller, was ebenfalls den Zehnjahresdurchschnitt verzerrt.
- Bilanzregeln: Seit 2001 müssen US Unternehmen Firmenwerte bei Übernahmen abschreiben, wenn sie an Wert verlieren. Das drückt die Gewinne in Krisenjahren stärker als früher und damit auch den Zehnjahresschnitt.
Und die Gegenseite? Auch 1999 hieß es, diesmal sei alles anders, das Internet verändere die Welt. Das Internet hat die Welt tatsächlich verändert. Die Aktien haben trotzdem zehn Jahre lang nichts verdient, weil der Preis die Zukunft schon vorweggenommen hatte. Eine richtige Geschichte schützt dich nicht vor einem falschen Preis.
Genau diese Frage stellt sich heute bei KI. Ich glaube, dass KI eine der wichtigsten Technologien meines Lebens ist. Aber das beantwortet nicht die Frage, ob 41 mal der durchschnittliche Gewinn der richtige Preis dafür ist.
Zwei Wahrheiten: CAPE 41 und Forward KGV 19
Das Forward KGV von 19,2 und das CAPE von 41 widersprechen sich nicht. Sie beantworten unterschiedliche Fragen, und der Abstand zwischen beiden zeigt, wie viel Wachstum der Markt schon eingepreist hat.
Laut FactSet vom 25.09.26 sieht die Lage so aus:
| Kennzahl | Wert | 5 Jahres Schnitt | 10 Jahres Schnitt |
|---|---|---|---|
| KGV auf erwartete Gewinne (12 Monate) | 19,2 | 19,8 | 19,0 |
| KGV auf Gewinne der letzten 12 Monate | 25,8 | 24,4 | 23,6 |
| Shiller KGV (10 Jahre, real) | 41,1 | ||
| Erwartetes Gewinnwachstum 2026 | +32% | ||
| Erwartetes Gewinnwachstum 2027 | +15,1% |
Was heißt das? Der Markt ist nicht teuer, wenn die Gewinne so kommen wie erwartet. Die Analysten rechnen mit Gewinnen, die in zwei Jahren rund 50% über dem Niveau von 2025 liegen. Treten diese Gewinne ein, ist das Forward KGV die ehrlichere Zahl.
Das CAPE dagegen fragt: Was, wenn die aktuellen Rekordgewinne nicht dauerhaft sind? Was, wenn die Margen irgendwann zu ihrem langfristigen Niveau zurückkehren, wie sie es in der Geschichte fast immer getan haben?
Mein Gefühl ist: Beide Szenarien sind möglich. Aber du solltest wissen, auf welches du gerade wettest. Wer heute einen S&P 500 ETF kauft, wettet darauf, dass die Rekordgewinne der KI Profiteure bleiben und weiter wachsen. Das kann aufgehen. Aber es ist eine Wette, keine Gewissheit.
Und die Analysten? Das Kursziel von unten gerechnet, also aus allen Einzelzielen zusammengesetzt, liegt laut FactSet bei 9.275 Punkten, rund +20% über dem aktuellen Stand. Analysten lagen historisch mit solchen Zielen im Schnitt eher zu hoch als zu niedrig. Ich würde diese Zahl nicht als Prognose lesen, sondern als Stimmungsbarometer.
Die Zinsseite: Aktien gegen Anleihen
Mit sicheren, inflationsgeschützten US Staatsanleihen bekommst du aktuell real mehr als mit der Gewinnrendite des S&P 500 auf CAPE Basis. Diese Konstellation gab es zuletzt rund um die Jahrtausendwende. Das ist für mich die wichtigste Zahl in diesem ganzen Artikel.
Die Rechnung ist einfach. Dreh das CAPE um, dann bekommst du die sogenannte Gewinnrendite:
Reale Gewinnrendite = 1 / 41,08 = 2,43%
Das ist grob die reale Rendite, die du langfristig erwarten kannst, wenn die Bewertung gleich bleibt. Jetzt vergleich das mit dem, was du ohne Risiko bekommst. Die zehnjährige inflationsgeschützte US Staatsanleihe (TIPS) rentiert laut US Treasury am 29.09.26 mit 2,91% real.
| Anlage | Rendite | Art |
|---|---|---|
| Gewinnrendite S&P 500 auf CAPE Basis | 2,43% | real |
| US Staatsanleihe 10 Jahre, inflationsgeschützt (TIPS) | 2,91% | real |
| US Staatsanleihe 10 Jahre | 5,26% | nominal |
| Gewinnrendite auf Forward KGV (1 / 19,2) | 5,21% | nominal |
| US Geldmarkt 3 Monate | 4,25% | nominal |
Egal wie du rechnest, das Ergebnis ist ähnlich. Auch auf Basis der erwarteten Gewinne bekommst du mit 5,21% praktisch dasselbe wie mit einer zehnjährigen Staatsanleihe zu 5,26%. Normalerweise verlangen Anleger für das Risiko von Aktien einen Aufschlag von 3 bis 5 Prozentpunkten. Aktuell ist dieser Aufschlag auf null geschrumpft.
Das ist so, als würde dir jemand für eine Achterbahnfahrt denselben Lohn anbieten wie für eine ruhige Zugfahrt. Du kannst die Achterbahn trotzdem nehmen, weil du hoffst, dass die Strecke länger wird. Aber du wirst für das Risiko gerade nicht extra bezahlt.
Für dich als deutschen Anleger gibt es noch eine zweite Ebene: die Währung. Wer US Anleihen kauft, trägt das Dollarrisiko. Der Euro steht laut EZB am 29.09.26 bei 1,1355 Dollar. Eine Anleihe mit 5,26% bringt dir wenig, wenn der Dollar im gleichen Zeitraum 10% verliert. Für deutsche Anleger ist der Zinsvergleich deshalb eher ein Warnsignal für die Aktienbewertung als eine direkte Einladung, alles in US Anleihen umzuschichten.
Das Klumpenrisiko: Wie viel KI in deinem ETF steckt
Rund 38 bis 40% des S&P 500 entfallen auf die zehn größten Unternehmen. Zur Dotcom Spitze im Jahr 2000 waren es unter 30%. Dein vermeintlich breiter ETF ist heute zu einem großen Teil eine Wette auf eine Handvoll KI Konzerne.
Nvidia, Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Broadcom stellen zusammen rund ein Drittel des Index. Wenn du jeden Monat 500 € in einen S&P 500 ETF steckst, fließen davon rund 190 € in nur zehn Aktien.
Das ist nicht automatisch schlecht. Diese Unternehmen verdienen enorm viel Geld. Aber es bedeutet, dass die Bewertung des gesamten Index stark von wenigen Namen abhängt. Wenn der Markt bei KI Aktien irgendwann strengere Maßstäbe anlegt, trifft das deinen ETF deutlich härter, als der Name S&P 500 vermuten lässt.
Wir bewerten einige dieser Unternehmen einzeln mit unserem eigenen DCF Modell. Wie wir dabei vorgehen, erkläre ich in der Methodik zum Fair Value. Ein Beispiel für eine KI Aktie, bei der wir trotz der Sorgen eine Unterbewertung sehen, ist unsere Adobe Analyse. Das zeigt: Selbst in einem teuren Markt gibt es Einzelwerte, deren Preis nicht übertrieben ist. Und umgekehrt.
Drei Szenarien für deinen Sparplan in Euro
Was heißt das alles in Euro? Ich habe drei Szenarien für die nächsten zehn Jahre gerechnet, abgeleitet aus der historischen Auswertung oben, und zum Vergleich die langfristige Durchschnittsrendite von rund 10% pro Jahr.
Die Annahmen: Du legst entweder heute einmalig 10.000 € an oder sparst zehn Jahre lang jeden Monat 500 €, also insgesamt 60.000 €. Ich rechne nominal, also vor Inflation, mit rund 2,5% Inflation zwischen real und nominal. Steuern, Kosten und Währungsschwankungen lasse ich außen vor, damit die Rechnung vergleichbar bleibt.
| Szenario | Rendite p. a. | 10.000 € einmalig | 500 € im Monat |
|---|---|---|---|
| Bär: Dotcom Wiederholung (Median bei CAPE über 35) | -0,5% | 9.511 € | 58.509 € |
| Basis: Bewertung sinkt langsam (real +2%) | +4,5% | 15.530 € | 75.514 € |
| Bulle: Gewinne tragen die Bewertung (real +5%) | +7,5% | 20.610 € | 88.293 € |
| Vergleich: langfristiger Schnitt | +10,0% | 25.937 € | 100.729 € |
Siehst du den entscheidenden Unterschied zwischen Einmalanlage und Sparplan? Im Bärenszenario verlierst du mit der Einmalanlage real deutlich an Kaufkraft. Mit dem Sparplan landest du nominal fast bei deinen Einzahlungen, weil du in den schwachen Jahren günstig nachkaufst. Der Sparplan ist die beste Antwort auf eine hohe Bewertung, die ich kenne.
Und selbst das Basisszenario ist kein Weltuntergang. 75.514 € aus 60.000 € sind rund 15.500 € Gewinn. Es ist nur deutlich weniger als die 100.000 €, die viele im Kopf haben, weil sie die letzten 15 Jahre einfach in die Zukunft verlängern.
Wenn du mit deinen eigenen Zahlen spielen willst: In unseren kostenlosen Rechnern kannst du Dividenden netto nach deutscher Steuer ausrechnen oder mit dem DCF Rechner selbst prüfen, welches Wachstum in einem Aktienkurs steckt.
Was ich konkret mache und was ich dir rate
Verkaufen und auf den Crash warten halte ich für den größten Fehler, den du jetzt machen kannst. Aber einfach so weitermachen wie 2021 halte ich auch nicht für klug.
Hier ist mein persönlicher Umgang mit dieser Lage. Keine Anlageberatung, sondern das, was ich selbst tue:
- Ich verkaufe nichts wegen des CAPE. Die Beispiele 1997 und 2018 zeigen, dass du jahrelang zu früh sein kannst. Und wer verkauft, muss zweimal richtig liegen: beim Aussteigen und beim Wiedereinsteigen.
- Ich senke meine Erwartungen. Ich plane für die nächsten zehn Jahre mit 4 bis 6% pro Jahr, nicht mit 10%. Wenn es mehr wird, freue ich mich. Wenn nicht, geht meine Planung trotzdem auf.
- Ich prüfe meinen Klumpen. Wer einen S&P 500 ETF, dazu einen Nasdaq 100 ETF und noch Einzelaktien wie Nvidia und Microsoft hält, hat oft 50% oder mehr in denselben zehn Namen. Das ist kein breites Depot mehr.
- Ich verteile neue Sparraten breiter. Ein Teil meiner neuen Sparraten fließt in einen breiteren Welt ETF. Welche Varianten dafür taugen, habe ich im Vergleich MSCI World gegen FTSE All World aufgeschrieben.
- Ich halte eine Reserve. Seit es auf Tagesgeld wieder spürbare Zinsen gibt, kostet mich eine Reserve für schwache Phasen deutlich weniger als in den Nullzinsjahren. Die genauen Sätze ändern sich bei Banken und Brokern laufend, deshalb nenne ich hier bewusst keine Zahl.
- Ich achte auf Kosten. Wenn die Rendite niedriger ausfällt, frisst jede unnötige Gebühr einen größeren Anteil. Welcher S&P 500 ETF am günstigsten ist, findest du in meinem Vergleich zum besten S&P 500 ETF, und ob ausschüttend oder thesaurierend für dich besser ist, zeige ich am Beispiel SXR8 gegen SPY5.
Und eine Sache noch zur Steuer: Wenn du bei einem thesaurierenden ETF bleibst, zahlst du jedes Jahr im Januar die sogenannte Vorabpauschale. Bei einem Basiszins von 3,20% für 2026 sind das bei einem reinen Aktien ETF rund 41 € Steuern je 10.000 € Depotwert, sofern dein Sparerpauschbetrag schon aufgebraucht ist. Das ist kein Grund zur Sorge, aber plane es ein.
Mein Fazit zur S&P 500 Bewertung 2026
Der S&P 500 ist nach dem Shiller KGV so teuer wie fast nie in seiner Geschichte. Das heißt nicht, dass morgen ein Crash kommt. Es heißt, dass die nächsten zehn Jahre sehr wahrscheinlich schwächer werden als die letzten zehn.
Wenn du nur einen Satz aus diesem Artikel mitnimmst, dann diesen: Die Bewertung entscheidet nicht darüber, ob du investierst, sondern darüber, was du erwarten darfst.
Ich investiere weiter jeden Monat. Aber ich tue es mit offenen Augen, mit realistischen Erwartungen und mit einem Depot, das nicht nur von zehn Aktien abhängt. Und genau das empfehle ich dir auch.
Ich aktualisiere diese Zahlen jeden Monat, sobald die neuen CAPE Werte vorliegen. Und wenn du wissen willst, wie wir einzelne US Aktien bewerten, findest du alle Analysen in unserer Aktienliste.
Häufige Fragen zur S&P 500 Bewertung
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Wie hoch ist das Shiller KGV des S&P 500 aktuell?
Ende September 2026 liegt das Shiller KGV (CAPE) des S&P 500 bei rund 41,1 (multpl, 29.09.26). Je nach Datenanbieter schwankt der Wert zwischen 40,6 und 41,2. Der Rekord liegt bei 44,2 im Dezember 1999, der Durchschnitt seit 1881 bei 17,5.
Ist der S&P 500 überbewertet?
Gemessen am Shiller KGV ja, deutlich. Gemessen am KGV auf die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate (19,2) nicht. Der Unterschied entsteht, weil der Markt für 2026 und 2027 sehr starkes Gewinnwachstum erwartet. Ob die Bewertung gerechtfertigt ist, hängt davon ab, ob diese Gewinne dauerhaft sind.
Kommt jetzt ein Crash?
Das Shiller KGV sagt nichts über den Zeitpunkt eines Crashs. 1997 lag es schon über 30, und der Markt stieg danach noch drei Jahre um real +64%. Die Kennzahl ist ein Hinweis auf niedrigere Renditen über zehn Jahre, kein Signal für einen kurzfristigen Einbruch.
Welche Rendite kann ich vom S&P 500 in den nächsten 10 Jahren erwarten?
Historisch lag die reale Rendite bei einem Start CAPE über 30 im Median zwischen -3% und +0,6% pro Jahr. Diese Werte beruhen aber auf wenigen Jahren um 2000. Realistisch halte ich nominal 4 bis 6% pro Jahr für eine vernünftige Planungsgröße, mit großer Spannbreite nach oben und unten.
Soll ich meinen S&P 500 Sparplan jetzt stoppen?
Aus meiner Sicht nein. Gerade bei einer hohen Bewertung hilft der Sparplan, weil du in schwachen Phasen automatisch günstiger nachkaufst. Sinnvoll kann es sein, neue Sparraten breiter zu verteilen, zum Beispiel auf einen Welt ETF, um das Klumpenrisiko der großen US Tech Werte zu senken.
Was ist der Unterschied zwischen KGV und Shiller KGV?
Das normale KGV teilt den Kurs durch den Gewinn eines einzelnen Jahres. Das Shiller KGV teilt den inflationsbereinigten Kurs durch den Durchschnitt der inflationsbereinigten Gewinne der letzten zehn Jahre. Dadurch werden Boom und Krisenjahre geglättet, und die Kennzahl eignet sich besser für langfristige Vergleiche.
Quellen
- Robert J. Shiller, Online Data, Datensatz ie_data (Yale University, Stand 09.24), eigene Auswertung
- multpl.com: Shiller PE Ratio by Month, Stand 29.09.26
- FactSet Earnings Insight, Ausgaben vom 11.09.26 und 25.09.26
- U.S. Department of the Treasury: Daily Treasury Par Yield Curve und Real Yield Curve, 29.09.26
- Europäische Zentralbank: Referenzkurs Euro zu US Dollar, 29.09.26
- TheStreet: S&P 500 CAPE ratio second highest ever, 22.09.26
- Walnut: Stock Market Concentration Statistics 2026, 18.07.26
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