Methodik

So berechnen wir den Fair Value: Unsere Methodik

Jede Zahl auf dieser Seite ist nachvollziehbar. Hier legen wir offen, woher unsere Daten kommen, wie das Bewertungsmodell rechnet und wo seine Grenzen liegen.

Stand der Methodik: 08.10.26 · Geprüft nach aktuellen SEC Rechnungslegungsstandards

Wenn du auf US Aktien Hub einen Fair Value siehst, dann ist das keine Zahl, die jemand aus dem Bauch heraus geschätzt hat. Und es ist auch kein Kursziel, das wir irgendwo abgeschrieben haben. Jeder Fair Value entsteht aus einem vollständigen Bewertungsmodell, das mit Originalzahlen aus den Pflichtberichten der Unternehmen rechnet, jeden Handelstag neu läuft und erst dann auf der Seite erscheint, wenn die Redaktion das Ergebnis geprüft und freigegeben hat.

Auf dieser Seite legen wir alles offen: woher die Daten kommen, wie das Modell rechnet, welche Annahmen drinstecken, wann wir bewusst nicht rechnen und wo die Grenzen liegen. Ich finde, das gehört sich so. Wenn wir dir sagen, dass eine Aktie unterbewertet ist, dann sollst du nachvollziehen können, warum wir das denken, und selbst entscheiden können, ob du unseren Annahmen folgst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Methode: Discounted Cashflow Modell (DCF) auf Basis des freien Cashflows, zehn Jahre Detailplanung plus Endwert.
  • Daten: Unternehmenszahlen direkt von der US Börsenaufsicht SEC, Zinsen vom US Finanzministerium, Marktrisikoprämie von Prof. Aswath Damodaran (NYU), Kurse von IEX.
  • Drei Szenarien: Bear, Base und Bull, gewichtet mit 25%, 50% und 25%.
  • Streng gerechnet: Aktienbasierte Vergütung ziehen wir vollständig vom Cashflow ab.
  • Reverse DCF: Wir zeigen zusätzlich, welches Wachstum im aktuellen Kurs steckt.
  • Freigabe: Kein Fair Value geht automatisch online. Jede Bewertung wird redaktionell geprüft.
  • Keine Anlageberatung: Ein Fair Value ist ein Modellergebnis, keine Kaufempfehlung.

Was ist ein Fair Value und was ist er nicht?

Der Fair Value ist der Wert einer Aktie, der sich ergibt, wenn man alle freien Cashflows, die das Unternehmen in Zukunft voraussichtlich erwirtschaftet, auf den heutigen Tag abzinst. Stell dir vor, jemand bietet dir eine Maschine an, die dir jedes Jahr Geld auswirft. Wie viel würdest du heute dafür bezahlen? Das hängt davon ab, wie viel sie auswirft, wie lange sie läuft, wie sicher du dir dabei bist und welche Rendite du anderswo ohne Risiko bekommen würdest. Genau diese vier Fragen beantwortet ein DCF Modell.

Was der Fair Value nicht ist:

  • Kein Kursziel für die nächsten zwölf Monate. Der Markt kann eine Aktie jahrelang unter oder über ihrem Wert handeln. Der Fair Value sagt, was ein Unternehmen nach unseren Annahmen wert ist, nicht wann der Kurs dort ankommt.
  • Keine exakte Zahl. Kleine Änderungen bei den Annahmen verändern das Ergebnis spürbar. Deshalb zeigen wir immer eine Spanne von Bear bis Bull und in unseren ausführlichen Analysen zusätzlich eine Sensitivitätstabelle.
  • Kein Analystenkonsens. Wir übernehmen keine Schätzungen von Banken. Dazu weiter unten mehr.
  • Keine Anlageberatung. Ob eine Aktie zu dir passt, hängt von deinen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner Risikotragfähigkeit ab. Das kann kein Modell beurteilen.

Unsere Datenquellen

Offen zum Nachrechnen: Die Ergebnisse dieser Methodik veröffentlichen wir als US Aktien Fair Value Datensatz mit 120 Titeln, jeweils Bear, Base und Bull Case sowie Sicherheitsmarge, unter CC BY 4.0. Alle Datensätze und Schnittstellen stehen unter Offene Finanzdaten und Datensätze, die Rohdatei ist als CSV direkt maschinenlesbar.

Ein Modell ist nur so gut wie die Zahlen, mit denen es gefüttert wird. Wir nutzen ausschließlich öffentliche Primärquellen, keine abgeschriebenen Werte von Finanzportalen.

DatenQuelleAktualisierung
Umsatz, Gewinn, Cashflow, Investitionen, Aktienvergütung, Bilanz, AktienanzahlSEC EDGAR, maschinenlesbare XBRL Daten aus 10 Q und 10 K Berichtensobald ein neuer Bericht veröffentlicht ist
Prognosen der Unternehmen (Guidance)Quartalsmitteilungen der Unternehmen, bei der SEC als 8 K eingereichtnach jedem Quartalsbericht
Risikoloser ZinsU.S. Department of the Treasury, Rendite 10jähriger Staatsanleihentäglich
MarktrisikoprämieAswath Damodaran, NYU Stern, implizite Prämie des S&P 500monatlich
AktienkurseIEX Exchange, Tagesschlusskursejeden Handelstag, einen Tag verzögert
Wechselkurs EUR/USDReferenzkurs der Europäischen Zentralbanktäglich

Die SEC Daten sind die gleichen Zahlen, die Unternehmen unter Strafandrohung bei der Börsenaufsicht einreichen müssen. Näher an der Quelle geht es nicht.

Schritt 1: Die Zahlen der letzten zwölf Monate

Wir rechnen nicht mit dem letzten Geschäftsjahr, das je nach Unternehmen schon fast ein Jahr alt sein kann, sondern mit den letzten zwölf Monaten (TTM, trailing twelve months). Dazu setzen wir die vier jüngsten Quartale zusammen. Weil viele Unternehmen im vierten Quartal keinen eigenen Quartalsbericht einreichen, sondern nur den Jahresbericht, errechnen wir dieses Quartal aus der Differenz zwischen Jahreszahl und den ersten drei Quartalen.

Für jedes Quartal berechnen wir außerdem das Wachstum zum Vorjahresquartal (YoY) und zum Vorquartal (QoQ). Diese Werte siehst du in unseren Analysen als Quartalstabelle. Sie zeigen, ob sich ein Trend beschleunigt oder abschwächt, was eine einzelne Jahreszahl nie verrät.

Fällt uns ein Quartal auf, in dem die Nettomarge weit über dem Üblichen liegt, etwa durch einen Beteiligungsgewinn oder einen Steuereffekt, markiert das Modell das automatisch. Das KGV ist in solchen Fällen verzerrt. Der DCF selbst rechnet mit Cashflows und ist davon nicht betroffen.

Schritt 2: Der freie Cashflow und warum wir strenger rechnen

Die Grundlage jeder Bewertung ist der freie Cashflow für alle Kapitalgeber, im Fachjargon FCFF. Wir berechnen ihn so:

Freier Cashflow = Operativer Cashflow minus Investitionen minus aktienbasierte Vergütung + Zinsaufwand nach Steuern

Der letzte Teil sorgt dafür, dass wir den Cashflow vor Finanzierungskosten betrachten, denn die Kosten für Fremdkapital stecken später in den Kapitalkosten.

Der entscheidende Punkt ist der Abzug der aktienbasierten Vergütung. Viele Technologieunternehmen bezahlen ihre Mitarbeiter zu einem großen Teil in Aktien. In der Kapitalflussrechnung wird diese Vergütung wieder hinzugerechnet, weil kein Geld fließt. Für dich als Aktionär ist sie aber sehr real: Entweder werden neue Aktien ausgegeben und dein Anteil verwässert, oder das Unternehmen kauft mit echtem Geld Aktien zurück, um die Verwässerung auszugleichen.

Das ist so, als würde dein Arbeitgeber dir einen Teil deines Gehalts in Firmenanteilen zahlen und dann behaupten, du hättest ihn nichts gekostet. Viele Analysen rechnen genau so und kommen dadurch auf deutlich höhere Werte. Wir nicht. Bei manchen Softwareunternehmen senkt allein dieser Schritt den Fair Value um 15 bis 25%.

Die klassische Free Cashflow Rendite, die wir als Kennzahl zusätzlich anzeigen, berechnen wir dagegen nach der üblichen Definition als operativen Cashflow minus Investitionen im Verhältnis zum Börsenwert. So bleibt sie mit anderen Quellen vergleichbar.

Schritt 3: Wie schnell wächst der Umsatz?

Das Wachstum im ersten Jahr ist die wichtigste Annahme im Modell. Wir leiten es in einer festen Rangfolge ab:

  1. Jahresprognose des Unternehmens. Wenn ein Unternehmen eine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr veröffentlicht hat, nehmen wir die Mitte der Spanne. Unternehmen kennen ihr Geschäft besser als jeder Außenstehende und haben einen starken Anreiz, ihre Prognosen nicht zu verfehlen.
  2. Quartalsprognose. Gibt es nur eine Prognose für das nächste Quartal, gewichten wir das daraus folgende Wachstum mit 60% und das Wachstum der letzten zwölf Monate mit 40%.
  3. Trend. Ohne Prognose gewichten wir das Wachstum der letzten zwölf Monate mit 50%, das Wachstum des letzten Quartals zum Vorjahr mit 30% und das durchschnittliche Wachstum der letzten drei Geschäftsjahre mit 20%.

Die Prognosen lesen wir automatisch aus den Quartalsmitteilungen und prüfen sie auf Plausibilität. Eine Jahresprognose, die mehr als 60% über oder 30% unter dem aktuellen Umsatz liegt, verwerfen wir als Lesefehler. Außerdem begrenzen wir das Startwachstum auf einen Bereich von -10% bis +35%.

Danach sinkt das Wachstum über zehn Jahre gleichmäßig auf das langfristige Wachstum ab. Kein Unternehmen wächst ewig zweistellig, und genau diese Annahme ist in vielen zu optimistischen Bewertungen versteckt.

Schritt 4: Die Marge

Wie viel vom Umsatz bleibt als freier Cashflow übrig? Wir starten mit der Marge der letzten zwölf Monate und führen sie über fünf Jahre schrittweise zur normalisierten Marge. Das ist der Durchschnitt der freien Cashflow Margen der letzten fünf Geschäftsjahre, berechnet nach derselben strengen Formel.

Warum dieser Umweg? Weil einzelne Jahre täuschen können. Ein Rekordjahr mit Sondereffekten würde das Unternehmen zu teuer bewerten, ein Krisenjahr zu billig. Der Durchschnitt über einen ganzen Zyklus ist ehrlicher. Liegen weniger als drei Jahre vor, mischen wir den Durchschnitt zur Hälfte mit der aktuellen Marge.

Schritt 5: Die Kapitalkosten (WACC)

Der Abzinsungssatz beantwortet die Frage: Welche Rendite muss ein Unternehmen erwirtschaften, damit sich das Risiko für seine Kapitalgeber lohnt? Wir berechnen ihn als gewichteten Durchschnitt aus Eigen und Fremdkapitalkosten, im Fachjargon WACC.

Eigenkapitalkosten

Wir nutzen das Capital Asset Pricing Model:

Eigenkapitalkosten = risikoloser Zins + Beta × Marktrisikoprämie

  • Risikoloser Zins: die aktuelle Rendite der 10jährigen US Staatsanleihe. Ende September 2026 lag sie bei 5,24%.
  • Marktrisikoprämie: die implizite Prämie, die Aswath Damodaran monatlich für den S&P 500 berechnet. Für September 2026 waren das 4,14%. Damodaran gilt weltweit als eine der anerkanntesten Stimmen zur Unternehmensbewertung, und seine Daten sind frei zugänglich.
  • Beta: Wir berechnen es selbst aus den monatlichen Renditen der letzten fünf Jahre im Vergleich zum S&P 500. Weil Betas langfristig zum Wert 1 tendieren, wenden wir die übliche Bereinigung nach Blume an: zwei Drittel des gemessenen Betas plus ein Drittel. Das Ergebnis begrenzen wir auf einen Bereich von 0,6 bis 2,0.

Fremdkapitalkosten

Viele Unternehmen haben kein öffentliches Rating für jede Anleihe. Wir leiten deshalb ein synthetisches Rating aus dem Zinsdeckungsgrad ab, also dem Verhältnis von operativem Ergebnis zu Zinsaufwand. Ein Unternehmen, das seine Zinsen mehr als 8,5 mal aus dem operativen Ergebnis bezahlen kann, bekommt einen Aufschlag von 0,75 Prozentpunkten auf den risikolosen Zins, ein schwach gedecktes Unternehmen bis zu 8 Prozentpunkte. Die Tabelle folgt der Methode von Damodaran. Der Steuervorteil der Zinsen wird mit dem tatsächlichen Steuersatz des Unternehmens berücksichtigt, begrenzt auf 12 bis 28%.

Gewichtung

Eigenkapital gewichten wir mit dem aktuellen Börsenwert, Fremdkapital mit den ausgewiesenen Finanzschulden. Bei Unternehmen mit wenig Schulden liegt der WACC deshalb nah an den Eigenkapitalkosten.

Schritt 6: Der Endwert

Nach zehn Jahren hören wir nicht auf zu rechnen, denn gute Unternehmen existieren weiter. Den Wert aller Cashflows ab Jahr elf fassen wir in einem Endwert zusammen, der mit einem konstanten ewigen Wachstum berechnet wird (Gordon Growth Modell).

Für das ewige Wachstum gilt eine harte Obergrenze: höchstens 2,5% und immer mindestens 0,5 Prozentpunkte unter dem risikolosen Zins. Kein Unternehmen kann dauerhaft schneller wachsen als die Weltwirtschaft, sonst wäre es irgendwann größer als sie. Viele Bewertungen im Netz arbeiten hier mit 3 oder 4% und kommen dadurch auf Fantasiewerte.

In unseren ausführlichen Analysen nennen wir, welchen Anteil der Endwert am Gesamtwert hat. Liegt er über 75%, beruht die Bewertung vor allem auf der fernen Zukunft und ist entsprechend unsicherer.

Alle Cashflows zinsen wir mit der Halbjahreskonvention ab. Das bedeutet, wir unterstellen, dass das Geld im Schnitt zur Mitte des Jahres fließt und nicht erst am 31. Dezember. Das ist realistischer und in der professionellen Bewertung Standard.

Schritt 7: Drei Szenarien statt einer Zahl

Die Zukunft kennt niemand. Deshalb rechnen wir drei Szenarien und gewichten sie:

SzenarioGewichtWachstum Jahr 1Ewiges WachstumMarge langfristigWACC
Bear25%halbiert (bei Schrumpfung 3 Prozentpunkte schlechter)-0,5 Prozentpunkte85% der normalisierten Marge+0,75 Prozentpunkte
Base50%wie hergeleitetwie hergeleitetnormalisierte Margewie berechnet
Bull25%35% höher, höchstens 6 Prozentpunkte mehr+0,5 Prozentpunkte110% der normalisierten Marge-0,5 Prozentpunkte

Der Fair Value, den du auf der Seite siehst, ist der gewichtete Durchschnitt dieser drei Werte. Das Bear Szenario ist bewusst etwas härter angesetzt als das Bull Szenario optimistisch ist. Wir wollen uns lieber nach unten als nach oben irren.

Schritt 8: Vom Unternehmenswert zum Wert je Aktie

Die Summe aller abgezinsten Cashflows ergibt den Wert des gesamten Unternehmens. Davon ziehen wir die Finanzschulden ab und addieren Bargeld und kurzfristige Wertpapiere. Das Ergebnis teilen wir durch die Zahl der verwässerten Aktien, also einschließlich aller Optionen und Aktienzusagen an Mitarbeiter.

Schritt 9: Reverse DCF, was steckt im Kurs?

Das ist für mich persönlich der spannendste Teil. Statt zu fragen, was eine Aktie wert ist, drehen wir die Rechnung um: Welches Startwachstum müsste das Unternehmen erreichen, damit der heutige Kurs genau fair ist? Alle anderen Annahmen bleiben gleich.

Das Ergebnis nennen wir implizites Wachstum. Liegt es weit über dem, was das Unternehmen realistisch schaffen kann, ist viel Optimismus eingepreist. Liegt es darunter oder sogar im negativen Bereich, erwartet der Markt, dass das Geschäft schrumpft. Diese Zahl ist oft aussagekräftiger als der Fair Value selbst, weil sie keine eigene Prognose braucht. Sie übersetzt nur den Kurs in eine Geschichte, die du selbst beurteilen kannst.

Schritt 10: Sensitivität

Zu jeder Bewertung berechnen wir außerdem eine Tabelle und veröffentlichen sie in unseren ausführlichen Analysen. Sie zeigt, wie sich der Wert verändert, wenn die Kapitalkosten um bis zu einen Prozentpunkt höher oder niedriger liegen und das ewige Wachstum um einen halben Prozentpunkt abweicht. So siehst du auf einen Blick, wie robust eine Bewertung ist. Liegt der Kurs selbst in den ungünstigsten Feldern noch unter dem Wert, ist die Sicherheitsmarge groß.

Ein Beispiel: Adobe

Damit das nicht abstrakt bleibt, hier die Bewertung von Adobe mit Stand 28.09.26 in Kurzform. Die ausführliche Analyse findest du in unserem Artikel zur Adobe Aktie.

BausteinWert
Umsatz letzte 12 Monate25,97 Mrd. $
Freier Cashflow letzte 12 Monate (streng)8,73 Mrd. $
Marge heute / normalisiert33,6% / 32,5%
Wachstum Jahr 1 (Jahresprognose des Unternehmens)11,9%
Beta (bereinigt)1,28
Eigenkapitalkosten10,54%
Fremdkapitalkosten vor Steuern5,99%
WACC10,25%
Ewiges Wachstum2,5%
Bear / Base / Bull257 $ / 436 $ / 641 $
Fair Value (gewichtet)443 $
Kurs 28.09.26231,05 $
Implizites Wachstum-3,9%

So stufen wir ein

Aus Fair Value und Kurs berechnen wir den Abschlag. Er zeigt, wie weit der Kurs unter dem Fair Value liegt, bezogen auf den Fair Value:

Abschlag = (Fair Value minus Kurs) geteilt durch Fair Value

EinstufungBedingung
UnterbewertetKurs liegt mindestens 10% unter dem Fair Value
Fair bewertetKurs liegt zwischen 10% unter und 5% über dem Fair Value
ÜberbewertetKurs liegt mehr als 5% über dem Fair Value

Die Schwelle nach unten ist bewusst größer als nach oben. Modelle sind unsicher, und eine Aktie nennen wir erst dann unterbewertet, wenn eine echte Sicherheitsmarge vorhanden ist.

Wann wir keinen Fair Value berechnen

Ein DCF Modell passt nicht zu jedem Unternehmen. In diesen Fällen zeigen wir bewusst keinen Fair Value und schreiben dazu, warum:

  • Banken, Versicherungen und Finanzholdings. Bei diesen Unternehmen ist Fremdkapital kein Finanzierungsmittel, sondern Rohstoff des Geschäfts, und der operative Cashflow schwankt mit Kundeneinlagen und Kapitalanlagen. Ein Cashflow Modell ist hier methodisch nicht aussagekräftig. Beispiel: Berkshire Hathaway. Wir erkennen solche Unternehmen am Branchenschlüssel der SEC (SIC 6000 bis 6799).
  • Negativer freier Cashflow. Wenn ein Unternehmen dauerhaft mehr Geld verbraucht als es erwirtschaftet, hängt jeder DCF fast vollständig an Annahmen über eine ferne Zukunft. Das wäre Scheingenauigkeit.
  • Unvollständige Daten. Fehlen in den SEC Daten wichtige Werte für die letzten Quartale, rechnen wir nicht, statt Lücken zu raten.

Solche Unternehmen erscheinen in der Watchlist mit dem Status in Bewertung oder ohne Fair Value.

Warum wir keine Analystenschätzungen verwenden

Viele Portale zeigen einen Konsens aus Bankenschätzungen. Wir haben uns bewusst dagegen entschieden, aus zwei Gründen.

Erstens dürfen diese Daten nur mit kostenpflichtiger Lizenz veröffentlicht werden. Wir möchten unsere Inhalte frei zugänglich halten und nicht von einem einzelnen Datenanbieter abhängig sein.

Zweitens, und das ist mir wichtiger: Analystenschätzungen folgen häufig dem Kurs statt umgekehrt. Steigt eine Aktie, werden die Kursziele angehoben, fällt sie, werden sie gesenkt. Die Prognosen der Unternehmen selbst sind dagegen öffentlich, rechtlich verbindlicher formuliert und direkt überprüfbar. Deshalb stützen wir uns auf sie.

Wenn wir in einem Artikel trotzdem Erwartungen von Wall Street oder Kursziele einzelner Banken nennen, dann mit Quellenangabe aus der öffentlichen Berichterstattung.

Unser Freigabeprozess

Das Modell rechnet jeden Handelstag automatisch neu, nachdem die Schlusskurse aktualisiert wurden. Neue Quartalszahlen fließen ein, sobald das Unternehmen seinen Bericht bei der SEC eingereicht hat. Aber: Kein berechneter Fair Value geht automatisch online.

Jede neue Bewertung landet zunächst als Vorschlag bei der Redaktion. Wir prüfen die Annahmen, die gelesene Unternehmensprognose, auffällige Sondereffekte und die Veränderung gegenüber der letzten Bewertung. Erst nach dieser Prüfung wird der Wert freigegeben. Wenn uns etwas unplausibel erscheint, bleibt die Aktie im Status in Bewertung, bis die Sache geklärt ist.

Der Kurs dagegen aktualisiert sich täglich automatisch. Dadurch verändert sich der Abschlag jeden Tag, auch wenn der Fair Value gleich bleibt. Wie sich der Fair Value über die Zeit entwickelt hat, siehst du im Chart Kurs gegen Fair Value.

Die Grenzen des Modells

Nüchtern betrachtet: Kein Modell der Welt kann die Zukunft vorhersagen. Unser Modell hat Schwächen, die du kennen solltest.

  • Es ist mechanisch. Das Modell kennt keine Produktneuheiten, keine Klagen, keine Übernahmen und keinen Wechsel an der Unternehmensspitze, bevor sie sich in den Zahlen zeigen. Deshalb ergänzen wir die Zahlen in unseren Analysen immer um eine qualitative Einschätzung.
  • Es schaut auf die Vergangenheit. Die normalisierte Marge beruht auf den letzten fünf Jahren. Verändert sich ein Geschäftsmodell grundlegend, etwa durch KI, kann die Vergangenheit ein schlechter Ratgeber sein.
  • Es reagiert auf Zinsen. Steigt der risikolose Zins um einen Prozentpunkt, sinken die meisten Fair Values spürbar, ohne dass sich am Unternehmen etwas geändert hat. Das ist kein Fehler, sondern Finanzmathematik, aber es kann überraschen.
  • Prognosen können falsch sein. Wenn wir die Unternehmensprognose übernehmen und das Unternehmen sie verfehlt, ist auch unser Startwachstum zu hoch. Beim nächsten Bericht korrigiert sich das.
  • Maschinenlesbare Daten haben Lücken. Nicht jedes Unternehmen meldet jede Kennzahl in derselben Form. Wo Werte fehlen, schätzen wir sie nach festen Regeln, etwa den Zinsaufwand über das synthetische Rating, und weisen das in der Bewertung aus.
  • Kurse sind verzögert. Wir nutzen Tagesschlusskurse von IEX mit einem Handelstag Verzögerung. Für langfristige Bewertungen ist das unerheblich, für kurzfristiges Handeln sind unsere Daten nicht gedacht.

Unabhängigkeit und Transparenz

Unsere Bewertungen entstehen nach festen Regeln, die für jedes Unternehmen gleich sind. Wir passen Annahmen nicht an, damit ein gewünschtes Ergebnis herauskommt. Wenn wir im Freigabeprozess von einem Modellwert abweichen, begründen wir das im jeweiligen Artikel.

Die Regeln auf dieser Seite gelten für alle Bewertungen. Ändern wir etwas an der Methodik, dokumentieren wir das hier mit Datum.

Häufige Fragen zur Methodik

Wie oft wird der Fair Value aktualisiert?

Das Modell rechnet jeden Handelstag neu. Auf der Seite ändert sich der Fair Value aber erst, wenn die Redaktion die neue Bewertung freigegeben hat, in der Regel nach neuen Quartalszahlen oder deutlichen Zinsänderungen. Kurs und Abschlag aktualisieren sich täglich.

Warum weicht euer Fair Value von anderen Portalen ab?

Meist aus drei Gründen: Wir ziehen die aktienbasierte Vergütung vom Cashflow ab, wir begrenzen das ewige Wachstum auf höchstens 2,5%, und wir verwenden aktuelle Zinsen statt pauschaler Abzinsungssätze. Das führt tendenziell zu vorsichtigeren Werten.

Kann ich das Modell selbst nachrechnen?

Ja. Alle Eingangsdaten sind öffentlich, und in unseren ausführlichen Analysen zeigen wir die wichtigsten Annahmen: Umsatz, Marge, Wachstum, Beta, Kapitalkosten, Szenarien und Sensitivität. Mit einer Tabellenkalkulation lässt sich das Ergebnis nachvollziehen.

Ist ein hoher Abschlag ein Kaufsignal?

Nein, nicht automatisch. Ein hoher Abschlag kann bedeuten, dass der Markt ein Risiko sieht, das in den historischen Zahlen noch nicht sichtbar ist. Er ist ein Anlass, genauer hinzuschauen, nicht mehr. Lies deshalb immer auch die qualitative Analyse und den Reverse DCF.

Warum rechnet ihr in US Dollar?

Weil die Unternehmen in Dollar berichten und die Aktien in Dollar gehandelt werden. Den Euro Gegenwert zeigen wir zusätzlich zum aktuellen Referenzkurs der EZB. Bedenke, dass sich deine Rendite in Euro durch Wechselkursschwankungen von der Dollarrendite unterscheiden kann.

Wichtiger Hinweis

Die Inhalte auf US Aktien Hub dienen ausschließlich der Information und Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Fair Values sind Ergebnisse eines Modells, das auf Annahmen beruht, die sich als falsch erweisen können. Vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Investitionen in Aktien sind mit Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Triff Anlageentscheidungen immer auf Basis deiner eigenen Situation und ziehe im Zweifel eine unabhängige Beratung hinzu.

Quellen: SEC EDGAR, U.S. Department of the Treasury, Aswath Damodaran (NYU Stern), IEX Exchange, Europäische Zentralbank. Stand der Methodik: 08.10.26.