Altersvorsorgedepot 2027: Was es für US Aktien und ETFs bedeutet

Ab dem 01.01.27 fördert der Staat zum ersten Mal ein reines ETF Depot. Bis zu 480 € Grundzulage (bis zu 660 € inkl. Einführungsbonus), 300 € je Kind und eine Steuererstattung obendrauf. Aber Apple, Nvidia und dein US ETF aus Amerika bleiben draußen. Ich zeige dir, was im neuen Depot erlaubt ist, wie viel es dir wirklich bringt und wann ein normales Depot besser ist.

Stand: Oktober 2026 · Gesetzliche Grundlagen des BMF-Referentenentwurfs redaktionell geprüft · Keine Anlageberatung

Die kurze Antwort: Das Altersvorsorgedepot startet am 01.01.27 und ersetzt Riester. Auf 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr zahlt der Staat bis zu 480 € Grundzulage (bis zu 660 € inkl. Einführungsbonus 2027/2028), dazu bis zu 300 € je Kind. Erlaubt sind Fonds und ETFs bis Risikoklasse 5, also auch ein S&P 500 ETF, aber keine einzelnen US Aktien. Ausgezahlt wird frühestens mit 65.

Stell dir vor, du kaufst jeden Monat für 150 € ETF Anteile. Und jedes Mal, wenn du 150 € einzahlst, legt jemand still 45 € dazu. Ohne Gegenleistung, ohne Kleingedrucktes, einfach so.

Klingt zu schön? Genau das ist das Altersvorsorgedepot. Der Jemand ist der Staat.

Ohne Übertreibung: Als ich zum ersten Mal von der Reform gelesen habe, war ich skeptisch. Riester hat eine ganze Generation von Sparern mit hohen Kosten und Garantien enttäuscht, die vor allem den Versicherern genützt haben. Ich dachte, das wird wieder so ein Produkt. Dann habe ich das Gesetz gelesen, das am 29.05.26 im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, und die Zahlen nachgerechnet. Mein Ergebnis: Für die meisten Anleger ist das neue Depot ein ziemlich gutes Geschäft. Aber eben nicht für alle, und nicht für alles.

Denn auf dieser Seite geht es um US Aktien. Und genau da wird es spannend. Apple, Microsoft, Nvidia als Einzelaktie? Nicht erlaubt. Dein Vanguard ETF direkt aus Amerika? Auch nicht. Der S&P 500 über einen europäischen ETF? Ja, in der Regel schon.

In diesem Artikel bekommst du alles auf einen Blick: wie die Förderung funktioniert, was du im Depot kaufen darfst, wie sich das neue Depot gegen einen ganz normalen ETF Sparplan schlägt und wie ich US Aktien und Altersvorsorgedepot künftig kombinieren würde. Alle Zahlen kannst du mit meinem Altersvorsorgedepot Rechner für deine eigene Situation nachrechnen.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Start: 01.01.27. Ab dann gibt es keine neuen Riester Verträge mehr.
  • Förderung: 50% Zulage auf die ersten 360 €, 25% auf den Rest bis 1.800 €. Höchstens 480 € im Jahr (bis zu 660 € inkl. Einführungsbonus), plus 300 € je Kind und einmalig 200 € für Sparer unter 25.
  • Steuer: Beiträge plus Zulagen bis 1.800 € sind Sonderausgaben. Wer viel verdient, bekommt zusätzlich Geld vom Finanzamt.
  • US Aktien: Einzelaktien sind tabu. Ein S&P 500 oder MSCI World ETF mit europäischem Basisinformationsblatt und Risikoklasse bis 5 ist erlaubt.
  • Haken: Das Geld ist bis mindestens 65 gebunden, und die Auszahlung wird voll mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert.
Sparschwein aus Messing neben einem Rentenbescheid und einem Tablet mit steigendem Depotchart
Ab 2027 fördert der Staat erstmals ein reines ETF Depot für die Rente.

Was ist das Altersvorsorgedepot überhaupt?

Kurz gesagt: ein Wertpapierdepot mit staatlicher Zulage, in dem deine Erträge bis zur Rente ohne Steuer wachsen. Es ist der Nachfolger von Riester, aber ohne die teure Beitragsgarantie, die Riester für Aktien fast unbrauchbar gemacht hat.

Beschlossen hat das der Bundestag am 27.03.26, der Bundesrat hat am 08.05.26 zugestimmt. Der offizielle Name ist Altersvorsorgereformgesetz, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 2026 Teil I Nr. 156. Ich habe für diesen Artikel den Gesetzestext selbst gelesen und nicht die Zusammenfassungen der Banken, denn dort stehen teils falsche Zahlen. Mehrere Seiten schreiben zum Beispiel noch, dass du ab 62 an dein Geld kommst. Für neue Verträge ab 2027 stimmt das nicht.

Das Prinzip ist einfach. Du zahlst ein, der Staat legt eine Zulage dazu, und das Geld wird in ETFs oder Fonds angelegt. Solange es im Depot liegt, zahlst du keine Abgeltungsteuer und keine Vorabpauschale. Erst wenn du im Alter Geld entnimmst, wird es versteuert, und zwar mit deinem persönlichen Steuersatz. Das nennt man nachgelagerte Besteuerung.

Es ist so, als würdest du mit dem Finanzamt einen Deal machen: Heute bekommst du Geld geschenkt und bezahlst keine Steuer auf deine Gewinne. Dafür kassiert das Finanzamt später, wenn du in Rente bist und meistens weniger verdienst.

Wer bekommt die Förderung?

Grundsätzlich alle, die schon heute riesterberechtigt sind. Das sind vor allem Arbeitnehmer in der gesetzlichen Rentenversicherung, Beamte, Azubis, Eltern in Elternzeit und Arbeitslose. Ist nur dein Ehepartner direkt berechtigt, bekommst du über ihn eine kleinere Zulage von höchstens 175 €. Ob du persönlich dazugehörst, sagt dir im Zweifel deine Personalabteilung oder später der Anbieter beim Abschluss.

So viel Förderung bekommst du wirklich

Die Zulage ist bei kleinen Beiträgen prozentual am höchsten, die Steuererstattung lohnt sich vor allem bei hohem Einkommen. Die ersten 360 € im Jahr bringen 50% Zulage, also 30 € Eigenbeitrag im Monat holen schon 180 € vom Staat. Jeder weitere Euro bis 1.800 € bringt dann noch 25 Cent.

Eigenbeitrag im JahrGrundzulageZulage mit 1 KindZulage mit 2 Kindern
120 €60 €180 €300 €
360 €180 €480 €780 €
600 €240 €480 €780 €
1.200 €390 €690 €990 €
1.800 €480 €780 €1.140 €

Unter 120 € im Jahr gibt es gar nichts. Das ist der Mindesteigenbeitrag. Aber 10 € im Monat schafft wirklich fast jeder.

Zulagenquote im Altersvorsorgedepot nach Eigenbeitrag pro JahrZulage in % deines Eigenbeitrags0%50%100%150%50%150%120 €50%133%360 €40%90%600 €33%57%1.200 €30%47%1.800 €ohne Kindmit einem Kind
Eigene Berechnung nach § 84 und § 85 EStG in der Fassung ab 2027 (BGBl. 2026 I Nr. 156). Nur Zulagen, ohne Steuererstattung und ohne Berufseinsteigerbonus. Eigenbeitrag pro Jahr.

Schau dir die goldenen Balken an. Mit einem Kind bekommst du bei 360 € Eigenbeitrag 133% Zulage. Du zahlst 30 € im Monat und der Staat 40 €. Ich kenne keine andere legale Geldanlage, die das schafft.

Die Kinderzulage: 300 € pro Kind

Für jedes Kind, für das du Kindergeld bekommst, gibt es bis zu 300 € im Jahr, und zwar 100% deines Beitrags. Schon 25 € im Monat reichen also für die volle Kinderzulage. Bei zwei Kindern und 1.800 € Eigenbeitrag sind das zusammen 1.140 € Zulage im Jahr, rund 63% auf dein eigenes Geld.

Der Bonus für junge Sparer

Wer zu Beginn des Beitragsjahres noch keine 25 ist, bekommt einmalig 200 € extra. Eine 22 jährige Auszubildende mit 50 € im Monat bekommt also im ersten Jahr 240 € Grundzulage plus 200 € Bonus. Aus 600 € werden so 1.040 € im Depot.

Die Steuererstattung obendrauf

Bis zu 1.800 € plus deine Zulagen kannst du als Sonderausgaben in der Steuererklärung angeben. Das Finanzamt rechnet dann automatisch aus, was für dich besser ist: nur die Zulage oder der Steuervorteil. Ist der Steuervorteil höher, bekommst du die Differenz zurück. Das nennt sich Günstigerprüfung.

Ein Beispiel mit 1.800 € Eigenbeitrag und ohne Kinder:

SteuersatzErstattung extraFörderung gesamt
14%0 €480 €
30%162 €702 €
35%279 €819 €
42%443 €983 €

Die Grundzulage ist in allen Fällen 480 €. Die Erstattung ist der Teil des Steuervorteils, der über die Zulage hinausgeht.

Wer 42% Grenzsteuersatz zahlt, bekommt also fast 1.000 € pro Jahr Förderung auf 1.800 € Eigenbeitrag. Das sind 55%.

Kleiner Tipp: Der Grenzsteuersatz ist nicht dein Durchschnittssteuersatz, sondern die Steuer auf deinen letzten verdienten Euro. Bei rund 45.000 € brutto als Single liegst du etwa bei 30%. Im Altersvorsorgedepot Rechner kannst du das auswählen.

Was darfst du im Altersvorsorgedepot kaufen?

Erlaubt sind Fonds und ETFs, die im europäischen Basisinformationsblatt höchstens in Risikoklasse 5 von 7 eingestuft sind, dazu bestimmte Staatsanleihen in Euro. Einzelaktien, Kryptowährungen und Hebelprodukte sind ausgeschlossen. Das ist der Punkt, den die meisten Artikel nur in einem Nebensatz erwähnen. Für dich als Anleger mit US Fokus ist er der wichtigste.

Im Detail erlaubt das Gesetz:

  • OGAW Fonds und ETFs mit Basisinformationsblatt (PRIIPs), Risikoklasse höchstens 5, in Deutschland vertrieben
  • offene Publikumsfonds und ELTIFs, ebenfalls höchstens Risikoklasse 5
  • Anleihen in Euro von Bund, Ländern, Gemeinden, Euro Staaten, EU, Europäischer Investitionsbank und EFSF
  • Guthaben auf dem Verrechnungskonto

S&P 500 ETF: ja

Ein europäischer S&P 500 ETF ist in der Regel erlaubt. Der iShares Core S&P 500 UCITS ETF (IE00B5BMR087), einer der größten der Welt, ist in seinem aktuellen Basisinformationsblatt in Risikoklasse 4 eingestuft. Auch MSCI World ETFs liegen typischerweise bei 4.

Aber Achtung: Die Risikoklasse ist keine feste Eigenschaft eines ETFs. Sie wird aus den Schwankungen der letzten Jahre berechnet und regelmäßig angepasst. In ruhigen Jahren rutscht ein S&P 500 ETF auf 4, nach unruhigen Jahren steigt er auf 5. Ein Nasdaq 100 ETF schwankt stärker und landet eher bei 5. Was passiert, wenn ein ETF irgendwann auf 6 steigt, regeln die Anbieter in ihren Bedingungen. Frag danach, bevor du einen Vertrag abschließt.

Welcher S&P 500 ETF am wenigsten kostet, habe ich in meinem Vergleich Bester S&P 500 ETF ausgerechnet. Für den Nasdaq 100 gibt es den Vergleich Bester Nasdaq 100 ETF. Welche ETFs konkret ins Altersvorsorgedepot gehören, habe ich in der ETF Auswahl nach vier Kriterien durchgerechnet, inklusive Risikoklasse im KID und Steuerwirkung.

US ETFs aus Amerika: nein

ETFs, die in den USA aufgelegt sind, wie VOO, SPY oder QQQ, kannst du im Altersvorsorgedepot nicht kaufen. Sie haben kein europäisches Basisinformationsblatt und dürfen deshalb an Privatanleger in der EU gar nicht verkauft werden. Das ist bei deinem normalen Depot schon heute so und bleibt im Altersvorsorgedepot natürlich auch so.

Einzelne US Aktien: nein

Apple, Microsoft, Nvidia, Visa oder Coca Cola als Einzelaktie sind verboten. Das Gesetz lässt nur Fonds zu. Der Gedanke dahinter: Wer mit staatlichem Geld für die Rente spart, soll breit streuen.

Meiner Meinung nach ist das richtig, auch wenn ich selbst Einzelaktien liebe. Stell dir vor, jemand hätte vor 25 Jahren seine ganze Riester Förderung in eine einzige Technologieaktie gesteckt. Manche wären heute reich. Viele andere hätten nach dem Platzen der Dotcom Blase nie wieder ihren Einstand gesehen.

KI, Nvidia und Earnings: Du bist trotzdem dabei

Auch ohne Einzelaktien steckt in einem S&P 500 ETF eine Menge KI. Nvidia, Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon, Meta und Broadcom gehören zu den größten Positionen im Index. Wenn Nvidia an einem Mittwochabend Quartalszahlen meldet und der Kurs nachbörslich um 8% springt, bewegt sich dein Altersvorsorgedepot am nächsten Tag mit.

Das ist Vorteil und Risiko zugleich. Vorteil, weil du am KI Boom teilnimmst, ohne einzelne Gewinner auswählen zu müssen. Risiko, weil der S&P 500 heute so stark von wenigen Konzernen abhängt wie selten zuvor. Wie teuer der Gesamtmarkt gerade ist, zeige ich in meiner Analyse zur Bewertung des S&P 500 und mit der Kennzahl CAPE. Wer im Altersvorsorgedepot breiter streuen will, nimmt statt des reinen S&P 500 einen MSCI World ETF, in dem die USA aber auch mehr als zwei Drittel ausmachen.

Was ist mit der US Quellensteuer und dem W-8BEN?

Im Altersvorsorgedepot brauchst du kein W-8BEN, weil du dort nur Fonds hältst. Die US Quellensteuer auf die Dividenden der Firmen im Index zahlt der ETF selbst, bei einem irischen ETF meist 15%. Davon merkst du nichts, sie steckt in der Wertentwicklung. Das ist im normalen Depot bei ETFs genauso.

Das W-8BEN brauchst du weiterhin für dein normales Depot, sobald du dort einzelne US Aktien mit Dividende hältst. Ohne Formular behält der US Fiskus 30% statt 15% ein. Bei 1.000 € Dividende sind das 150 € pro Jahr. Meine W-8BEN Checkliste führt dich in fünf Minuten durch.

Standarddepot oder selbst auswählen?

Jeder Anbieter muss ein Standarddepot anbieten, in dem die Effektivkosten höchstens 1,0% im Jahr betragen dürfen. Daneben darfst du dir deine Fonds auch selbst aussuchen, dann gilt diese Kostenobergrenze nicht.

Das Standarddepot ist für Leute gedacht, die sich um nichts kümmern wollen. Es schichtet zum Ende hin automatisch in sicherere Anlagen um, damit kurz vor der Rente kein Crash alles zerstört. Das klingt gut, kostet aber Rendite.

1,0% Kosten im Jahr klingen wenig. Sie sind es nicht. Ein S&P 500 ETF kostet im normalen Depot oft nur 0,07% im Jahr. Rechne es dir aus: Bei einem Sparplan über 30 Jahre mit 6% Rendite kosten dich 1% Kosten im Jahr rund 17% deines Endkapitals, bei einer Einmalanlage sogar rund 25%. Das ist so, als würdest du jedes sechste Jahr deines Sparens umsonst arbeiten.

Die gute Nachricht: Die Neobroker drücken die Preise. Trade Republic, Scalable Capital, ING, comdirect, DKB, Consorsbank und die Sparkassen über die Deka haben Angebote ab 2027 angekündigt. Konkrete und vollständige Preisblätter fehlen bei den meisten aber noch. Mein Rat: Warte mit dem Abschluss, bis die Kosten schwarz auf weiß stehen, und vergleiche sie mit dem Rechner. Ein paar Wochen Verzögerung im Januar kosten dich kaum etwas, ein teurer Vertrag dagegen jedes Jahr.

Altersvorsorgedepot oder normales ETF Depot?

Für die meisten Sparer gewinnt das Altersvorsorgedepot deutlich, solange der Steuersatz im Alter nicht zu hoch ist. Ich habe das fair gerechnet: Das normale Depot bekommt jedes Jahr genau den Betrag, den dich das Altersvorsorgedepot nach Steuererstattung aus eigener Tasche kostet.

Die Annahmen für das Beispiel: 35 Jahre alt, 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr, keine Kinder, Rente mit 67, 6% Rendite vor Kosten, 0,5% Kosten im Altersvorsorgedepot und 0,2% im normalen Depot, Steuersatz im Alter 20%. Im normalen Depot zahlst du beim Verkauf Abgeltungsteuer mit Soli auf 70% des Gewinns, wegen der Teilfreistellung für Aktien ETFs.

Altersvorsorgedepot gegen normales ETF Depot nach Steuer, je nach Grenzsteuersatz heuteKapital nach Steuer mit 67, in €14% heute163 Tsd. €147 Tsd. €30% heute163 Tsd. €133 Tsd. €42% heute163 Tsd. €110 Tsd. €Altersvorsorgedepotnormales ETF Depot
Eigene Berechnung mit dem Altersvorsorgedepot Rechner: 35 Jahre alt, 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr, keine Kinder, Rente mit 67, 6% Rendite, Kosten 0,5% (Altersvorsorgedepot) und 0,2% (normales Depot), Steuersatz im Alter 20%. Das normale Depot bekommt denselben Nettobetrag aus deiner Tasche. Keine Steuerberatung.
Steuer heuteNormales DepotVorteil mit Förderung
14%146.503 €+16.782 €
30%133.317 €+29.967 €
42%110.463 €+52.822 €

Aus deiner eigenen Tasche zahlst du dabei pro Jahr 1.800 € (14%), 1.638 € (30%) oder 1.357 € (42%). Das Altersvorsorgedepot steht in allen drei Fällen bei 163.285 € nach Steuer zum Rentenbeginn mit 67.

Das Altersvorsorgedepot bringt in allen drei Fällen dasselbe, weil die Grundzulage immer 480 € ist. Was sich ändert, ist das normale Depot: Je höher dein Steuersatz heute, desto weniger kostet dich das Altersvorsorgedepot netto, und desto weniger Geld hättest du für das normale Depot übrig.

Wann das normale Depot gewinnt

Das normale Depot gewinnt, wenn dein Steuersatz im Alter sehr hoch ist oder die Kosten im Altersvorsorgedepot zu hoch sind. Im Beispiel mit 14% Grenzsteuersatz heute kippt der Vergleich erst bei einem Steuersatz von rund 28% im Alter. Mit 30% Grenzsteuersatz heute liegt die Grenze bei etwa 35%. So hohe Steuersätze haben Rentner nur mit sehr hohen anderen Einkünften.

Der zweite Gegner sind die Kosten. Mit 1,0% statt 0,5% im Jahr schrumpft der Vorteil im Beispiel mit 30% Steuersatz spürbar. Rechne das für dich nach, sobald die Anbieter ihre Preise nennen.

Der dritte Gegner ist die Flexibilität. Im normalen Depot kommst du jederzeit an dein Geld. Im Altersvorsorgedepot ist es bis mindestens 65 gebunden. Brauchst du es vorher, kostet dich das in aller Regel die Förderung.

Was über 1.800 € passiert

Du darfst bis zu 6.840 € im Jahr einzahlen, gefördert werden aber nur die ersten 1.800 €. Der Rest wächst ohne laufende Steuer, bekommt aber keine Zulage. Bei der Auszahlung werden für diesen Teil nur die Erträge versteuert. Ob sich das lohnt, hängt von deinem Steuersatz im Alter ab. Ich persönlich würde über 1.800 € hinaus eher im normalen Depot sparen, weil ich dort flexibel bleibe und US Einzelaktien kaufen kann.

Die Auszahlung: Was mit 65 passiert

Ausgezahlt wird frühestens mit 65 und spätestens ab 70, entweder als Auszahlungsplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente. Zu Beginn kannst du bis zu 30% auf einmal entnehmen.

Im Beispiel von oben mit 30% Grenzsteuersatz hast du mit 67 rund 204.000 € im Depot, vor Steuer. Davon könntest du zum Start bis zu 61.000 € auf einmal entnehmen. Oder du lässt dir alles bis 85 auszahlen, das sind laut Rechner rund 1.490 € im Monat vor Steuer, wenn das Restkapital in der Zeit weiter mit 5,5% nach Kosten wächst. Inflation ist da noch nicht eingerechnet (aktuelle Zins- und Inflationsdaten vergleichen wir im US Makro Dashboard).

Nüchtern betrachtet ist beim Auszahlungsplan mit 85 Schluss. Wer 95 wird, hat dann nur noch die gesetzliche Rente. Die lebenslange Rente schützt davor, ist aber meist deutlich niedriger, weil der Versicherer für dein Langlebigkeitsrisiko kassiert. Diese Entscheidung musst du erst mit 65 treffen, und bis dahin wird sich am Markt für solche Renten noch einiges tun.

Altersvorsorgedepot gegen Riester

Gegenüber Riester ist das Altersvorsorgedepot in fast jedem Punkt besser. Die Zulage ist höher, die Beitragsgarantie fällt weg, und du darfst wirklich in Aktien ETFs investieren.

MerkmalRiesterAb 2027
Grundzulage175 €bis 480 € (660 € mit Bonus)
Kinderzulage300 € (185 € vor 2008)300 €
Mindestbeitrag4% vom Einkommen120 € im Jahr
Garantieja, 100%nein
Kostendeckelkeiner1,0% (Standard)
Auszahlung ab6265
Auszahlungsplanbis 85, dann Rentebis mindestens 85

Der Mindestbeitrag bei Riester bezieht sich auf dein Einkommen im Vorjahr, abzüglich der Zulagen. Bestehende Riester Verträge laufen weiter. Ob du dein Riester Guthaben in ein Altersvorsorgedepot übertragen kannst und was das kostet, hängt von deinem Anbieter ab. Kündige nichts überstürzt, sonst zahlst du die alten Zulagen zurück.

Frühstart Rente: 10 € im Monat für Kinder

Die Bundesregierung will für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren 10 € im Monat in ein Altersvorsorgedepot einzahlen. Der Gesetzentwurf (Drucksache 21/7864) wurde am 25.09.26 in erster Lesung im Bundestag beraten. Beschlossen ist die Frühstart Rente also noch nicht.

Geplant ist ein Start zum 01.01.27, im ersten Schritt für Kinder des Jahrgangs 2020. Ich schreibe dazu einen eigenen Artikel, sobald der Bundestag entschieden hat. Bis dahin gilt: Plane nicht mit Geld, das noch nicht beschlossen ist.

Meine Strategie: US Aktien und Altersvorsorgedepot kombinieren

Ich würde das Altersvorsorgedepot als Fundament nutzen und US Einzelaktien weiter im normalen Depot halten. So holst du dir die volle Förderung und behältst trotzdem die Freiheit, in die Firmen zu investieren, die du selbst analysiert hast.

So würde ich es konkret aufteilen:

  1. Altersvorsorgedepot: genau so viel einzahlen, dass du die volle Zulage bekommst. Ohne Kinder sind das 1.800 € im Jahr, also 150 € im Monat. Mit Kindern mindestens 25 € pro Kind und Monat, damit die Kinderzulage voll ankommt. Darin ein günstiger MSCI World oder S&P 500 ETF.
  2. Normales Depot: alles darüber. Hier kaufst du US Einzelaktien wie Visa oder Johnson & Johnson, wenn sie unter ihrem fairen Wert notieren. Wie ich den berechne, steht in meiner Methodik zum Fair Value.
  3. Notgroschen: drei bis sechs Monatsausgaben auf dem Tagesgeldkonto, bevor du überhaupt an die Rente denkst. Denn das Geld im Altersvorsorgedepot ist bis 65 weg.

Es ist wie beim Hausbau. Das Fundament gießt du einmal, solide und langweilig. Die Einrichtung darfst du dann nach deinem Geschmack wählen und auch mal umstellen.

Ein Detail, das viele übersehen: Im Altersvorsorgedepot gibt es keine Vorabpauschale. Im normalen Depot wird sie für thesaurierende ETFs jedes Jahr im Januar fällig. Was dich das 2027 kostet, zeige ich in meinem Artikel zur Vorabpauschale. Allein das ist ein kleiner Grund mehr, den ETF Teil deiner Altersvorsorge im geförderten Depot zu halten.

Wenn du gerade erst anfängst und noch gar kein Depot hast, lies vorher meinen Leitfaden US Aktien kaufen in Deutschland. Dort erkläre ich Schritt für Schritt, welcher Broker zu dir passt.

Rechne es für dich aus

Alle Beispiele in diesem Artikel kannst du mit deinen eigenen Zahlen nachrechnen. Der Altersvorsorgedepot Rechner zeigt dir Grundzulage, Kinderzulage, Bonus, Steuererstattung, Endkapital und Auszahlung bis 85, und zwar direkt im Vergleich mit einem normalen ETF Depot. Die Rechnung läuft komplett in deinem Browser, ich speichere keine Daten.

Und wenn du für dein normales Depot noch das W-8BEN offen hast: Meine W-8BEN Checkliste erledigt das in fünf Minuten. Bei 1.000 € US Dividende im Jahr bringt dir das rund 150 € mehr.

Häufige Fragen

Kostenlose Arbeitsvorlagen für US Anleger

Nutze unsere redaktionellen Checklisten und Tabellen vor deiner nächsten Investmententscheidung:

Ab wann gibt es das Altersvorsorgedepot?

Ab dem 01.01.27. Das Altersvorsorgereformgesetz wurde am 29.05.26 im Bundesgesetzblatt verkündet. Neue Riester Verträge sind ab 2027 nicht mehr möglich, bestehende laufen weiter.

Wie hoch ist die Zulage im Altersvorsorgedepot?

50% auf die ersten 360 € Eigenbeitrag und 25% auf den Teil bis 1.800 €, höchstens also 480 € im Jahr (bis zu 660 € inkl. Einführungsbonus). Dazu kommen bis zu 300 € je Kind mit Kindergeld und einmalig 200 € für Sparer unter 25. Der Mindesteigenbeitrag liegt bei 120 € im Jahr.

Kann ich im Altersvorsorgedepot US Aktien kaufen?

Nein, Einzelaktien sind nicht erlaubt, auch keine US Aktien wie Apple oder Nvidia. Erlaubt sind Fonds und ETFs mit europäischem Basisinformationsblatt bis Risikoklasse 5. Ein europäischer S&P 500 ETF erfüllt das in der Regel, US ETFs wie VOO oder SPY nicht.

Ist ein S&P 500 ETF im Altersvorsorgedepot erlaubt?

In der Regel ja. Der iShares Core S&P 500 UCITS ETF ist in seinem aktuellen Basisinformationsblatt in Risikoklasse 4 eingestuft. Die Einstufung kann sich nach unruhigen Börsenjahren ändern, sie darf aber höchstens 5 betragen.

Wann kann ich mir das Geld auszahlen lassen?

Frühestens mit 65, spätestens ab 70. Möglich sind ein Auszahlungsplan bis mindestens 85 oder eine lebenslange Rente. Zu Beginn darfst du bis zu 30% auf einmal entnehmen. Die Auszahlungen werden mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert.

Lohnt sich das Altersvorsorgedepot für Gutverdiener?

Meistens besonders. Bei 42% Grenzsteuersatz und 1.800 € Eigenbeitrag kommen zur Grundzulage von 480 € noch rund 443 € Steuererstattung dazu. Entscheidend sind dein Steuersatz im Alter und die Kosten des Depots.

Quellen

Redaktionelles Prüfprotokoll und Primärquellen

Geprüft am: 09.10.26 durch Michael Khanna

Primärquellen: Gesetzliche Rahmenbedingungen des Altersvorsorgedepot-Gesetzes (AVD-G / Referentenentwurf), BMF-Veroeffentlichungen, Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland USA (Art. 10 DBA).

Gegenprüfung: Zulassungskriterien fuer Zertifizierungsdepots, UCITS-Konformitaet versus US-domizilierte ETFs (PRIIPs/KID Problematik) und Quellensteueranrechnung im steuerbeguenstigten Depot.

Redaktioneller Risikohinweis und Transparenz

Hinweis nach § 85 WpHG: Die auf USAktienHub.de veröffentlichten Analysen, Berechnungen und Ratgeber dienen ausschließlich der allgemeinen Information und finanziellen Bildung. Sie stellen keine Anlageberatung, steuerliche Beratung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Der Handel mit Aktien, ETFs und Derivaten birgt finanzielle Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Historische Renditen und mathematische Modellrechnungen bieten keine Garantie für die künftige Wertentwicklung.

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