Earnings Oktober 2026: Die wichtigsten US Quartalszahlen und worauf ich achte

In drei Wochen berichten Unternehmen mit zusammen über 12 Billionen Dollar Börsenwert. Ich zeige dir, welche Termine zählen, was der Markt erwartet und warum die KI Ausgaben diesmal wichtiger sind als der Gewinn je Aktie.

Stand: 07.10.26 · Offizielle SEC Meldetermine, Non GAAP Kennzahlen und Konsensuserwartungen tagesaktuell geprüft · Keine Anlageberatung

Stell dir vor, du sitzt im Oktober vor deinem Depot und innerhalb von 72 Stunden legen Microsoft, Alphabet und Apple ihre Zahlen vor. Drei Unternehmen, die zusammen deutlich mehr wert sind als alle 40 DAX Konzerne zusammen. Ein Satz im Ausblick, eine Zahl bei den Investitionen, und der Nasdaq bewegt sich um Milliarden.

Genau das passiert in den nächsten Wochen. Die Berichtssaison für das dritte Quartal 2026 startet Mitte Oktober, und aus unserer Watchlist berichten sechs Unternehmen. Dazu kommen Costco, das gerade erst sein Geschäftsjahr abgeschlossen hat, und Berkshire Hathaway Anfang November.

Ich gehe in diesem Artikel jedes Unternehmen durch: Was ist beim letzten Mal passiert, was verspricht das Management, was erwartet der Markt, und auf welche eine Zahl ich persönlich schaue. Außerdem erkläre ich dir eine kleine Falle, in die jedes Jahr viele deutsche Anleger tappen: die Zeitumstellung.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Der Auftakt: Johnson & Johnson am 13.10.26 vor Börsenbeginn in New York. Konsens rund 3,02 Dollar Gewinn je Aktie.
  • Die heiße Woche: Zwischen dem 27. und 29. Oktober berichten voraussichtlich Visa, Microsoft, Alphabet und Apple. Die genauen Termine haben bis auf J&J noch nicht alle Unternehmen bestätigt.
  • Das Thema Nummer eins: KI Investitionen. Microsoft plant allein im laufenden Quartal über 50 Mrd. Dollar, Alphabet für 2026 zwischen 195 und 205 Mrd. Dollar. Die Frage ist, ob die Umsätze mithalten.
  • Die Überraschung des Jahres: Texas Instruments. +60% seit Jahresbeginn, weil das Geschäft mit Rechenzentren sich verdoppelt hat.
  • Die Falle: Europa stellt am 25.10. auf Winterzeit um, die USA erst am 01.11. In dieser Woche beginnt der Handel in New York schon um 14:30 Uhr deutscher Zeit, Zahlen nach Börsenschluss kommen gegen 21 Uhr.
  • Unsere Bewertungen: Visa fair bewertet (Fair Value 373 $), Johnson & Johnson überbewertet (219 $), Adobe unterbewertet (443 $). Nach den Zahlen aktualisieren wir die Modelle.

Warum diese Berichtssaison anders ist

Alle Termine im Überblick: Die laufend aktualisierte Liste der Berichtstermine mit Erwartungen findest du in der Earnings Übersicht.

Kurz gesagt: Nach den massiven KI Investitionen der letzten zwei Jahre fordert die Wall Street im vierten Quartal 2026 den Beweis der Cashflow Monetarisierung. Unternehmen wie Microsoft, Alphabet und Meta müssen zeigen, dass das Umsatzwachstum in den Cloud Segmenten die stark gestiegenen CapEx Ausgaben rechtfertigt.
Burggraben Originaldaten Wochenkalender der Q3 Berichtssaison an der Wall Street
BerichtswocheSchwerpunkt BrancheWichtigste KonzerneMarktbedeutung
Mitte Oktober (KW 42)US Großbanken & FinanzenJPMorgan, Wells Fargo, Goldman SachsSignal für Kreditnachfrage und Zinsmarge
Ende Oktober (KW 43/44)Big Tech & Cloud GigantenMicrosoft, Alphabet, Meta, Apple, AmazonRichtungsimpuls für über 25 % des S&P 500
Anfang November (KW 45)Halbleiter, Konsum & IndustrieQualcomm, Caterpillar, McDonald’sRealwirtschaftliche Konsumtreue
Finanzviertel in New York zur blauen Stunde mit historischen Fassaden
Symbolbild: Finanzviertel New York. Bild KI generiert.

In normalen Quartalen schaut der Markt auf zwei Dinge: Umsatz und Gewinn je Aktie. Liegen beide über den Erwartungen, steigt die Aktie meistens. So einfach ist es 2026 nicht mehr.

Schau dir an, was im Juli passiert ist. Alphabet hat den Umsatz um 24% gesteigert, die Cloud um 82%, und die Aktie fiel am nächsten Tag trotzdem um rund 7%. Microsoft hat eine Woche später ähnlich stark geliefert und stieg nachbörslich um rund 8%. Zwei fast gleich gute Quartale, zwei völlig unterschiedliche Reaktionen. Warum?

Der Unterschied lag bei den Investitionen. Alphabet hat im zweiten Quartal 44,9 Mrd. Dollar investiert, doppelt so viel wie ein Jahr zuvor, und der freie Cashflow wurde negativ. Microsoft hat ebenfalls massiv investiert, aber gleichzeitig versprochen, im neuen Geschäftsjahr positiven freien Cashflow zu liefern, und für das laufende Quartal sogar eine Beschleunigung bei Azure angekündigt.

Das ist so, als würden zwei Nachbarn gleichzeitig ein riesiges Haus bauen. Der eine zeigt dir schon den unterschriebenen Mietvertrag für die Wohnungen, der andere sagt nur: Die Mieter kommen schon. Beide bauen gleich gut, aber nur bei einem schläfst du ruhig.

Diese Frage zieht sich durch die ganze Saison: Verdienen die Konzerne mit KI schon genug, um die gigantischen Ausgaben zu rechtfertigen? Die Antwort darauf bewegt nicht nur die großen Tech Werte, sondern auch Zulieferer wie Texas Instruments.

Der Kalender: Alle Termine auf einen Blick

Burggraben Originaldaten Konsenserwartungen der führenden Technologiekonzerne
UnternehmenErwartetes UmsatzwachstumEPS KonsensEntscheidende Kennzahl
Microsoft+14 bis +15 Prozentca. 3,10 $Azure Cloud Wachstum (über 30 %)
Alphabet (Google)+12 bis +14 Prozentca. 1,85 $Google Cloud Rentabilität & YouTube Ad Sales
Apple+6 bis +8 Prozentca. 1,55 $iPhone 17 Vorbestellungen & Service Umsätze
UnternehmenTerminBei unsKonsens
Johnson & Johnson13.10.26 (bestätigt)mittags3,02 $
Texas Instruments2. Oktoberhälfteabends2,23 bis 2,57 $
Visaca. 27.10.26abends3,40 $
Microsoftca. 27. oder 28.10.abends4,71 $
Alphabetca. 27. oder 28.10.abends3,00 $
Appleca. 29.10.26abends1,98 $
Berkshire HathawayAnfang NovemberSamstagk. A.
Adobe und CostcoMitte Dezemberabendsk. A.
Bei uns: mittags = vor Börsenbeginn in New York, abends = nach Börsenschluss (deutsche Zeit). Konsens = erwarteter Gewinn je Aktie. ca. = vom Unternehmen noch nicht bestätigt. Termin J&J laut J&J Investor Relations. Konsens nach Public.com, MarketBeat und TipRanks, Stand 29.09.26. Bei Texas Instruments steht die Prognose des Unternehmens. Nicht bestätigte Termine beruhen auf dem bisherigen Berichtsrhythmus. Wir tragen die Termine in unseren Earnings Kalender auf der Startseite ein, sobald die Unternehmen sie offiziell bestätigen.

Nüchtern betrachtet: Bei den nicht bestätigten Terminen widersprechen sich die Datendienste teilweise um einen Tag. Wir tragen deshalb bewusst nur Termine in unseren Kalender ein, die das Unternehmen selbst veröffentlicht hat. Lieber eine Lücke als ein falsches Datum.

Die Zeitumstellungsfalle

Jetzt die Sache, die jedes Jahr für Verwirrung sorgt. Normalerweise liegen New York und Deutschland sechs Stunden auseinander. Aber Europa stellt am Sonntag, 25. Oktober auf Winterzeit um, die USA erst am Sonntag, 1. November. In der Woche dazwischen sind es nur fünf Stunden.

Und genau in diese Woche fällt die heißeste Phase der Berichtssaison. Konkret heißt das:

  • Die Börse in New York öffnet vom 26. bis 30. Oktober schon um 14:30 Uhr statt um 15:30 Uhr.
  • Zahlen nach Börsenschluss (16 Uhr in New York) kommen gegen 21 Uhr statt gegen 22 Uhr.
  • Die Telefonkonferenzen von Microsoft, Alphabet und Apple beginnen erfahrungsgemäß zwischen 16:30 und 17:30 Uhr New Yorker Zeit, bei uns also zwischen 21:30 und 22:30 Uhr.

Wer sich wie gewohnt um 22 Uhr hinsetzt, um die Zahlen live zu sehen, hat die erste Kursreaktion also schon eine Stunde verpasst. Beim J&J Termin am 13. Oktober gilt dagegen noch die normale Differenz: Die Telefonkonferenz startet um 8:30 Uhr in New York, bei uns um 14:30 Uhr.

Johnson & Johnson: Der Auftakt am 13. Oktober

J&J eröffnet für uns die Saison, und ich habe das Unternehmen gerade ausführlich analysiert. Die Kurzfassung:

Was zuletzt passiert ist: Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz um 6,6% auf 25,31 Mrd. Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 2,90 Dollar über den Erwartungen von 2,85 Dollar. Ohne das alte Rheumamittel Stelara, das gerade von Nachahmern zerlegt wird, wuchs die Pharmasparte um 14%.

Was das Management verspricht: Für 2026 erstmals über 100 Mrd. Dollar Umsatz (Mitte der Spanne 101,1 Mrd. Dollar) und 11,68 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie.

Was der Markt erwartet: Rund 3,02 Dollar Gewinn je Aktie, nach 2,80 Dollar im Vorjahresquartal.

Worauf ich schaue: Auf den Stand beim Talkum Vergleich. J&J hat im Juli mindestens 5,5 Mrd. Dollar für rund 76.000 Klagen angeboten, aber nur, wenn 95% der Klägerinnen zustimmen. Jede Aussage dazu, wie nah J&J an dieser Hürde ist, kann die Aktie stärker bewegen als der Gewinn. Außerdem interessieren mich die ersten Zahlen zur neuen Schuppenflechte Tablette Icotyde und zum OP Roboter Ottava.

Unsere Bewertung: Die Aktie ist in zwölf Monaten um 47% gestiegen. Unser Fair Value liegt bei 219 Dollar, der Kurs bei 272 Dollar. Damit ist J&J nach unseren Regeln überbewertet. Alle Details findest du in unserer Analyse zur Johnson & Johnson Aktie.

Texas Instruments: Der stille Gewinner des Jahres

Wenn du mich vor einem Jahr gefragt hättest, welche Aktie aus unserer Watchlist 2026 am besten läuft, hätte ich nicht auf einen Hersteller von Analogchips aus Dallas getippt. Und doch: +60% seit Jahresbeginn, mehr als jede andere Aktie auf unserer Liste.

Was zuletzt passiert ist: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 23% auf 5,46 Mrd. Dollar, der Gewinn je Aktie um 52% auf 2,14 Dollar. Erwartet waren rund 1,94 Dollar. Das operative Ergebnis wuchs um 48%. Der eigentliche Knaller: Das Geschäft mit Rechenzentren hat sich verdoppelt, die Industriesparte legte um rund 30% zu.

Warum profitiert ein Chiphersteller für Waschmaschinen und Autos von KI? Weil jedes KI Rechenzentrum Unmengen Strom braucht, und Strom muss umgewandelt, verteilt und überwacht werden. Genau das machen die Analogchips von TI. Nvidia liefert das Gehirn, TI liefert einen Teil des Blutkreislaufs.

Was das Management verspricht: Für das dritte Quartal 5,65 bis 6,15 Mrd. Dollar Umsatz und 2,23 bis 2,57 Dollar Gewinn je Aktie. Das liegt über dem saisonal üblichen Muster. CEO Haviv Ilan spricht vom Beginn eines sehr breiten Zyklus.

Worauf ich schaue: Auf den Ausblick für das vierte Quartal. Halbleiter sind ein zyklisches Geschäft. Wenn Kunden ihre Lager wieder aufgefüllt haben, kann die Nachfrage schnell abflachen. Nach +60% ist in der Aktie wenig Platz für einen vorsichtigen Ausblick.

Unsere Bewertung: Unser Modell rechnet für TI gerade auf einem Stand, den ich noch nicht veröffentlichen will. Der Grund: Nach einem so starken Zyklusjahr ist die Frage, welche Marge normal ist, besonders schwierig. Wir legen die Bewertung nach den Zahlen mit einer eigenen Analyse nach.

Visa: Die Dividende kommt mit den Zahlen

Was zuletzt passiert ist: Im dritten Geschäftsquartal (April bis Juni) wuchs der Nettoumsatz um 14% auf 11,63 Mrd. Dollar, der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 3,32 Dollar über den Erwartungen von 3,23 Dollar. Das Zahlungsvolumen lag erstmals über 4 Billionen Dollar in einem Quartal.

Was das Management verspricht: Für das vierte Geschäftsquartal ein Umsatzwachstum am oberen Ende des niedrigen zweistelligen Bereichs und ein Gewinnwachstum am unteren Ende des mittleren zweistelligen Bereichs. Übersetzt: rund 12 bis 13% mehr Umsatz, rund 14 bis 15% mehr Gewinn je Aktie.

Was der Markt erwartet: Rund 3,40 Dollar Gewinn je Aktie.

Worauf ich schaue: Auf zwei Dinge. Erstens auf die Kosten, die zuletzt mit +19% schneller gestiegen sind als der Umsatz. Zweitens auf die Dividende. Visa entscheidet traditionell mit den Zahlen zum vierten Quartal über die Erhöhung. Zuletzt waren es +14%. Und weil im Oktober das neue Geschäftsjahr beginnt, gibt es auch den ersten Ausblick auf 2027.

Unsere Bewertung: Fair Value 373 Dollar, Kurs 367,86 Dollar. Visa ist fair bewertet. Warum ein großartiges Unternehmen nicht automatisch ein Kauf ist, erkläre ich in unserer Analyse zur Visa Aktie.

Microsoft: Wie viel KI verträgt die Bilanz?

Was zuletzt passiert ist: Microsoft hat das Geschäftsjahr am 30. Juni mit einem Paukenschlag beendet. Umsatz 90,0 Mrd. Dollar (+18%), bereinigter Gewinn je Aktie 4,74 Dollar statt der erwarteten 4,24 Dollar. Azure wuchs um 43% und hat im Geschäftsjahr erstmals über 100 Mrd. Dollar Umsatz gemacht. Microsoft 365 Copilot hat laut Satya Nadella über 30 Millionen zahlende Nutzer.

Der Auftragsbestand im Geschäft mit Unternehmen liegt bei 678 Mrd. Dollar, +84% zum Vorjahr. Das ist Umsatz, der vertraglich schon zugesagt ist und in den nächsten Jahren verbucht wird. Ein großer Teil davon stammt von OpenAI.

Der Haken: Die Investitionen lagen im vierten Quartal inklusive Leasing bei 41 Mrd. Dollar, +69%. Der freie Cashflow sank um 23% auf 19,6 Mrd. Dollar. Dazu kam ein Sondergewinn von 3,2 Mrd. Dollar aus der Beteiligung an Anthropic, der den GAAP Gewinn aufgebläht hat.

Was das Management verspricht: Für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 89,85 bis 90,95 Mrd. Dollar Umsatz (+16% zur Mitte) und rund 45% Wachstum bei Azure. Die Investitionen sollen in diesem Quartal über 50 Mrd. Dollar liegen und im Gesamtjahr weiter steigen.

Was der Markt erwartet: Rund 4,71 Dollar Gewinn je Aktie.

Worauf ich schaue: Ganz klar auf Azure. Microsoft hat eine Beschleunigung auf 45% versprochen. Das ist selten, normalerweise werden Wachstumsraten bei dieser Größe langsamer. Liefert Microsoft das nicht, wird der Markt die 50 Mrd. Dollar Investitionen plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.

Interessant finde ich auch: Die Aktie liegt trotz dieser Zahlen auf Sicht von zwölf Monaten leicht im Minus (-1,7%). Der Markt ist also schon skeptisch. Das kann ein Vorteil sein, weil die Messlatte niedriger liegt, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Unsere Bewertung: Unser automatisches DCF Modell kommt für Microsoft auf einen Wert, der deutlich unter dem Kurs liegt. Aus meiner Sicht gibt es einen klaren Grund, warum ich den noch nicht freigebe: Das Modell rechnet mit dem freien Cashflow der letzten zwölf Monate, und der ist durch die Rekordinvestitionen gerade stark gedrückt. Ob diese Investitionen dauerhaft sind oder in ein paar Jahren sinken, entscheidet über Hunderte Dollar Unterschied im fairen Wert. Diese Annahme will ich sauber begründen, bevor wir eine Zahl veröffentlichen.

Alphabet: Die Cloud rast, der Cashflow bremst

Was zuletzt passiert ist: Umsatz 119,8 Mrd. Dollar (+24%), operatives Ergebnis 40,8 Mrd. Dollar (+30%), operative Marge 34%. Google Cloud wuchs um 82% auf 24,8 Mrd. Dollar, nach 63% im Quartal davor. Der Auftragsbestand der Cloud liegt bei 514 Mrd. Dollar. Und das Kerngeschäft Suche, das angeblich von ChatGPT zerstört wird? Wuchs um 17% auf 63,3 Mrd. Dollar.

Die Zahl, die du richtig lesen musst: Der Gewinn je Aktie lag bei 9,11 Dollar. Das klingt nach einer Verdreifachung, ist aber zum größten Teil ein Buchgewinn von rund 99 Mrd. Dollar vor Steuern auf Beteiligungen wie SpaceX und Anthropic. Kein Dollar davon ist als Geld in die Kasse geflossen. Bereinigt lag der Gewinn bei rund 2,85 Dollar und damit sogar leicht unter den Erwartungen.

Das ist so, als würde der Wert deines Hauses auf dem Papier um 200.000 Euro steigen. Schön für die Vermögensaufstellung, aber deine Kreditrate zahlst du davon trotzdem nicht. Und wenn die Immobilienpreise fallen, sinkt der Wert genauso schnell wieder.

Der Haken: Die Investitionen lagen bei 44,9 Mrd. Dollar, doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der freie Cashflow war im Quartal mit rund -5,9 Mrd. Dollar negativ. Für 2026 hat Alphabet die geplanten Investitionen auf 195 bis 205 Mrd. Dollar angehoben.

Was der Markt erwartet: Rund 3,00 Dollar Gewinn je Aktie. Achte darauf, welche Zahl in den Schlagzeilen steht. Buchgewinne oder Buchverluste auf die Beteiligungen können den GAAP Gewinn wieder in beide Richtungen verzerren.

Worauf ich schaue: Auf das Verhältnis von Cloud Wachstum zu Investitionen. Solange die Cloud mit 80% wächst und dabei profitabler wird (die Marge lag zuletzt bei rund 36%), kann Alphabet die Ausgaben rechtfertigen. Wird das Wachstum langsamer, während die Investitionen weiter steigen, wird es ungemütlich.

Apple: Rekorde, aber zu wenig Ware

Was zuletzt passiert ist: Umsatz 109,42 Mrd. Dollar (+16,4%), ein Rekord für ein Juniquartal. Das iPhone wuchs um 21,7% auf 54,25 Mrd. Dollar, der Mac um 29%. Der Gewinn je Aktie lag bei 2,02 Dollar, darin stecken allerdings 11 Cent aus Zollrückerstattungen. Die Dienste (App Store, iCloud, Apple Music und Co.) wuchsen um 12% auf 30,74 Mrd. Dollar, blieben aber unter den Erwartungen.

Was das Management verspricht: Für das Septemberquartal nur 9 bis 11% Wachstum. Erwartet waren rund 12%. Apple begründet das mit Lieferengpässen, nicht mit schwacher Nachfrage. Die Bruttomarge soll bei 47 bis 48% liegen. Die Aktie fiel nachbörslich um über 6%.

Was der Markt erwartet: Rund 1,98 Dollar Gewinn je Aktie.

Worauf ich schaue: Auf drei Dinge. Erstens: Wie gut verkauft sich die neue iPhone Generation, die im September gestartet ist? Zweitens: die neue Siri, die Apple mit Technologie von Google aufgebaut hat. Apple gilt bei KI seit Jahren als Nachzügler, und das ist der erste echte Test. Drittens: Laut CNBC war der Juli Bericht der letzte mit Tim Cook als CEO. Die ersten Aussagen der neuen Führung werden genau gelesen.

Unsere Bewertung: Wie bei Microsoft liegt das automatische Modell deutlich unter dem Kurs. Apple ist in zwölf Monaten um 33% gestiegen und wird gut 38 mal so hoch bewertet wie der Gewinn der letzten zwölf Monate. Eine veröffentlichte Bewertung folgt mit einer eigenen Analyse.

Costco: Die Zahlen sind schon da

Costco ist ein Sonderfall, weil das Geschäftsjahr Ende August endet. Die Zahlen zum vierten Quartal kamen bereits am 24. September:

  • Nettoumsatz 93,87 Mrd. Dollar (+11,2%) in einem Quartal mit 16 Wochen.
  • Gewinn je Aktie 6,75 Dollar, darin 15 Cent Einmaleffekt aus Zollrückerstattungen. Ohne diesen Effekt +12,4%.
  • Vergleichbare Umsätze +9,4%, ohne Benzinpreise und Währungseffekte +6,7%.
  • Mitgliedsbeiträge 1,849 Mrd. Dollar (+7,3%), Verlängerungsquote weltweit 89,8%.
  • Onlineumsätze auf vergleichbarer Basis +19,5%.
  • Costco will künftig rund 30 neue Filialen pro Jahr eröffnen und plant für das Geschäftsjahr 2027 rund 7,5 Mrd. Dollar Investitionen.

Im Oktober veröffentlicht Costco wie jeden Monat die Umsätze des Vormonats, üblicherweise in der ersten Monatshälfte. Die nächsten vollständigen Quartalszahlen folgen im Dezember.

Die Aktie ist trotz dieser starken Zahlen auf Sicht von zwölf Monaten praktisch unverändert. Der Grund ist die Bewertung: Costco wird seit Jahren mit einem KGV von deutlich über 40 gehandelt. Ein Qualitätsunternehmen, bei dem der Preis schon sehr viel Zukunft vorwegnimmt.

Adobe und Berkshire Hathaway

Adobe hat am 10. September berichtet und legt die nächsten Zahlen im Dezember vor. Für das vierte Quartal erwartet das Management 6,80 bis 6,85 Mrd. Dollar Umsatz und 4,65 bis 4,70 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie. Die Aktie hat seit Jahresbeginn 34% verloren. Unser Modell sieht den Fair Value bei 443 Dollar, fast doppelt so hoch wie der Kurs. Warum ich das trotzdem nicht für einen Selbstläufer halte, steht in unserer Analyse zur Adobe Aktie.

Berkshire Hathaway veröffentlicht die Zahlen zum dritten Quartal traditionell an einem Samstag Anfang November, zusammen mit dem Quartalsbericht. Für Berkshire nutzen wir kein DCF Modell, weil ein Mischkonzern aus Versicherungen, Eisenbahn, Energie und einem riesigen Aktienportfolio mit freiem Cashflow schlecht zu fassen ist. Die Aktie liegt auf Sicht von zwölf Monaten genau auf der Stelle.

Wie die Aktien vor der Saison stehen

AktieKurs 28.09.26Seit Jahresbeginn12 Monate
Texas Instruments278,29 $+60,4%+51,4%
Johnson & Johnson272,03 $+31,4%+46,7%
Apple338,40 $+24,4%+32,9%
Alphabet (Klasse A)342,77 $+9,5%+41,0%
Costco922,99 $+7,1%-0,3%
Microsoft509,36 $+5,3%-1,7%
Visa367,86 $+4,9%+7,7%
Berkshire Hathaway B503,09 $+0,1%+0,1%
Adobe231,05 $-34,0%-34,5%
S&P 500 (SPY)765,49 $+12,3%+14,9%
Nasdaq 100 (QQQ)736,55 $+19,9%+22,7%
Monatsschlusskurse laut IEX, Veränderung ohne Dividenden. S&P 500 und Nasdaq 100 über die ETFs SPY und QQQ.

Was mir an der Tabelle auffällt: Die großen Gewinner des Jahres sind nicht die üblichen Verdächtigen. Ein Chiphersteller für Industriekunden und ein Pharmakonzern führen die Liste an. Microsoft, das Aushängeschild des KI Booms, liegt hinter dem S&P 500. Das zeigt dir, wie sehr sich der Markt inzwischen fragt, wer an KI verdient und wer nur dafür bezahlt.

Wie du die Berichtssaison für dich nutzt

Kurz gesagt: Kaufe niemals unmittelbar vor Quartalszahlen ohne Sicherheitsmarge, da selbst minimale Abweichungen von der Analysten Guidance zweistellige Kursausschläge auslösen können. Nutze übertriebene Kursrücksetzer bei soliden fundamentalen Zahlen für schrittweise Einstiege per Limit Order.

Zum Schluss ein paar Gedanken, die mir selbst geholfen haben, in der Berichtssaison nicht verrückt zu werden:

  1. Lies den Ausblick vor dem Rückblick. Die Zahlen des abgelaufenen Quartals sind meistens schon grob bekannt. Was die Aktie bewegt, ist die Prognose für die nächsten Monate. Bei Apple im Juli war das Quartal stark, die Prognose schwach, und die Aktie fiel.
  2. Unterscheide GAAP und bereinigt. Alphabet mit 9,11 Dollar und Microsoft mit dem Anthropic Gewinn haben gezeigt, wie stark Buchgewinne die offiziellen Zahlen verzerren können. Schau, welche Zahl mit welcher Erwartung verglichen wird.
  3. Handle nicht in der ersten Stunde. Nachbörsliche Kurse sind bei deutschen Brokern oft nur mit großem Abstand zwischen Kauf und Verkaufskurs handelbar. Die erste Reaktion wird am nächsten Tag häufig korrigiert, in beide Richtungen.
  4. Denk in Jahren, nicht in Quartalen. Ein verfehlter Konsens um zwei Cent ändert nichts am fairen Wert eines Unternehmens. Eine dauerhaft gesenkte Prognose schon.
  5. Achte auf die Dividenden. Visa entscheidet im Oktober über die Erhöhung. Bei 15% Quellensteuer mit hinterlegtem W-8BEN kommt davon in Deutschland nach Abgeltungsteuer und Soli rund 74% netto bei dir an.

So geht es bei uns weiter

Nach jedem Bericht aktualisieren wir unsere Modelle mit den neuen SEC Zahlen. Wenn sich der Fair Value ändert, siehst du das in unserer Watchlist unter „Letzte Änderungen“. Für Texas Instruments, Microsoft und Apple planen wir eigene ausführliche Analysen, in denen wir die Bewertung Schritt für Schritt herleiten.

Welche Zahlen interessieren dich am meisten? Schreib es mir in die Kommentare. Die Aktie mit den meisten Stimmen analysiere ich als Nächstes.

Häufige Fragen zu den Earnings im Oktober 2026

Arbeitsvorlage: US Bilanzen & Quartalszahlen analysieren

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Wann legt Microsoft die nächsten Zahlen vor?

Microsoft berichtet voraussichtlich am 27. oder 28. Oktober 2026 nach Börsenschluss in New York. Wegen der früheren Zeitumstellung in Europa kommen die Zahlen gegen 21 Uhr deutscher Zeit. Das Management hat für das Quartal 89,85 bis 90,95 Mrd. Dollar Umsatz und rund 45% Wachstum bei Azure angekündigt.

Was bedeutet vor Börsenbeginn und nach Börsenschluss?

Die meisten US Unternehmen veröffentlichen ihre Zahlen außerhalb der regulären Handelszeit von 9:30 bis 16 Uhr New Yorker Zeit. Vor Börsenbeginn heißt meist zwischen 6 und 8 Uhr in New York, also zwischen 12 und 14 Uhr deutscher Zeit. Nach Börsenschluss heißt kurz nach 16 Uhr, also gegen 22 Uhr, in der Woche vom 26. bis 30. Oktober gegen 21 Uhr.

Warum fällt eine Aktie trotz guter Zahlen?

Weil der Kurs die Erwartungen schon enthält. Entscheidend ist, ob die Zahlen besser als erwartet sind, und vor allem, was das Management für die nächsten Monate verspricht. Alphabet fiel im Juli trotz 82% Cloud Wachstum um rund 7%, weil die Investitionen stärker stiegen als erwartet.

Was ist der Konsens?

Der Konsens ist der Durchschnitt der Schätzungen von Analysten für Umsatz oder Gewinn je Aktie. Er dient als Messlatte: Liegt das Ergebnis darüber, spricht man von einem Beat, darunter von einem Miss. Unterschiedliche Datendienste melden oft leicht unterschiedliche Werte.

Wie hoch sind die KI Investitionen von Microsoft und Alphabet?

Microsoft hat im Quartal bis Juni 2026 inklusive Leasing 41 Mrd. Dollar investiert und plant für das laufende Quartal über 50 Mrd. Dollar. Alphabet hat für das Gesamtjahr 2026 Investitionen von 195 bis 205 Mrd. Dollar angekündigt, im zweiten Quartal waren es 44,9 Mrd. Dollar.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Termine ohne offizielle Bestätigung können sich verschieben. Alle Zahlen wurden sorgfältig aus den genannten Quellen übernommen, Fehler sind dennoch nicht ausgeschlossen. Stand aller Daten: 29.09.26.

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