Konstanz schlägt Hype: Als Johnson & Johnson Ende September 2021 bei 161,44 Dollar gehandelt wurde, brachte ein Investment von 10.000 Dollar verlässliche Stabilität ins Depot. Bei einem Kurs von 272,03 Dollar am 28.09.26 beläuft sich der Wert auf rund 16.850 Dollar, ganz ohne die quartalsweisen Dividendenausschüttungen gerechnet.
Jetzt kommt der Teil, der mich selbst überrascht hat. In unserer Analyse zu Visa lag das Plus im selben Zeitraum bei rund 65%. Ein Pharmakonzern, der jahrelang vor allem wegen Babypuder Klagen in den Schlagzeilen stand, hat also die Mautstation des weltweiten Zahlungsverkehrs geschlagen. Und fast der gesamte Anstieg kam in den letzten zwölf Monaten: +47% seit Ende September 2025.
Das ist so, als würde der ruhigste Schüler der Klasse, der jahrelang nur mit Dreien nach Hause kam, plötzlich die beste Arbeit schreiben. Alle fragen sich: Hat er wirklich etwas verändert oder hatte er einfach Glück mit den Fragen?
Genau das schauen wir uns heute an. Ich zeige dir, woher das Comeback kommt, was die neuen Medikamente wirklich bringen, wie gefährlich die Talkum Klagen noch sind, welche Rolle KI und Robotik spielen und was die Aktie nach unserem Modell wert ist. Am Ende wirst du verstehen, warum ich von dem Unternehmen beeindruckt bin und trotzdem gerade nicht kaufe.
Das Wichtigste in 60 Sekunden · Stand: 03.10.26
- Kurs: 272,03 Dollar (28.09.26), rund 239 Euro. +31% seit Jahresbeginn, +47% auf Sicht von zwölf Monaten, +68% in fünf Jahren.
- Earnings Q2 2026: Umsatz 25,31 Mrd. Dollar (+6,6%), bereinigter Gewinn je Aktie 2,90 Dollar (+4,7%). Gewinn über den Erwartungen, Jahresziele angehoben.
- Der Meilenstein: 2026 wird das erste Jahr in der 140 jährigen Geschichte mit über 100 Mrd. Dollar Umsatz. Prognose: 101,1 Mrd. Dollar Umsatz und 11,68 Dollar bereinigter Gewinn je Aktie.
- Der Motor: Ohne das alte Rheumamittel Stelara, das gerade von Nachahmerprodukten zerlegt wird, wuchs die Pharmasparte um 14%. Tremfya allein legte um 72% zu.
- Talkum: Ende Juli hat J&J einen Vergleich über mindestens 5,5 Mrd. Dollar für rund 76.000 Klagen angeboten. Teuer, aber zum ersten Mal seit Jahren kalkulierbar.
- KI und Robotik: Mit dem OP Roboter Ottava greift J&J seit Juli 2026 den Marktführer Intuitive Surgical an. Der eigentliche Schatz könnten die Daten aus jeder Operation sein.
- Bewertung: Rund 23 mal der erwartete Gewinn für 2026, vor einem Jahr waren es rund 17. Unser DCF Modell kommt auf einen Fair Value von 219 Dollar (Spanne 121 bis 328 Dollar). Damit ist J&J nach unseren Regeln überbewertet.
- Termine: Zahlen zum dritten Quartal am 13. Oktober 2026 vor Börsenbeginn in New York. Der Konsens erwartet rund 3,02 Dollar Gewinn je Aktie.
Diese Analyse folgt unserer unabhängigen DCF Research Methodik. Passende Werkzeuge und weiterführende Leitfäden:
Wie Johnson & Johnson heute Geld verdient
Wenn du bei Johnson & Johnson noch an Babyshampoo, Penaten Creme und Listerine denkst, dann bist du nicht allein. Nur: Das ist Geschichte. Das komplette Geschäft mit Verbraucherprodukten hat J&J 2023 unter dem Namen Kenvue abgespalten. Was übrig geblieben ist, ist ein reiner Gesundheitskonzern mit zwei Standbeinen.
Innovative Medicine ist die Pharmasparte. Hier entstehen rund zwei Drittel des Umsatzes. Im zweiten Quartal 2026 waren es 16,38 Mrd. Dollar. J&J konzentriert sich auf wenige große Felder: Krebs (vor allem Blutkrebs und Lungenkrebs), Immunologie (Schuppenflechte, Darmerkrankungen) und Neurowissenschaften (Depression, Schizophrenie).
MedTech ist die Medizintechnik. Hier waren es im zweiten Quartal 8,93 Mrd. Dollar. Dazu gehören Herzpumpen und Katheter für Herzrhythmusstörungen, Instrumente für die Chirurgie, Kontaktlinsen und bislang auch künstliche Hüft und Kniegelenke. Letztere will J&J aber abgeben, dazu gleich mehr.
Warum ist diese Mischung wichtig? Pharma ist das Geschäft mit den dicken Margen, aber auch mit den großen Klippen. Ein Medikament kann zehn Jahre lang Milliarden abwerfen und dann innerhalb von zwei Jahren die Hälfte seines Umsatzes verlieren, sobald der Patentschutz fällt. Medizintechnik wächst langsamer und verdient weniger, ist aber stabiler. Kein Chirurg wechselt gerne sein Werkzeug.
Die Zahlen zeigen den Unterschied deutlich. Die operative Marge der Pharmasparte lag im zweiten Quartal bei 42,5%, die der Medizintechnik bei 22,0%. Von jedem Dollar Umsatz mit Medikamenten bleiben also fast doppelt so viele Cent als Gewinn hängen wie bei Geräten.
Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst: J&J hat inzwischen 28 Produkte oder Plattformen mit jeweils über einer Milliarde Dollar Umsatz. Das größte Einzelprodukt ist Darzalex, ein Mittel gegen das Multiple Myelom, eine Form von Knochenmarkkrebs. Darzalex allein hat im zweiten Quartal 4,21 Mrd. Dollar umgesetzt. Das ist mehr, als viele Konzerne im DAX in einem Quartal insgesamt verdienen.
Was ist mit der Johnson & Johnson Aktie passiert?
Der Chart erzählt eine Geschichte in zwei Kapiteln. Von 2021 bis Mitte 2025 passierte praktisch nichts. Die Aktie pendelte zwischen 145 und 180 Dollar, während der Rest des Marktes von einem KI Rekord zum nächsten lief. Wer J&J damals hatte, bekam seine Dividende und sonst viel Langeweile.
Drei Dinge haben die Aktie in diesem Zeitraum gebremst:
- Die Stelara Klippe. Stelara war jahrelang der größte Umsatzbringer. Seit 2025 gibt es in den USA günstige Nachahmer, sogenannte Biosimilars. Jeder wusste, dass das kommt, und niemand wusste, wie schnell J&J den Ausfall ersetzen kann.
- Die Talkum Klagen. Zehntausende Frauen haben geklagt, weil sie ihre Eierstockkrebserkrankung auf Babypuder von J&J zurückführen. Dreimal hat J&J versucht, das Problem über eine Insolvenz einer Tochterfirma zu lösen, dreimal ist der Konzern damit vor Gericht gescheitert.
- Die Politik. Mit dem Inflation Reduction Act darf die US Krankenversicherung Medicare seit 2026 Preise für einzelne Medikamente verhandeln. Dazu kamen Zolldrohungen und die Forderung der Regierung Trump nach niedrigeren Preisen.
Und dann kam das zweite Kapitel. Ab Herbst 2025 zog die Aktie an, von 185 Dollar Ende September 2025 bis auf 272 Dollar heute. Neue Rekorde, ein Hoch nach dem anderen. Was ist passiert?
Die kurze Antwort: Alle drei Bremsen haben sich gleichzeitig gelöst. Die neuen Medikamente wachsen schneller als Stelara schrumpft. Mit der Regierung gab es im Januar 2026 einen Deal. Und im Juli kam das Vergleichsangebot für die Talkum Klagen. Und vermutlich hat auch geholfen, dass viele Anleger nach Jahren der KI Euphorie wieder nach stabilen Qualitätswerten gesucht haben.
Ohne Übertreibung: Dieser Anstieg ist fundamental gut begründet. Das Problem ist nur, dass der Kurs die gute Nachricht jetzt sehr vollständig eingepreist hat. Der goldene Bereich im Chart zeigt dir unsere Spanne für den fairen Wert. Der Kurs liegt inzwischen im oberen Teil davon.
Die Earnings im Detail: Q2 2026 in Zahlen
J&J hat am 15. Juli 2026 die Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Anders als bei Visa entspricht das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr, das zweite Quartal umfasst also April bis Juni 2026.
| Kennzahl | Q2 2026 | Erwartung | Vorjahr | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 25,31 Mrd. $ | k. A. | 23,74 Mrd. $ | +6,6% |
| davon Innovative Medicine | 16,38 Mrd. $ | k. A. | 15,20 Mrd. $ | +7,8% |
| davon MedTech | 8,93 Mrd. $ | 8,97 Mrd. $ | 8,55 Mrd. $ | +4,5% |
| Gewinn je Aktie bereinigt | 2,90 $ | 2,85 $ | 2,77 $ | +4,7% |
| Gewinn je Aktie GAAP | 2,27 $ | k. A. | 2,29 $ | -0,9% |
| Nettogewinn bereinigt | 7,08 Mrd. $ | k. A. | 6,70 Mrd. $ | +5,7% |
| Free Cashflow | 7,30 Mrd. $ | k. A. | 2,84 Mrd. $ | +157% |
Der bereinigte Gewinn lag knapp 2% über den Erwartungen. Die Medizintechnik hat die Erwartungen dagegen leicht verfehlt. Unterm Strich ein solides Quartal, aber kein Feuerwerk. Das Feuerwerk steckt woanders, nämlich in der Frage, was ohne Stelara übrig bleibt.
Die Stelara Rechnung
Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Zahl des ganzen Berichts. Stelara hat das Wachstum der Pharmasparte im zweiten Quartal um rund 7,6 Prozentpunkte gedrückt. Auf den ganzen Konzern gerechnet waren es rund 4,6 Prozentpunkte. Rechnest du Stelara heraus, dann wuchs die Pharmasparte um 14% und der Konzern zweistellig.
Das ist ungefähr so, als würdest du beim Laufen einen schweren Rucksack tragen und trotzdem deine Bestzeit knacken. Und der Rucksack wird leichter: Stelara macht inzwischen nur noch rund 4% des Pharmaumsatzes aus. Der Bremseffekt wird also von Quartal zu Quartal kleiner. Genau darauf setzen die Anleger, die die Aktie in den letzten zwölf Monaten gekauft haben.
Die Gewinner im Portfolio
Acht Marken sind im zweiten Quartal zweistellig gewachsen, dazu kamen erstmals über 16 Mrd. Dollar Pharmaumsatz in einem einzigen Quartal. Die wichtigsten Namen, die du kennen solltest:
- Tremfya (Schuppenflechte, Darmerkrankungen): 2,0 Mrd. Dollar, +72,5%. Das ist der direkte Nachfolger von Stelara, und er wächst schneller, als Stelara schrumpft. Neu sind vor allem die Zulassungen bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.
- Darzalex (Multiples Myelom): 4,21 Mrd. Dollar, weiterhin das größte Produkt. Die Version zum Spritzen unter die Haut hat die Infusion weitgehend ersetzt.
- Tecvayli (Multiples Myelom): rund 260 Mio. Dollar, +56%. Ein sogenannter bispezifischer Antikörper, der Immunzellen direkt an Krebszellen koppelt.
- Carvykti (Multiples Myelom): eine Zelltherapie, die J&J gemeinsam mit Legend Biotech vermarktet. Hier werden die eigenen Immunzellen des Patienten im Labor umprogrammiert.
- Rybrevant und Lazcluze (Lungenkrebs): die Kombination, mit der J&J im Lungenkrebs gegen Tagrisso von AstraZeneca antritt.
- Spravato (therapieresistente Depression): ein Nasenspray, das seit Jahren kräftig wächst.
- Caplyta (Schizophrenie, bipolare Depression): kam 2025 mit der Übernahme von Intra Cellular Therapies in den Konzern.
J&J hat sich ein klares Ziel gesetzt: bis 2030 die Nummer eins in der Krebsmedizin zu werden, mit über 50 Mrd. Dollar Umsatz nur in diesem Bereich. Das klingt größenwahnsinnig, ist aber mit Darzalex, Carvykti, Tecvayli und den Lungenkrebsmitteln nicht völlig abwegig.
Icotyde: Die Pille, auf die alle schauen
Ein Name fehlt in der Liste oben, weil er noch zu neu ist: Icotyde (Wirkstoff Icotrokinra). Die US Arzneimittelbehörde FDA hat das Mittel im März 2026 zugelassen, für Schuppenflechte bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren.
Warum ist das so wichtig? Moderne Mittel gegen Schuppenflechte wie Tremfya oder Stelara musst du dir spritzen. Icotyde ist eine Tablette. Es ist das erste Mittel in Pillenform, das gezielt den IL-23 Rezeptor blockiert, also genau den Signalweg, den auch die teuren Spritzen angreifen. In den Zulassungsstudien mit rund 2.500 Patienten hatten nach 16 Wochen 70% eine erscheinungsfreie oder fast erscheinungsfreie Haut.
Stell dir vor, du hast seit Jahren Schuppenflechte und dein Arzt sagt dir: Statt alle paar Wochen eine Spritze kannst du jetzt eine Tablette zum Frühstück nehmen. Welche Variante würdest du wählen?
Der Start läuft ordentlich. Laut J&J wurden in den ersten Monaten über 10.000 Patienten behandelt, und für über die Hälfte der privat Versicherten in den USA wird das Mittel bereits erstattet. Große Umsätze sind das noch nicht. Aber wenn Icotyde später auch bei Darmerkrankungen zugelassen wird, kann daraus ein Medikament mit mehreren Milliarden Dollar Jahresumsatz werden.
Die Medizintechnik: Der schwächere Teil
Bei der Medizintechnik zeigt der nüchterne Blick: Die war im zweiten Quartal nicht überzeugend. +4,5% sind für diese Sparte okay, aber die Erwartungen wurden knapp verfehlt. Drei Gründe:
- Abiomed, die Herzpumpen Tochter (Impella), schrumpfte um 2%. Eine britische Studie hatte Zweifel am Nutzen in einer bestimmten Patientengruppe geweckt. Die große US Studie PROTECT IV soll erst 2027 Ergebnisse liefern. Bis dahin hängt über dem Geschäft ein Fragezeichen.
- China: Händler haben ihre Lager abgebaut, dazu kommen staatliche Sammeleinkäufe, die Preise drücken.
- Zölle: belasten die Kosten, auch wenn J&J für Medikamente eine Ausnahme ausgehandelt hat (dazu später mehr).
Positiv ist das Geschäft mit Herzrhythmusstörungen. Das System Varipulse, mit dem Ärzte Vorhofflimmern mit elektrischen Impulsen statt mit Hitze behandeln, wurde inzwischen bei über 85.000 Patienten eingesetzt.
Die Prognose: Erstmals über 100 Milliarden
J&J hat mit den Zahlen die Prognose für 2026 angehoben:
| Prognose 2026 | Spanne | Mitte | Wachstum zur Mitte |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 100,8 bis 101,4 Mrd. $ | 101,1 Mrd. $ | +7,3% |
| Gewinn je Aktie bereinigt | 11,60 bis 11,75 $ | 11,68 $ | +8,2% |
| Gewinn je Aktie bereinigt, konstante Währungen | k. A. | 11,58 $ | +7,3% |
Das ist das erste Mal in der 140 jährigen Geschichte des Unternehmens, dass die Umsatzmarke von 100 Mrd. Dollar fallen soll. Die Anhebung um rund 400 Mio. Dollar kam fast vollständig aus der Pharmasparte. Für mich ein klares Zeichen: Das Management traut seinem eigenen Medikamentenportfolio mehr zu als noch im April.
Der Trend über acht Quartale
Ein einzelnes Quartal sagt wenig. Deshalb hier die letzten acht Quartale direkt aus den SEC Berichten.
| Quartal bis | Umsatz | Wachstum YoY | Vorsteuerergebnis | Nettogewinn | Free Cashflow |
|---|---|---|---|---|---|
| 29.09.24 | 22,47 Mrd. $ | +5,2% | 3,34 Mrd. $ | 2,69 Mrd. $ | 6,96 Mrd. $ |
| 29.12.24 | 22,52 Mrd. $ | +5,3% | 3,89 Mrd. $ | 3,43 Mrd. $ | 5,37 Mrd. $ |
| 30.03.25 | 21,89 Mrd. $ | +2,4% | 13,63 Mrd. $ | 11,00 Mrd. $ | 3,38 Mrd. $ |
| 29.06.25 | 23,74 Mrd. $ | +5,8% | 6,49 Mrd. $ | 5,54 Mrd. $ | 2,84 Mrd. $ |
| 28.09.25 | 23,99 Mrd. $ | +6,8% | 7,49 Mrd. $ | 5,15 Mrd. $ | 8,01 Mrd. $ |
| 28.12.25 | 24,56 Mrd. $ | +9,1% | 4,97 Mrd. $ | 5,12 Mrd. $ | 5,47 Mrd. $ |
| 29.03.26 | 24,06 Mrd. $ | +9,9% | 5,99 Mrd. $ | 5,24 Mrd. $ | 1,47 Mrd. $ |
| 28.06.26 | 25,31 Mrd. $ | +6,6% | 6,75 Mrd. $ | 5,53 Mrd. $ | 7,30 Mrd. $ |
Was du aus der Tabelle ablesen kannst:
- Das Wachstum hat sich beschleunigt. Von +2,4% Anfang 2025 auf zeitweise fast +10%. Ein Teil davon kommt aus der Übernahme von Intra Cellular, der größere Teil aus den eigenen Medikamenten.
- Die Gewinne springen wild. Das Quartal bis März 2025 mit 11 Mrd. Dollar Nettogewinn ist kein Wunder, sondern ein Sondereffekt rund um die Talkum Rückstellungen. Umgekehrt war das Quartal bis September 2024 durch eine Rückstellung belastet. Deshalb schaue ich bei J&J lieber auf den bereinigten Gewinn und den Cashflow.
- Der Free Cashflow ist launisch. Das erste Quartal ist bei J&J regelmäßig schwach, 2025 wie 2026. Über zwölf Monate gerechnet kommen aber 22,2 Mrd. Dollar zusammen. Das ist die Zahl, mit der wir im Modell rechnen.
Talkum: Wie teuer wird das Babypuder wirklich?
Kein Artikel über J&J ohne dieses Thema. Und ich verstehe jeden, der bei dem Wort Talkum sofort die Finger von der Aktie lässt. Also schauen wir es uns nüchtern an.
Worum geht es? Zehntausende Klägerinnen in den USA werfen J&J vor, dass das Babypuder mit Talkum Asbestspuren enthielt und Eierstockkrebs verursacht hat. Dazu kommen Klagen wegen Mesotheliom, einer seltenen Krebsart, die fast immer mit Asbest zusammenhängt. J&J bestreitet das bis heute und verkauft talkumhaltiges Babypuder weltweit seit 2023 nicht mehr.
Was bisher passiert ist: Dreimal hat J&J versucht, die Klagen über eine eigens gegründete Tochterfirma und deren Insolvenz gebündelt loszuwerden. Dreimal haben US Gerichte das abgelehnt. In einzelnen Prozessen gab es spektakuläre Urteile, aber auch Siege für J&J. Im März 2026 hat ein Gericht zum Beispiel einen Strafschadensersatz von 950 Mio. Dollar wieder kassiert.
Die Wende im Juli 2026: Im gebündelten Bundesverfahren musste die Klägerseite ihre Gutachter zur Frage der Krankheitsursache im Einzelfall zurückziehen. Das hat ihre Position deutlich geschwächt. Wenige Tage später, am 27. Juli 2026, hat J&J einen Vergleich angeboten:
- Mindestens 5,5 Mrd. Dollar für rund 76.000 Klagen wegen Eierstockkrebs.
- Der Betrag ist nach oben nicht gedeckelt. Anwälte der Klägerinnen halten über 7 Mrd. Dollar für möglich, je nachdem wie viele sich beteiligen.
- 95% der Klägerinnen müssen zustimmen, sonst platzt der Deal.
- 2027 sollen höchstens 3 Mrd. Dollar fließen, der Rest ab 2028.
- Der Vergleich gilt nur für bestehende Klagen wegen Eierstockkrebs. Die Mesotheliom Fälle laufen getrennt weiter.
Was heißt das für dich als Anleger? Lass uns rechnen. Selbst wenn am Ende 7 Mrd. Dollar fällig werden, entspricht das rund einem Drittel dessen, was J&J in einem einzigen Jahr an freiem Cashflow erwirtschaftet. Gemessen am Börsenwert von rund 664 Mrd. Dollar geht es um etwa 1%.
Das ist so, als würdest du mit 66.400 Euro Vermögen eine Rechnung über 700 Euro bekommen. Ärgerlich, aber sie ruiniert dich nicht. Das wirklich Belastende an Talkum war nie die Summe, sondern die Unsicherheit. Niemand wusste, ob am Ende 5 oder 50 Milliarden stehen. Genau diese Unsicherheit wird gerade kleiner.
Nüchtern betrachtet ist das Thema noch nicht durch. Die 95% Zustimmung sind eine hohe Hürde, und die Mesotheliom Fälle bleiben ein Risiko. Aber aus einem unkalkulierbaren Risiko wird langsam ein kalkulierbarer Kostenblock. Und genau das hat der Markt in den letzten Monaten belohnt.
Die Politik: Der Deal mit Trump und die Preisbremse
Das zweite große Risiko der letzten Jahre war Washington. Auch hier hat sich einiges geklärt, allerdings mit einem Preis.
Der Deal vom 8. Januar 2026: J&J hat sich als einer der letzten großen Pharmakonzerne der Initiative der Regierung Trump angeschlossen. Die wichtigsten Punkte:
- J&J bietet Medikamente über die staatliche Plattform TrumpRx direkt und mit hohen Rabatten an. Beim Blutverdünner Xarelto sind es laut Health Affairs rund 68% Rabatt.
- Für die staatliche Krankenversicherung der Geringverdiener (Medicaid) gelten Preise, die sich an anderen Industrieländern orientieren.
- Im Gegenzug bekommt J&J drei Jahre Schonfrist bei den Pharmazöllen.
- J&J hat zugesagt, bis 2029 rund 55 Mrd. Dollar in den USA zu investieren, vor allem in neue Fabriken.
Die Preisverhandlungen von Medicare: Seit dem 1. Januar 2026 gelten die ersten ausgehandelten Preise des Inflation Reduction Act. Drei davon treffen J&J:
| Medikament | Preis vorher | Neuer Preis 2026 | Rabatt |
|---|---|---|---|
| Stelara | 13.836 $ | 4.695 $ | -66% |
| Xarelto | 517 $ | 197 $ | -62% |
| Imbruvica | 14.934 $ | 9.319 $ | -38% |
Das klingt brutal, und für diese Produkte ist es das auch. Aber schau dir die Namen an: Stelara verliert ohnehin gerade gegen Nachahmer, Xarelto und Imbruvica sind ältere Produkte. Die Wachstumstreiber Tremfya, Darzalex und Carvykti stehen (noch) nicht auf der Liste. Das politische Risiko ist also nicht weg, aber es trifft vor allem die Vergangenheit, nicht die Zukunft des Konzerns.
KI bei Johnson & Johnson: Der Roboter im OP und die Daten dahinter

Du hast dich vielleicht gefragt, was ein Pharmakonzern mit KI zu tun hat. Mehr als du denkst, und zwar an zwei Stellen: im Operationssaal und im Labor.
Ottava: Der Angriff auf Intuitive Surgical
Am 22. Juli 2026 hat die FDA den OP Roboter Ottava zugelassen, zunächst für zehn Eingriffe der Allgemeinchirurgie, etwa an Darm, Magen oder bei Leistenbrüchen. J&J startet bewusst mit wenigen Kliniken.
Um zu verstehen, warum das spannend ist, musst du Intuitive Surgical kennen. Dessen Da Vinci System dominiert die robotergestützte Chirurgie seit über 20 Jahren. Und das Geschäftsmodell ist fantastisch: Der Roboter selbst kostet Millionen, aber das eigentliche Geld kommt aus den Instrumenten, die bei jeder Operation verbraucht werden, und aus den Wartungsverträgen. Einmal installiert, verdient Intuitive jahrzehntelang mit.
Das ist wie bei einem Kaffeevollautomaten mit Kapseln: Die Maschine bringt den Kunden, die Kapseln bringen den Gewinn.
J&J will ein Stück dieses Kuchens. Ottava hat vier Arme, die direkt in den OP Tisch integriert sind. Laut J&J braucht das System dadurch 30 bis 50% weniger Platz als Konkurrenzsysteme, und im OP ist Platz ein echtes Argument. Die Analysten von Oppenheimer halten laut CNBC einen Anteil von rund 15% am US Markt bis 2030 für möglich. Intuitive käme dann noch auf rund 75%.
Wie realistisch ist das? Ich bin vorsichtig. Intuitive hat einen riesigen Vorsprung, Tausende installierte Systeme und Chirurgen, die jahrelang auf Da Vinci trainiert wurden. Medtronic ist mit seinem System Hugo seit Dezember 2025 ebenfalls auf dem US Markt. Und Oppenheimer weist darauf hin, dass J&J 2026 und 2027 nur begrenzt Geräte liefern kann. Ein schneller Umsatzsprung ist also nicht zu erwarten.
Polyphonic: Warum die Daten wichtiger sind als der Roboter
Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich interessiert. Ottava ist in ein digitales Ökosystem namens Polyphonic eingebunden. Die Idee: Jede Operation erzeugt Daten, Videos, Bewegungen der Instrumente, Zeiten, Ergebnisse. Mit KI ausgewertet, können diese Daten Chirurgen zeigen, wo sie besser werden, Kliniken helfen, OP Säle effizienter zu planen, und irgendwann den Roboter selbst schlauer machen.
Stell dir das vor wie ein Navi, das aus Millionen gefahrener Strecken lernt, wo Staus entstehen. Je mehr Operationen über die Plattform laufen, desto besser werden die Empfehlungen. Und je besser die Empfehlungen, desto mehr Kliniken wollen die Plattform. Das ist die Art Netzwerkeffekt, den wir auch bei Visa gesehen haben.
Ob das aufgeht, weiß heute niemand. Aber es ist die interessanteste langfristige Option im ganzen Konzern.
KI im Labor: Schneller zum nächsten Medikament
Die zweite Front ist die Forschung. Ein neues Medikament zu entwickeln dauert oft über zehn Jahre und kostet Milliarden. Der größte Teil des Geldes geht in Studien mit Kandidaten, die am Ende scheitern. Wenn KI hilft, schlechte Kandidaten früher auszusortieren oder passende Patienten schneller für Studien zu finden, dann spart das Zeit, und Zeit ist im Pharmageschäft bares Geld. Jedes Jahr, das ein Medikament früher auf den Markt kommt, ist ein Jahr mehr unter Patentschutz.
J&J setzt KI nach eigenen Angaben genau dafür ein, bei der Suche nach Wirkstoffen, bei der Auswahl von Studienzentren und in der Produktion. Mein Gefühl ist: Wie viel das in Euro und Cent bringt, lässt sich von außen nicht messen. Kein Pharmakonzern weist aus, wie viel Umsatz er der KI verdankt. Ich sehe das deshalb als Rückenwind für die Marge, nicht als eigenen Kaufgrund.
Ist KI eine Gefahr für J&J?
Bei Adobe war KI Chance und Bedrohung zugleich. Bei J&J sehe ich kaum eine Bedrohung. Kein Chatbot ersetzt ein Krebsmedikament oder ein künstliches Kniegelenk. Das einzige Szenario, das mich nachdenklich macht: Wenn KI die Medikamentenentwicklung für alle billiger macht, sinken auch die Eintrittsbarrieren für kleinere Konkurrenten. Das ist aber eher ein Thema für das nächste Jahrzehnt als für die nächsten Quartale.
Der Umbau: Warum J&J die Gelenke abgibt
Im Oktober 2025 hat J&J angekündigt, das Orthopädiegeschäft DePuy Synthes abzutrennen. Dazu gehören künstliche Hüft und Kniegelenke, Wirbelsäulenimplantate und Unfallchirurgie. Umsatz 2025: rund 9,3 Mrd. Dollar. Die Trennung soll bis Mitte oder Ende 2027 abgeschlossen sein.
Warum gibt man so ein großes Geschäft ab? Weil es langsamer wächst und weniger verdient als der Rest der Medizintechnik. Ohne DePuy Synthes wird J&J auf dem Papier ein schnelleres und profitableres Unternehmen. Das ist ungefähr so, als würdest du aus deinem Depot die Aktie verkaufen, die seit Jahren nur seitwärts läuft, damit die Rendite des Rests besser aussieht. Für die Zahlen gut, aber natürlich hast du dann auch weniger im Depot.
Ob es eine Abspaltung an die Börse wird (wie bei Kenvue) oder ein direkter Verkauf, ist offen. Laut Bloomberg hat J&J Anfang 2026 auch einen Verkauf für über 20 Mrd. Dollar geprüft. Medienberichten zufolge sollen Finanzinvestoren interessiert sein, bestätigt ist nichts davon. Für dich als Aktionär heißt das: Bei einer Abspaltung bekämst du Aktien der neuen Firma ins Depot gebucht, bei einem Verkauf fließt Geld in die Kasse, das J&J vermutlich in Zukäufe oder Rückkäufe steckt.
Die Dividende: 64 Erhöhungen in Folge
Wenn es eine Aktie gibt, die für viele deutsche Dividendenanleger ein Klassiker ist, dann J&J. Und das hat gute Gründe:
- Am 14. April 2026 hat J&J die Quartalsdividende von 1,30 auf 1,34 Dollar erhöht, +3,1%.
- Das war die 64. Erhöhung in Folge. J&J gehört damit zu den sogenannten Dividendenkönigen, also Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 50 Jahren jedes Jahr gesteigert haben.
- Aufs Jahr gerechnet sind das 5,36 Dollar je Aktie. Beim aktuellen Kurs ergibt das eine Dividendenrendite von 1,97%.
- Gemessen am erwarteten bereinigten Gewinn für 2026 schüttet J&J rund 46% aus. Da ist also noch Luft.
Eine Sache fällt mir hier auf: Die Rendite von knapp 2% ist für J&J Verhältnisse niedrig. Vor einem Jahr, bei einem Kurs von 185 Dollar, lag sie deutlich höher. Das ist die Kehrseite des Kursanstiegs. Wer heute kauft, bekommt für sein Geld weniger Dividende als die Anleger, die im letzten Herbst zugegriffen haben. Und die letzte Erhöhung von 3,1% liegt unter dem Gewinnwachstum von rund 8%.
Bewertung: Was ist die Johnson & Johnson Aktie wert?
Im DCF Modell ergibt sich für Johnson & Johnson ein gewichteter Fair Value von 218,75 Dollar je Aktie (gerundet 219 Dollar) mit einem Bear Case von 121 Dollar (8,28% WACC), einem Base Case von 213 Dollar (7,53% WACC, 21,6% FCF Marge) und einem Bull Case von 328 Dollar (7,03% WACC) unter Berücksichtigung der Rückstellungen für Talkum Vergleiche.
Jetzt kommen wir zum Kern. Erst die einfachen Kennzahlen, dann unser vollständiges Modell. Alle Zahlen stammen aus der Datenbasis, die auch unsere Watchlist speist. Wie das Modell im Detail funktioniert, erklären wir auf unserer Seite zur Methodik.
Die schnellen Kennzahlen
| Kennzahl | Johnson & Johnson | Einordnung |
|---|---|---|
| KGV (letzte 12 Monate, GAAP) | 31,6 | verzerrt durch Sondereffekte und Abschreibungen auf Übernahmen |
| KGV auf Gewinn 2026 (bereinigt, Prognose) | 23,3 | vor einem Jahr rund 17 |
| Free Cashflow Rendite | 3,35% | 22,2 Mrd. $ in 12 Monaten |
| Operative Marge Pharma (Q2) | 42,5% | MedTech 22,0% |
| Nettoverschuldung | 30,3 Mrd. $ | 20,8 Mrd. $ Cash, 51,0 Mrd. $ Schulden |
| Dividendenrendite | 1,97% | 64 Erhöhungen in Folge |
| Börsenwert | rund 664 Mrd. $ | etwa 583 Mrd. Euro |
Die wichtigste Zeile ist die zweite. Vor einem Jahr stand die Aktie bei rund 185 Dollar, und der bereinigte Gewinn für 2025 lag am Ende bei rund 10,79 Dollar je Aktie. Das war ein KGV von etwa 17. Heute zahlst du gut 23 mal den erwarteten Gewinn. Der Gewinn ist in der Zeit um rund 8% gewachsen, der Kurs um 47%. Der größte Teil des Anstiegs ist also keine Gewinnsteigerung, sondern eine Neubewertung.
Neubewertungen sind nichts Schlechtes, wenn sie berechtigt sind. Und ein Teil ist es: Weniger Talkum Risiko, klarere Politik, bessere Pipeline. Die Frage ist nur, ob 23 für einen Konzern mit 7 bis 8% Wachstum nicht schon zu viel Vorfreude ist.
So habe ich gerechnet: Unser DCF Modell im Detail
Für die Johnson & Johnson Aktie wenden wir ein dreistufiges Discounted Cashflow Modell (DCF) auf Basis der offiziellen SEC Quartalsberichte an. Wir berechnen die freien Cashflows der kommenden zehn Jahre im Detail und ermitteln den anschließenden Endwert. Sämtliche mathematische Formeln und Diskontierungsregeln legen wir in unserer Methodik der Fair Values transparent offen.
Du willst eigene Wachstumsraten, Margen oder Zinsen testen? Du kannst alle Zahlen direkt in unserem interaktiven DCF Rechner nachrechnen und dein persönliches Kursziel ermitteln.
Ein DCF Modell rechnet alle künftigen freien Cashflows eines Unternehmens auf heute ab. Wir rechnen zehn Jahre im Detail und danach einen Endwert. Die Annahmen für J&J im Basisszenario:
| Annahme | Wert | Herkunft |
|---|---|---|
| Umsatz letzte 12 Monate | 97,93 Mrd. $ | SEC Berichte |
| Wachstum im ersten Jahr | 7,3% | Prognose des Managements für 2026 |
| Wachstum im Jahr 10 | 2,5% | sinkt gleichmäßig ab Jahr 1 |
| Free Cashflow Marge heute | 22,1% | nach Abzug der Aktienvergütung |
| Free Cashflow Marge langfristig | 21,6% | Schnitt der letzten fünf Geschäftsjahre |
| Risikoloser Zins | 5,24% | US Staatsanleihe 10 Jahre, 28.09.26 |
| Marktrisikoprämie | 4,14% | Damodaran, September 2026 |
| Beta | 0,60 | gemessen 0,19, bereinigt 0,46, Untergrenze 0,60 |
| Eigenkapitalkosten | 7,72% | CAPM |
| Fremdkapitalkosten | 5,99% | vor Steuern, Bonität AAA |
| Kapitalkosten (WACC) | 7,53% | Ergebnis |
| Aktien verwässert | 2,440 Mrd. | SEC, 28.06.26 |
Ein Wort zum Beta, weil das bei J&J ungewöhnlich ist. Gemessen an den letzten fünf Jahren schwankte die Aktie kaum mit dem Gesamtmarkt, das rohe Beta liegt bei 0,19. Würden wir das stumpf übernehmen, kämen extrem niedrige Kapitalkosten und ein viel höherer Fair Value heraus. Das halte ich für unseriös. Kein Unternehmen ist langfristig so risikoarm, schon gar nicht eines mit Patentklippen und Klagen. Deshalb setzen wir eine Untergrenze von 0,6.
Daraus ergeben sich drei Szenarien:
| Szenario | Gewichtung | Wachstum Jahr 1 | Marge langfristig | WACC | Wert je Aktie |
|---|---|---|---|---|---|
| Bear | 25% | 3,7% | 18,4% | 8,28% | 121 $ |
| Base | 50% | 7,3% | 21,6% | 7,53% | 213 $ |
| Bull | 25% | 9,9% | 23,8% | 7,03% | 328 $ |
| Fair Value | 219 $ |
Der gewichtete Fair Value liegt bei 219 Dollar, in Euro rund 192 Euro. Der Kurs liegt mit 272,03 Dollar rund 24% über dem Fair Value. Nach unseren Regeln gilt eine Aktie als überbewertet, sobald der Kurs mehr als 5% über dem Fair Value liegt. J&J ist damit klar überbewertet.
Was bedeuten die Szenarien? Im Bear Szenario wachsen die Nachfolger von Stelara langsamer, die Preisbremse in den USA wird ausgeweitet und die Talkum Kosten steigen deutlich. Im Bull Szenario gelingt der Aufstieg zur Nummer eins in der Krebsmedizin, Icotyde wird ein Blockbuster und Ottava gewinnt echte Marktanteile. Selbst dann kommen wir auf 328 Dollar, also rund 20% über dem heutigen Kurs.
Wie empfindlich ist das Ergebnis?
Hier siehst du, wie sich der Wert im Basisszenario verändert, wenn die Kapitalkosten oder das ewige Wachstum anders ausfallen:
| WACC | Ewiges Wachstum | ||
|---|---|---|---|
| 2,0% | 2,5% | 3,0% | |
| 6,53% | 242 $ | 269 $ | 304 $ |
| 7,03% | 217 $ | 238 $ | 265 $ |
| 7,53% | 196 $ | 213 $ | 234 $ |
| 8,03% | 179 $ | 193 $ | 210 $ |
| 8,53% | 164 $ | 176 $ | 190 $ |
Lies die Tabelle so: Um im Basisszenario auf den heutigen Kurs von 272 Dollar zu kommen, müsstest du die Kapitalkosten auf rund 6,5% senken und gleichzeitig ein ewiges Wachstum von 2,5% oder mehr annehmen. Das ginge nur, wenn die Zinsen in den USA deutlich fallen. Bei einer zehnjährigen Staatsanleihe mit 5,24% ist das eine mutige Wette.
Du kannst die verschiedenen Zinsszenarien und Margenpfade direkt in unserem interaktiven DCF Rechner nachrechnen.
Was der Kurs wirklich einpreist
Man kann ein DCF Modell auch umdrehen und fragen: Welches Wachstum muss J&J liefern, damit der heutige Kurs fair ist? Unser Modell kommt auf 12,9% Wachstum im ersten Jahr, danach wie gewohnt langsam absinkend.
Zum Vergleich:
- Prognose des Managements für 2026: 7,3%
- Wachstum der letzten zwölf Monate: 8,1%
- Durchschnitt der letzten drei Jahre: 5,6%
Der Markt verlangt also fast doppelt so viel Wachstum, wie das Management selbst verspricht. Das ist so, als würdest du eine Wohnung zu einem Preis kaufen, der sich nur rechnet, wenn die Miete jedes Jahr um 13% steigt, obwohl der Vermieter selbst von 7% ausgeht.
Ich muss fair sein: Man kann argumentieren, dass die Zahl übertrieben ist. Ohne Stelara wächst die Pharmasparte schon heute um 14%, und dieser Effekt wird im Konzernwachstum ab 2027 sichtbarer. Auch die Abgabe von DePuy Synthes würde das Wachstum des Rests optisch erhöhen. Aber selbst mit diesem Rückenwind sind knapp 13% für einen Konzern mit 100 Mrd. Dollar Umsatz sehr sportlich.
Was muss passieren, damit J&J enttäuscht?
Ich denke immer auch in die andere Richtung. Das sind die Punkte, die ich bei den nächsten Zahlen genau beobachte:
- Die Talkum Beteiligung. Wenn die 95% Zustimmung nicht erreicht werden, platzt der Vergleich, und die Unsicherheit kommt zurück. Das wäre der schnellste Weg zu einem Kursrutsch.
- Tremfya und Darzalex. Beide tragen einen großen Teil des Wachstums. Jede Verlangsamung würde sofort auffallen, weil der Markt mit weiterem Tempo rechnet.
- Die Preisbremse. Medicare verhandelt jedes Jahr neue Medikamente. Wenn Darzalex auf die Liste kommt, wird es ernst.
- Abiomed. Ein negatives Ergebnis der Studie PROTECT IV im Jahr 2027 würde die Herzpumpen Sparte hart treffen.
- Die Bewertung selbst. Bei einem KGV von 23 reicht schon ein Quartal mit leicht schwächerem Ausblick, damit der Markt die Neubewertung teilweise zurücknimmt.
Johnson & Johnson aus Sicht deutscher Anleger
Ein paar praktische Punkte, die für dich als Anleger aus Deutschland oder Österreich wichtig sind:
- Kaufen: Die Aktie wird an der NYSE gehandelt (Kürzel JNJ) und in Deutschland über Xetra, Tradegate und die Regionalbörsen. ISIN: US4781601046, WKN: 853260. Bei den meisten Neobrokern gibt es sie auch im Sparplan.
- Quellensteuer: Auf die Dividende behalten die USA 15% Quellensteuer ein, wenn du das Formular W-8BEN bei deinem Broker hinterlegt hast. Ohne das Formular sind es 30%. Wie das funktioniert, erklären wir in unserer Anleitung zum W-8BEN.
- Was netto ankommt: Bei 1.000 Euro Investment und 1,97% Rendite sind das rund 19,70 Euro Dividende im Jahr, brutto. Die USA behalten 15% ein, also rund 2,96 Euro. In Deutschland fallen auf die restlichen 10% Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag noch einmal rund 2,08 Euro an. Netto bleiben rund 14,67 Euro. In Österreich zahlst du nach Anrechnung noch 12,5% KESt, dann bleiben rund 14,28 Euro.
- Auszahlung: J&J zahlt vierteljährlich, üblicherweise im März, Juni, September und Dezember. Die Erhöhung kommt traditionell im April.
- Währung: Du kaufst eine Dollar Aktie. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, verlierst du in Euro gerechnet, auch wenn die Aktie in Dollar gleich bleibt. Bei einem defensiven Wert wie J&J kann der Währungseffekt in manchen Jahren größer sein als die Kursbewegung selbst.
- Abspaltungen: Falls DePuy Synthes an die Börse gebracht wird, bekommst du Aktien der neuen Firma ins Depot. In Deutschland wird so etwas steuerlich nicht immer sofort sauber verbucht. Heb dir die Abrechnungen auf, wir werden dazu einen eigenen Artikel schreiben, sobald die Details feststehen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen:
- Die Stelara Klippe ist fast überwunden, ab 2027 wird das echte Wachstum sichtbar.
- Starke Pipeline in der Krebsmedizin mit dem Ziel von über 50 Mrd. Dollar Umsatz bis 2030.
- Icotyde als erste Tablette ihrer Art gegen Schuppenflechte, mit Potenzial bei Darmerkrankungen.
- Ottava und die Datenplattform Polyphonic als langfristige Option in der Robotik.
- Der Talkum Vergleich macht ein großes Risiko erstmals kalkulierbar.
- 64 Dividendenerhöhungen in Folge und eine Bonität von AAA.
Risiken:
- Die Bewertung ist nach dem Anstieg um 47% hoch, der Kurs preist fast doppelt so viel Wachstum ein wie die Prognose.
- Der Talkum Vergleich kann an der 95% Hürde scheitern, die Mesotheliom Fälle bleiben offen.
- Preisverhandlungen in den USA können künftig auch die heutigen Wachstumstreiber treffen.
- Die Medizintechnik wächst nur langsam, Abiomed hängt an einer Studie im Jahr 2027.
- Gegen Intuitive Surgical ist Ottava ein Außenseiter mit begrenzten Stückzahlen.
- Dollarschwäche kann die Rendite in Euro schmälern.
Die nächsten Termine
| Datum | Ereignis | Worauf ich achte |
|---|---|---|
| 13.10.26 | Zahlen Q3 2026, vor Börsenbeginn (Telefonkonferenz 14:30 Uhr deutscher Zeit) | Konsens rund 3,02 $ Gewinn je Aktie, Vorjahr 2,80 $. Wachstum ohne Stelara, Tremfya, Icotyde, erste Umsätze mit Ottava |
| Herbst 2026 | Stand der Zustimmung zum Talkum Vergleich | Wie nah ist J&J an den 95%? |
| Januar 2027 | Zahlen Q4 2026 und Prognose für 2027 | Erster Ausblick für das Jahr nach der Stelara Klippe |
| April 2027 | Dividendenerhöhung | Bleibt es bei rund 3% oder zieht J&J an? |
| Mitte bis Ende 2027 | Trennung von DePuy Synthes | Abspaltung oder Verkauf? |
Mein Fazit zur Johnson & Johnson Aktie
Mit 64 ununterbrochenen Dividendenanhebungen in Folge gehört Johnson & Johnson zu den verlässlichsten Dividendenkönigen an der Wall Street (Triple A Rating). Die Aktie eignet sich ideal als defensiver Depotanker und verlässliche Einkommensquelle für konservative Einkommensinvestoren.
Ich bin beeindruckt. Wirklich. Vor zwei Jahren hätte ich gewettet, dass J&J den Ausfall von Stelara nur mühsam ausgleicht. Stattdessen wächst die Pharmasparte ohne Stelara um 14%, der Konzern knackt die 100 Milliarden und hat nebenbei die Talkum Klagen auf einen berechenbaren Betrag eingedampft. Das Management hat geliefert.
Aber genau das ist das Problem. Die Börse weiß das alles auch. Der Kurs ist in zwölf Monaten um 47% gestiegen, das KGV von 17 auf 23. Unser Modell sieht den fairen Wert bei 219 Dollar, der Kurs liegt rund 24% darüber. Selbst im optimistischen Szenario bleibt nur ein Aufschlag von rund 20%.
Was heißt das für mich konkret? Wenn du J&J schon im Depot hast, gibt es für mich keinen Grund zur Panik. Das Unternehmen ist grundsolide und die Dividende steigt weiter. Wenn du neu einsteigen willst, würde ich Geduld haben. Interessant wird die Aktie für mich wieder im Bereich um 220 Dollar, richtig spannend unter 200 Dollar. Wer trotzdem heute anfangen will, fährt mit einem Sparplan besser als mit einer großen Einmalanlage.
Johnson & Johnson ist gerade das perfekte Beispiel für eine Regel, die ich dir immer wieder ans Herz lege: Ein großartiges Unternehmen ist nicht automatisch eine großartige Aktie. Es kommt auf den Preis an.
Wie siehst du das? Hast du J&J im Depot, und wenn ja, hast du im letzten Herbst nachgekauft? Schreib es mir gern in die Kommentare.
Häufige Fragen zur Johnson & Johnson Aktie
Prüfe SEC Form 10 K und 10 Q Berichte mit unserer 3 seitigen Checkliste und Investment Thesen Vorlage:
Ist die Johnson & Johnson Aktie unterbewertet?
Nach unserem DCF Modell nicht. Der Fair Value liegt bei 219 Dollar, der Kurs am 28.09.26 bei 272,03 Dollar. Damit ist die Aktie nach unseren Regeln überbewertet. Der Kurs preist rund 12,9% Wachstum im ersten Jahr ein, das Management erwartet für 2026 nur 7,3%.
Wie hoch ist die Dividende von Johnson & Johnson?
J&J zahlt seit April 2026 1,34 Dollar je Quartal, also 5,36 Dollar im Jahr. Das entspricht beim aktuellen Kurs einer Rendite von rund 1,97%. Die Dividende wurde 64 Jahre in Folge erhöht. Mit hinterlegtem W-8BEN behalten die USA 15% Quellensteuer ein.
Wann veröffentlicht Johnson & Johnson die nächsten Zahlen?
Die Zahlen zum dritten Quartal 2026 kommen am 13. Oktober 2026 vor Börsenbeginn in New York. Die Telefonkonferenz beginnt um 8:30 Uhr Ortszeit, also um 14:30 Uhr deutscher Zeit. Der Konsens erwartet rund 3,02 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie.
Wie teuer wird der Talkum Vergleich für J&J?
J&J hat am 27.07.26 mindestens 5,5 Mrd. Dollar für rund 76.000 Klagen wegen Eierstockkrebs angeboten. Der Betrag ist nicht gedeckelt, Anwälte halten über 7 Mrd. Dollar für möglich. Voraussetzung ist, dass 95% der Klägerinnen zustimmen. Die Mesotheliom Klagen sind davon nicht erfasst.
Welche Rolle spielt KI bei Johnson & Johnson?
Vor allem zwei: Der OP Roboter Ottava, seit Juli 2026 in den USA zugelassen, ist in die Datenplattform Polyphonic eingebunden, die Operationen mit KI auswertet. Und in der Forschung nutzt J&J KI, um Wirkstoffe schneller zu finden und Studien effizienter zu planen. Direkt messbar ist der Effekt auf den Umsatz bisher nicht.
Was passiert mit Kenvue und DePuy Synthes?
Kenvue, das frühere Geschäft mit Verbraucherprodukten, wurde 2023 abgespalten und gehört nicht mehr zu J&J. Die Orthopädie Sparte DePuy Synthes mit rund 9,3 Mrd. Dollar Umsatz soll bis Mitte oder Ende 2027 abgetrennt werden, entweder über die Börse oder durch einen Verkauf.
Quellen
Datenbasis und Vergleichswerte: Die Fair Values, Sicherheitsmargen und Kennzahlen dieses Beitrags stammen aus dem offenen US Aktien Fair Value Datensatz mit 120 Titeln aus dem DCF Modell unter CC BY 4.0. Wie die Werte entstehen, steht vollständig offengelegt in der Fair Value Methodik, alle Rohdaten und Schnittstellen unter Offene Finanzdaten und Datensätze.
- Johnson & Johnson Quartalsmitteilung Q2 2026 (SEC, Exhibit 99.1)
- Johnson & Johnson: What you need to know about the 2026 second quarter earnings
- Johnson & Johnson Quartalsberichte 10 Q und 10 K (SEC EDGAR)
- Johnson & Johnson Investor Relations: Termin der Zahlen zu Q3 2026
- FDA Drug Trials Snapshots: Icotyde
- The Guardian: Johnson & Johnson Vergleich zu Talkum Klagen (Juli 2026)
- CNBC: Ottava, der OP Roboter von J&J (September 2026)
- The Robot Report: Erster Blick auf Ottava
- AJMC: J&J schließt sich der Preisinitiative der US Regierung an (Januar 2026)
- Bloomberg: Talkum Vergleich (27.07.26) und Prüfung eines Verkaufs von DePuy Synthes (Februar 2026)
- Reuters: Aufhebung des Strafschadensersatzes über 950 Mio. Dollar (März 2026)
- Health Affairs: Rabatte auf TrumpRx. CMS: ausgehandelte Medicare Preise 2026
- Business Wire: Dividendenerhöhung vom 14.04.26 und Ankündigung der Trennung von DePuy Synthes (14.10.25)
- Public.com: Konsens für Q3 2026
- Kurse: IEX. Zinsen: U.S. Treasury. Marktrisikoprämie: Aswath Damodaran, NYU Stern. Wechselkurs: EZB.
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Zahlen wurden sorgfältig aus den genannten Quellen übernommen, Fehler sind dennoch nicht ausgeschlossen. Der Fair Value ist das Ergebnis eines Modells mit Annahmen, die sich als falsch erweisen können. Stand aller Daten: 28.09.26.