Die Wertentwicklung der letzten fünf Jahre bricht historische Maßstäbe: Wer Ende September 2021 eine Tranche von 10.000 Dollar in Nvidia anlegte (splitbereinigt zu 20,72 Dollar je Anteil), blickt am 28.09.26 bei einem Kurs von 228,86 Dollar auf ein Depotvolumen von rund 110.450 Dollar. Mehr als das Elffache in fünf Jahren, bei einem Konzern, der schon damals zu den weltweiten Tech Schwergewichten zählte.
Jetzt kommt der Teil, über den in den Foren kaum jemand spricht. Wer erst vor einem Jahr eingestiegen ist, Ende September 2025 bei 186,58 Dollar, liegt heute bei +22,7%. Ordentlich, keine Frage. Aber in derselben Zeit hat sich der Umsatz von Nvidia verdoppelt. Das Geschäft ist also viel schneller gewachsen als der Aktienkurs. Die Bewertung ist gesunken, nicht gestiegen.
Das ist so, als würde ein Restaurant seinen Umsatz in einem Jahr verdoppeln, und trotzdem zahlt dir beim Verkauf niemand den doppelten Preis dafür. Warum? Weil sich alle fragen, ob die Gäste auch nächstes Jahr noch kommen. Oder ob gerade nur ein riesiges Fest stattfindet, das irgendwann vorbei ist.
Genau diese Frage beantworten wir heute. Ich zeige dir, wie Nvidia sein Geld verdient, was in den Zahlen zum zweiten Quartal wirklich steht, warum mich eine Zahl in der Kapitalflussrechnung nachdenklich gemacht hat, wie gefährlich die Konkurrenz durch eigene Chips von Google und Co. ist und was die Aktie nach unserem Modell wert ist. Am Ende wirst du verstehen, warum ich Nvidia für das vielleicht beste Unternehmen der Welt halte und die Aktie trotzdem nicht für ein Schnäppchen.
Das Wichtigste in 60 Sekunden
- Kurs: 228,86 Dollar (28.09.26), rund 201 Euro. +22,7% seit Jahresbeginn, +22,7% auf Sicht von zwölf Monaten, mehr als das Elffache in fünf Jahren. Börsenwert rund 5,56 Billionen Dollar.
- Earnings Q2 FY27: Umsatz 96,22 Mrd. Dollar (+106%), bereinigter Gewinn je Aktie 2,22 Dollar (+120%). Erwartet waren 92,07 Mrd. Dollar und 2,09 Dollar. Das 14. Quartal in Folge über der eigenen Prognose.
- Ausblick: Für das dritte Quartal erwartet Nvidia 108 Mrd. Dollar Umsatz, ohne einen Dollar Rechenzentrumsumsatz aus China. Der Markt hatte rund 104 Mrd. Dollar erwartet.
- Der Haken: Der operative Cashflow ist im Quartal auf 24,1 Mrd. Dollar eingebrochen, bei 59,7 Mrd. Dollar Gewinn. Kunden bekommen längere Zahlungsziele, und die Lieferzusagen sind in drei Monaten von 119 auf 279 Mrd. Dollar gestiegen.
- KI: Die neue Plattform Vera Rubin läuft in voller Produktion. Die größte Gefahr kommt nicht von AMD, sondern von den eigenen Chips der Kunden, allen voran Googles TPU.
- Aktionäre: Am 28.09.26 hat Nvidia sein Rückkaufprogramm um den Rekordbetrag von 150 Mrd. Dollar aufgestockt und eine höhere Dividende angekündigt.
- Bewertung: Unser DCF Modell kommt auf einen Fair Value von 137 Dollar (Spanne 58 bis 208 Dollar). Der Kurs setzt rund 50% Wachstum im ersten Jahr voraus. Damit ist Nvidia nach unseren Regeln überbewertet, allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung, die ich dir ganz offen erkläre.
- Termine: Keynote von Jensen Huang in Berlin am 21.10.26, Zahlen zum dritten Quartal am 17.11.26 nach US Börsenschluss.
Diese Analyse folgt unserer unabhängigen DCF Research Methodik. Passende Werkzeuge und weiterführende Leitfäden:
- DCF Fair Value Methodik: So berechnen wir den fairen Wert
- Interaktiver DCF Rechner: Eigene Bewertungsszenarien simulieren
- Broker für US Aktien im Vergleich: Handelsplätze und Spreads
- US Quellensteuer und W 8BEN: 15% statt 30% Steuern sichern
- Dividenden Netto Rechner: Nettoertrag in Euro berechnen
- Unterbewertete US Aktien: Die Rangliste und wo Nvidia steht
Wie Nvidia heute Geld verdient

Wenn du bei Nvidia noch an Grafikkarten für Computerspiele denkst, dann geht es dir wie vielen. Vor fünf Jahren war das auch noch richtig. Heute ist das Spielegeschäft eine Randnotiz. Nvidia ist der wichtigste Ausrüster der künstlichen Intelligenz. Wer ein großes KI Modell trainieren oder betreiben will, kommt an Nvidia kaum vorbei.
Seit dem laufenden Geschäftsjahr berichtet Nvidia nur noch in zwei Bereichen:
Data Center ist das Rechenzentrumsgeschäft. Hier verkauft Nvidia KI Beschleuniger, komplette Serverschränke, Netzwerktechnik und Software an Cloudanbieter, KI Labore, Staaten und Unternehmen. Im zweiten Quartal waren das 89,02 Mrd. Dollar, also rund 92% des gesamten Umsatzes.
Edge Computing fasst alles zusammen, was nicht im Rechenzentrum steht: Grafikkarten für Spieler, Workstations für Ingenieure, Chips für Autos und Roboter. Im zweiten Quartal waren es 7,2 Mrd. Dollar, +27% zum Vorjahr.
Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst: Nvidia setzt im Rechenzentrum in einem einzigen Quartal mehr um als die meisten DAX Konzerne in einem ganzen Jahr. Und von jedem Dollar Umsatz bleiben nach den Herstellungskosten 75 Cent als Bruttogewinn übrig. Das ist eine Marge, die du sonst eher von Softwarefirmen kennst, nicht von einem Hersteller physischer Produkte.
Warum kann Nvidia so hohe Preise verlangen? Weil Nvidia nicht einfach Chips verkauft. Nvidia verkauft ein komplettes System. Dazu gehören:
- Die Beschleuniger selbst. Aktuell vor allem die Generation Blackwell Ultra, ab jetzt zunehmend die neue Plattform Vera Rubin.
- Das Netzwerk. Tausende Chips müssen so miteinander reden, als wären sie ein einziger riesiger Computer. Das Netzwerkgeschäft ist im zweiten Quartal um 138% gewachsen, schneller als die Chips selbst.
- Die Software CUDA. Seit fast zwanzig Jahren programmieren Entwickler auf dieser Plattform. Millionen Programmierer, unzählige Bibliotheken, jedes wichtige KI Werkzeug läuft darauf. Wer wechseln will, muss einen Teil seiner Arbeit neu machen.
Das ist so, als würdest du nicht nur ein Auto kaufen, sondern gleich das Straßennetz, die Tankstellen und die Werkstätten dazu. Du kannst theoretisch mit einer anderen Marke fahren. Aber dann musst du dir überlegen, wo du tankst.
Was ist mit der Nvidia Aktie passiert?
Der Chart erzählt eine Geschichte in drei Kapiteln.
Kapitel eins, 2021 bis Ende 2022: Die Aktie hat sich nach dem Hoch Ende 2021 mehr als halbiert. Zinsen stiegen, Kryptowährungen brachen ein, die Nachfrage nach Grafikkarten fiel in sich zusammen. Damals hielten viele Nvidia für einen zyklischen Chiphersteller, der gerade seinen Höhepunkt hinter sich hatte.
Kapitel zwei, 2023 bis 2025: Dann kam ChatGPT, und plötzlich wollte jeder Rechenleistung. Die Aktie hat sich in dieser Zeit mehr als verzehnfacht. Nvidia wurde zum wertvollsten Unternehmen der Welt.
Kapitel drei, seit Herbst 2025: Das ist der spannende Teil. Die Aktie ist seitdem vor allem seitwärts gelaufen, mit großen Schwankungen zwischen rund 165 und 236 Dollar. Gleichzeitig haben sich Umsatz und Gewinn verdoppelt. Das heißt: Die Aktie ist fundamental günstiger geworden. Der Markt glaubt Nvidia die Zahlen, aber er zweifelt daran, wie lange sie so weitergehen.
Ganz offen gesagt: Diese Skepsis ist nicht dumm. Sie hat einen konkreten Grund, und den schauen wir uns gleich bei den Earnings an. Der goldene Bereich im Chart zeigt dir unsere Spanne für den fairen Wert. Der Kurs liegt oberhalb der gesamten Spanne. Warum das bei Nvidia weniger eindeutig ist, als es aussieht, erkläre ich dir im Bewertungsteil.
Die Earnings im Detail: Q2 FY27 in Zahlen
Nvidia hat am 26. August 2026 nach US Börsenschluss die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt. Wichtig, damit du nicht durcheinanderkommst: Das Geschäftsjahr von Nvidia endet Ende Januar. Das zweite Quartal umfasst also Mai bis Juli 2026 und endete am 26. Juli.
| Kennzahl | Q2 FY27 | Erwartung | Vorjahr | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 96,22 Mrd. $ | 92,07 Mrd. $ | 46,74 Mrd. $ | +106% |
| davon Data Center | 89,02 Mrd. $ | k. A. | 41,10 Mrd. $ | +117% |
| davon Edge Computing | 7,20 Mrd. $ | k. A. | 5,67 Mrd. $ | +27% |
| Bruttomarge | 75,0% | k. A. | 72,4% | +2,6 pp |
| Operatives Ergebnis | 63,73 Mrd. $ | k. A. | 28,44 Mrd. $ | +124% |
| Gewinn je Aktie bereinigt | 2,22 $ | 2,09 $ | 1,01 $ | +120% |
| Gewinn je Aktie GAAP | 2,46 $ | k. A. | 1,08 $ | +128% |
Das ist, ohne Übertreibung, eines der stärksten Quartale, die ein Unternehmen dieser Größe je abgeliefert hat. Ein Konzern mit fast 200 Mrd. Dollar Jahresumsatz verdoppelt sich innerhalb von zwölf Monaten. So etwas gab es in der Geschichte der Börse praktisch noch nie.
Und trotzdem ist die Aktie nach den Zahlen nachbörslich zeitweise um gut 2% gefallen. Warum?
Warum gute Zahlen nicht mehr reichen
Nvidia hat inzwischen 14 Quartale in Folge die eigene Umsatzprognose übertroffen. Das weiß jeder. Deshalb liegt die Erwartung der Analysten immer schon über der Prognose des Managements. Diesmal lag die Prognose bei 91 Mrd. Dollar, der Konsens bei 92,07 Mrd. Dollar, geliefert wurden 96,22 Mrd. Dollar.
Die Überraschung wird aber kleiner. In den ersten Quartalen des KI Booms lag Nvidia im Schnitt rund 8% über der eigenen Prognose. Zuletzt waren es nur noch 4 bis 6%. Das ist immer noch viel. Aber der Markt handelt nicht das Niveau, sondern die Richtung.
Das ist so, als würde ein Schüler jahrelang eine Eins nach der anderen schreiben. Irgendwann freut sich niemand mehr über die Eins. Alle schauen nur noch darauf, ob es diesmal eine Eins plus oder eine Eins minus war.
Die Prognose für das dritte Quartal
Viel wichtiger als das abgelaufene Quartal ist immer der Ausblick. Hier hat Nvidia für das dritte Quartal, also August bis Oktober 2026, folgende Ziele genannt:
| Kennzahl | Prognose Q3 FY27 | Konsens vorher | Vorjahr |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 108,0 Mrd. $ (± 2%) | 103,8 Mrd. $ | 57,01 Mrd. $ |
| Bruttomarge | 74,0% (± 0,5 pp) | k. A. | 73,4% |
| Betriebskosten bereinigt | 9,0 Mrd. $ | k. A. | k. A. |
| Steuerquote Gesamtjahr | 16 bis 18% | k. A. | k. A. |
108 Mrd. Dollar wären gegenüber dem Vorjahresquartal ein Plus von rund 89%. Und das, obwohl Nvidia keinen Dollar Rechenzentrumsumsatz aus China eingeplant hat.
Eine Zahl solltest du dir aber merken: Von Q1 auf Q2 hat Nvidia 14,6 Mrd. Dollar Umsatz draufgelegt. Von Q2 auf Q3 sollen es 11,8 Mrd. Dollar werden. Zum ersten Mal seit Langem wächst der zusätzliche Umsatz pro Quartal nicht mehr. Das ist noch kein Warnsignal. Aber es ist genau die Art Zahl, auf die Profis schauen.
Der Trend über acht Quartale
Das Diagramm zeigt dir die Wucht dieses Geschäfts. Im Herbst 2024 lag der Quartalsumsatz bei 35 Mrd. Dollar. Heute sind es 96 Mrd. Dollar. Interessant ist, dass sich das Wachstum zum Vorjahr zuletzt sogar wieder beschleunigt hat: von 56% im Sommer 2025 auf 106% jetzt. Das liegt vor allem an Blackwell Ultra. Die neue Generation hat die Engpässe der Vorgängerin hinter sich gelassen und wird jetzt in großen Mengen ausgeliefert.
Die Kunden: Wer kauft das alles?
Nvidia nennt keine Namen, aber ein paar Zahlen. Der größte einzelne Kunde stand im zweiten Quartal für 16% des Umsatzes. Das sind rund 15 Mrd. Dollar in drei Monaten, von einem einzigen Abnehmer.
Nach Rechnungsadresse kamen 62% des Umsatzes aus den USA, 28% aus Taiwan (dort sitzen die Auftragsfertiger, die die Server zusammenbauen) und 8% aus China inklusive Hongkong. Rechenzentrumschips der Generation Hopper für China machten aber weniger als 1% des Rechenzentrumsumsatzes aus. China ist für Nvidia im KI Geschäft aktuell praktisch verloren.
Jensen Huang hat bei den Zahlen einen Satz gesagt, der viel erklärt: Vor einem Jahr habe noch ein einziges Labor den Ausbau getrieben. Heute gebe es mehrere große KI Labore, die parallel skalieren, dazu eine Welle neuer Startups, offene Modelle und Staaten, die eigene KI Infrastruktur aufbauen. Mit anderen Worten: Die Kundschaft wird breiter. Das ist eine der wichtigsten Nachrichten des Quartals, weil es die Abhängigkeit von wenigen Großkunden senkt.
Die Zahl, über die keiner spricht: Wo ist das Geld?
Jetzt kommen wir zu dem Punkt, der mich bei diesen Zahlen am meisten beschäftigt hat. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du ihn in keiner Schlagzeile gelesen hast.
Schau dir den letzten Balken an. Nvidia hat im zweiten Quartal 59,7 Mrd. Dollar Gewinn gemeldet. Der operative Cashflow, also das Geld, das tatsächlich aus dem Geschäft auf das Konto geflossen ist, lag bei nur 24,1 Mrd. Dollar. Im Quartal davor waren es noch 50,3 Mrd. Dollar. Der freie Cashflow ist von 48,6 auf 21,4 Mrd. Dollar gefallen, ein Minus von 56%.
Wie kann das sein? Es gibt drei Gründe:
- Die Kunden zahlen später. Die Forderungen sind auf 63,1 Mrd. Dollar gestiegen. Nvidia wartet inzwischen im Schnitt 60 Tage auf sein Geld, ein Quartal vorher waren es 45 Tage. Das Management erklärt das mit verlängerten Zahlungszielen für große, mehrjährige Verträge mit Kunden bester Bonität.
- Das Lager wächst. Die Vorräte sind in drei Monaten um 5,8 auf 31,6 Mrd. Dollar gestiegen. Nvidia baut Bestand für den Hochlauf von Vera Rubin auf.
- Buchgewinne. Im Gewinn stecken 7,8 Mrd. Dollar Gewinne aus Beteiligungen, etwa an KI Firmen. Das ist Gewinn auf dem Papier, kein Geld aus dem Verkauf von Chips.
Ist das ein Problem? Ich sage: noch nicht, aber ich schaue genau hin. Ein Quartal mit schwachem Cashflow kann viele harmlose Gründe haben. Zahlungen verschieben sich, Lager wird vor einem Produktwechsel aufgebaut. Wenn das zwei, drei Quartale so weitergeht, wäre es aber ein echtes Warnsignal. Dann würde Nvidia nämlich seinen Kunden den Kauf faktisch vorfinanzieren.
Die 279 Milliarden Dollar Frage
Noch größer ist eine andere Zahl. Nvidia hat sich bei seinen Lieferanten Speicherchips, Fertigungskapazität und Bauteile gesichert. Diese sogenannten Lieferzusagen sind in nur drei Monaten von 119 auf 279 Mrd. Dollar gestiegen. Vor einem Jahr waren es 45,8 Mrd. Dollar. Den Großteil davon zahlt Nvidia bis Anfang 2029, vor allem für Hochleistungsspeicher.
Dazu kommen Garantien. Nvidia bürgt unter anderem mit bis zu 105 Mrd. Dollar für einen riesigen Rechenzentrumscampus in Ohio. Und Nvidia hat mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Finanzierungsplattformen angekündigt, die über die Zeit mehr als 500 Mrd. Dollar fremdes Kapital für den Ausbau von KI Rechenzentren mobilisieren sollen.
Wie liest man das? Die optimistische Lesart: Nvidia ist sich seiner Nachfrage so sicher, dass es Jahre im Voraus Kapazität kauft. Wer die Speicherchips hat, kann liefern. Wer sie nicht hat, verliert Kunden. Die Zusagen sind in Wahrheit eine Mauer gegen die Konkurrenz.
Die vorsichtige Lesart: Nvidia übernimmt immer mehr Risiko für das Geschäft seiner Kunden. Wenn die Nachfrage in zwei Jahren schwächer ist als gedacht, sitzt Nvidia auf Verträgen, die es trotzdem bezahlen muss. Und Bürgschaften für Rechenzentren sind nichts anderes als Kredit.
Ich halte die optimistische Lesart aktuell für wahrscheinlicher. Aber du solltest wissen, dass Nvidia heute ein anderes Unternehmen ist als vor zwei Jahren. Damals war es ein Chiplieferant mit riesigen Margen und wenig Risiko in der Bilanz. Heute ist es der Finanzierer, Garant und Lieferant eines ganzen Ökosystems.
KI bei Nvidia: Was als Nächstes kommt
Bei jedem anderen Unternehmen würde ich in diesem Abschnitt fragen, ob KI eine Chance oder eine Gefahr ist. Bei Nvidia ist die Frage eine andere: Wie lange bleibt Nvidia der Hauptgewinner, und wer holt auf?
Vera Rubin: Die nächste Generation läuft
Nvidia bringt inzwischen jedes Jahr eine neue Plattform auf den Markt. Nach Blackwell und Blackwell Ultra kommt jetzt Vera Rubin. Laut Nvidia läuft die Plattform in voller Produktion. Erste komplette Serverschränke arbeiten bereits bei CoreWeave, Google Cloud, Microsoft Azure, Oracle und Nebius.
Neu ist, dass Nvidia mit Vera erstmals einen eigenen Hauptprozessor anbietet, gebaut speziell für KI Agenten. Dazu kommen der Inferenzbeschleuniger Groq 3 LPX für besonders schnelle Antworten und neue Netzwerkswitches mit optischen Verbindungen. Nvidia verkauft also nicht mehr nur die Grafikchips, sondern zunehmend das komplette Rechenzentrum.
Der Wechsel vom Training zur Anwendung
Die ersten Jahre des KI Booms drehten sich um das Training: Riesige Modelle mussten gebaut werden, und das ging praktisch nur mit Nvidia. Jetzt verschiebt sich das Gewicht zur Inferenz, also zur Anwendung. Jedes Mal, wenn du eine Frage an einen Chatbot stellst oder ein KI Agent eine Aufgabe erledigt, läuft Inferenz.
Huang hat das bei den Zahlen so zusammengefasst: KI leiste jetzt nützliche Arbeit, die erzeugten Antworten seien produktiv und profitabel, Rechenleistung sei Umsatz. Die Idee dahinter: Wenn KI Anwendungen Geld verdienen, hören die Kunden nicht auf, Rechenleistung zu kaufen. Sie kaufen mehr.
Für Nvidia ist das Chance und Risiko zugleich. Chance, weil der Markt für Inferenz langfristig viel größer sein dürfte als der für Training. Risiko, weil Inferenz leichter auf andere Chips zu verlagern ist. Und damit sind wir bei der Konkurrenz.
Die wahre Konkurrenz sitzt beim Kunden
Wenn du in Foren über Nvidia liest, geht es meistens um AMD. Das ist verständlich, AMD ist der zweite große Anbieter von KI Beschleunigern und hat Partnerschaften mit OpenAI und Meta. Aber nach den Schätzungen von Marktforschern wie IDC und Silicon Analysts kommt AMD im Jahr 2026 nur auf rund 5 bis 7% Marktanteil. Nvidia liegt, je nach Zählweise, bei 75 bis 85%.
Die größere Gefahr sind die eigenen Chips der Kunden. Google entwickelt seit Jahren eigene KI Beschleuniger, die TPU. Amazon hat Trainium, Microsoft Maia, Meta MTIA. Designt werden viele davon zusammen mit Broadcom. Nach Daten von TrendForce wachsen die Stückzahlen dieser Spezialchips 2026 um rund 45%, die von klassischen Grafikbeschleunigern um rund 16%. Anthropic hat angekündigt, bis zu einer Million Google TPUs zu nutzen.
Das ist so, als würden die größten Kunden eines Autoherstellers anfangen, ihre eigenen Autos zu bauen. Nicht alle, nicht für jeden Zweck, aber für die Strecken, die sie jeden Tag fahren.
Warum ist Nvidia trotzdem nicht in Panik? Drei Gründe:
- Der Kuchen wächst schneller, als die Stücke kleiner werden. Selbst wenn der Marktanteil von 85 auf 75% fällt, kann der Umsatz weiter kräftig steigen, solange der Gesamtmarkt wächst.
- Flexibilität. Ein eigener Chip ist gut für eine bestimmte, stabile Aufgabe. Für alles Neue, für Forschung und für Kunden, die keine eigenen Chips bauen können, bleibt Nvidia die erste Wahl. Und das sind die meisten.
- Die Cloud selbst. Auch Google und Microsoft vermieten Nvidia Rechenleistung an ihre Kunden, weil diese Kunden genau das verlangen. Rubin läuft ausgerechnet bei Google Cloud.
Meiner Meinung nach ist es langfristig ziemlich wahrscheinlich, dass Nvidia Marktanteile verliert. Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell und zu welchem Preis. Ein Marktanteil von 70% in einem doppelt so großen Markt wäre für Nvidia immer noch ein Traum. Was die Aktie gefährden würde, ist etwas anderes: sinkende Margen, weil Kunden mit einer echten Alternative anfangen, über den Preis zu verhandeln.
Physische KI: Roboter, Autos, Fabriken
Der dritte große Baustein ist das, was Nvidia physische KI nennt. Gemeint sind Roboter, selbstfahrende Autos und digitale Zwillinge von Fabriken. Für deutsche Anleger ist das besonders interessant, weil gerade die Industrie hier zu Hause ist. Nicht zufällig findet die große Entwicklerkonferenz GTC in diesem Jahr auch in Berlin statt, vom 20. bis 22. Oktober. Jensen Huang hält die Keynote am 21. Oktober im Tempodrom.
Nüchtern betrachtet ist das Geschäft mit Robotern und Autos heute noch klein. Es steckt im Bereich Edge Computing, zusammen mit den Grafikkarten. Aber es ist die Option, die Nvidia für die Zeit nach dem Ausbau der Rechenzentren hat. Und jede Keynote von Huang ist erfahrungsgemäß ein Ereignis, das den Kurs bewegen kann.
Die Politik: China, Zölle und Exportkontrollen
Kaum ein Unternehmen ist so tief in die Geopolitik verstrickt wie Nvidia. Die USA haben den Export der leistungsfähigsten KI Chips nach China in den letzten Jahren immer weiter eingeschränkt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 hatte Nvidia noch 4,6 Mrd. Dollar mit dem speziell für China abgespeckten Chip H20 umgesetzt. Heute sind Hopper Lieferungen nach China auf unter 1% des Rechenzentrumsumsatzes gefallen.
Das Gute daran: Die Erwartungen sind inzwischen null. Nvidia plant in seiner Prognose keinen Rechenzentrumsumsatz aus China ein. Jede Lockerung wäre also ein Zusatzgeschäft, das in keinem Modell steckt. Das Schlechte: China baut mit Hochdruck eigene Chips, allen voran Huawei. Selbst wenn Nvidia eines Tages wieder liefern darf, wird der Markt nicht mehr so offen sein wie früher.
Dazu kommen Zölle und die Frage, wo gefertigt wird. Fast alle KI Chips von Nvidia werden von TSMC in Taiwan hergestellt. Ein Konflikt um Taiwan wäre für Nvidia das größte denkbare Risiko, weit größer als jeder Konkurrent. Das lässt sich in keinem Modell sauber abbilden. Du solltest es aber im Hinterkopf haben, wenn du überlegst, wie viel Nvidia du im Depot haben willst.
Aktienrückkäufe und Dividende: 150 Milliarden auf einen Schlag
Am 28. September 2026 hat Nvidia eine Nachricht verschickt, die man nicht jeden Tag liest. Der Verwaltungsrat hat das Rückkaufprogramm um 150 Mrd. Dollar aufgestockt. Nach Angaben von Nvidia ist das die größte Erhöhung eines Rückkaufprogramms in der Geschichte. Insgesamt stehen damit 235 Mrd. Dollar zur Verfügung, die bis Ende des Geschäftsjahres 2028, also bis Ende Januar 2028, eingesetzt werden sollen. Gleichzeitig hat Nvidia angekündigt, die Dividende zu erhöhen, ohne schon Höhe und Zeitpunkt zu nennen. Die Aktie stieg an dem Tag um rund 2%.
Wie groß ist das? Im zweiten Quartal hat Nvidia 26 Mrd. Dollar an die Aktionäre zurückgegeben, davon 20 Mrd. Dollar über Rückkäufe und 6 Mrd. Dollar über die Dividende von 25 Cent je Aktie und Quartal. Um die 235 Mrd. Dollar bis Anfang 2028 auszugeben, müsste Nvidia rund 44 Mrd. Dollar pro Quartal zurückkaufen. Das bisher stärkste Quartal beim freien Cashflow lag bei 48,6 Mrd. Dollar.
Was heißt das für dich? Zwei Dinge. Erstens: Das Management rechnet offensichtlich damit, dass der Cashflow nach dem schwachen zweiten Quartal wieder deutlich anzieht. Sonst wäre die Ankündigung unseriös. Zweitens: Bezogen auf den Börsenwert von rund 5,56 Billionen Dollar sind 235 Mrd. Dollar etwa 4%. Das ist viel Geld, aber kein Kurstreiber, der die Bewertung allein rechtfertigt.
Bei der Dividende lohnt sich ein klarer Blick: Mit 1 Dollar pro Jahr liegt die Rendite bei rund 0,44%. Nvidia ist keine Dividendenaktie und wird es auch mit einer Erhöhung nicht werden. Nvidia kauft man für das Wachstum.
Bewertung: Was ist die Nvidia Aktie wert?
In unserem DCF Modell ergibt sich für Nvidia ein gewichteter Fair Value von 136,50 Dollar (gerundet 137 Dollar) mit einem Bear Case von 58 Dollar (13,46% WACC), einem Base Case von 140 Dollar (12,71% WACC, 30,6% FCF Marge) und einem Bull Case von 208 Dollar (12,21% WACC). Der aktuelle Börsenkurs von 228,86 Dollar notiert rund 67% über unserem Modellwert.
Jetzt kommen wir zur wichtigsten Frage. Und ich sage dir vorab: Bei kaum einer Aktie gehen die Meinungen so weit auseinander wie bei Nvidia. Das hat einen guten Grund, und du wirst ihn gleich in den Zahlen sehen.
Die schnellen Kennzahlen
| Kennzahl | Wert | Einordnung |
|---|---|---|
| Kurs (28.09.26) | 228,86 $ | rund 201 € |
| Börsenwert | 5,56 Bio. $ | wertvollstes Unternehmen der Welt |
| Umsatz letzte 12 Monate | 302,97 Mrd. $ | +83% zum Vorjahreszeitraum |
| KGV letzte 12 Monate | 28,9 | Gewinn je Aktie 7,91 $ laut SEC Daten bis 26.07.26 |
| Free Cashflow Rendite | 2,3% | nach Abzug der Aktienvergütung |
| Dividendenrendite | 0,44% | 1,00 $ pro Jahr |
Ein KGV von knapp 29 klingt für ein Unternehmen, das sich gerade verdoppelt, fast billig. Zum Vergleich: Viele Konsumgüterkonzerne mit 3 bis 5% Wachstum kosten 20 bis 25. Genau das ist das Argument der Optimisten. Und es ist kein schlechtes Argument.
Das Gegenargument: Ein KGV sagt dir nur, was ein Unternehmen heute verdient. Es sagt dir nicht, ob es das in fünf Jahren noch verdient. Bei einem Unternehmen, dessen Gewinn sich in zwei Jahren vervierfacht hat, ist genau das die entscheidende Frage.
So habe ich gerechnet: Unser DCF Modell im Detail
Für die Nvidia Aktie wenden wir ein dreistufiges Discounted Cashflow Modell (DCF) auf Basis der offiziellen SEC Quartalsberichte an. Wir berechnen die freien Cashflows der kommenden zehn Jahre im Detail und ermitteln den anschließenden Endwert. Sämtliche mathematische Formeln und Diskontierungsregeln legen wir in unserer Methodik der Fair Values transparent offen.
Du willst eigene Wachstumsraten, Margen oder Zinsen testen? Du kannst alle Zahlen direkt in unserem interaktiven DCF Rechner nachrechnen und dein persönliches Kursziel ermitteln.
Ein DCF Modell rechnet alle künftigen freien Cashflows eines Unternehmens auf heute ab. Wir rechnen zehn Jahre im Detail und danach einen Endwert. Wie das genau funktioniert, erklären wir in unserer Methodik. Die Annahmen für Nvidia im Basisszenario:
| Annahme | Wert | Herkunft |
|---|---|---|
| Umsatz letzte 12 Monate | 302,97 Mrd. $ | SEC Berichte |
| Wachstum im ersten Jahr | 35,0% | Obergrenze unseres Modells |
| Wachstum im Jahr 10 | 2,5% | sinkt gleichmäßig ab Jahr 1 |
| Free Cashflow Marge heute | 39,7% | nach Abzug der Aktienvergütung |
| Free Cashflow Marge langfristig | 30,6% | Schnitt der letzten fünf Geschäftsjahre |
| Risikoloser Zins | 5,26% | US Staatsanleihe 10 Jahre, 29.09.26 |
| Marktrisikoprämie | 4,14% | Damodaran, September 2026 |
| Beta | 1,81 | bereinigt nach Blume, 5 Jahre monatlich |
| Eigenkapitalkosten | 12,75% | CAPM |
| Kapitalkosten (WACC) | 12,71% | Ergebnis |
| Aktien verwässert | 24,29 Mrd. | SEC, 26.07.26 |
Zwei Annahmen muss ich dir erklären, weil sie das Ergebnis stark prägen.
Erstens, die Obergrenze beim Wachstum. Unser Modell startet nie mit mehr als 35% Wachstum im ersten Jahr, egal wie schnell ein Unternehmen gerade wächst. Das ist eine bewusste Sicherheitsregel. Bei Nvidia ist sie sehr streng: Schon die Prognose für das dritte Quartal liegt bei +89% zum Vorjahr.
Zweitens, die Kapitalkosten. Die Nvidia Aktie schwankt fast doppelt so stark wie der Gesamtmarkt. Deshalb verlangt das Modell eine hohe Rendite von über 12% pro Jahr. Je höher diese Hürde, desto weniger ist ein Dollar Cashflow in zehn Jahren heute wert.
Daraus ergeben sich drei Szenarien:
| Szenario | Gewichtung | Wachstum Jahr 1 | Marge langfristig | WACC | Wert je Aktie |
|---|---|---|---|---|---|
| Bear | 25% | 17,5% | 26,0% | 13,46% | 58 $ |
| Base | 50% | 35,0% | 30,6% | 12,71% | 140 $ |
| Bull | 25% | 41,0% | 33,7% | 12,21% | 208 $ |
| Fair Value | 137 $ |
Der gewichtete Fair Value liegt bei 137 Dollar, in Euro rund 120 Euro. Der Kurs liegt mit 228,86 Dollar rund 67% über dem Fair Value. Nach unseren Regeln ist Nvidia damit überbewertet. Selbst das Bull Szenario liegt unter dem aktuellen Kurs.
Wie empfindlich ist das Ergebnis?
Hier siehst du, wie sich der Wert im Basisszenario verändert, wenn die Kapitalkosten oder das ewige Wachstum anders ausfallen:
| WACC | Ewiges Wachstum | ||
|---|---|---|---|
| 2,0% | 2,5% | 3,0% | |
| 11,71% | 150 $ | 157 $ | 164 $ |
| 12,21% | 142 $ | 148 $ | 154 $ |
| 12,71% | 134 $ | 140 $ | 146 $ |
| 13,21% | 128 $ | 132 $ | 138 $ |
| 13,71% | 122 $ | 126 $ | 131 $ |
Du siehst: An den Kapitalkosten allein liegt es nicht. Selbst mit einem Prozentpunkt weniger kommen wir nur auf 157 Dollar. Senkt man die Kapitalkosten auf 10%, was für ein Unternehmen mit dieser Bilanz vertretbar wäre, landet das Basisszenario bei rund 195 Dollar. Immer noch unter dem Kurs.
Du kannst alle Annahmen mit deinen eigenen Vorstellungen direkt in unserem interaktiven DCF Rechner durchspielen und anpassen.
Was der Kurs wirklich einpreist
Jetzt drehen wir die Rechnung um. Statt zu fragen, was Nvidia wert ist, fragen wir: Was muss Nvidia liefern, damit der heutige Kurs fair ist? Das nennt man einen Reverse DCF.
Das Ergebnis: Bei unveränderten Kapitalkosten und einer Marge, die vom heutigen Niveau langsam auf den Fünfjahresschnitt sinkt, müsste Nvidia im ersten Jahr um rund 50% wachsen und danach gleichmäßig langsamer werden. Und jetzt kommt der interessante Teil: Das ist gar nicht so weit weg von dem, was Nvidia gerade liefert.
Ich habe zwei Zusatzrechnungen gemacht, die du in den grauen Balken siehst. Beide gehen davon aus, dass die heutige Rekordmarge von 39,7% dauerhaft bleibt:
- 45% Wachstum im ersten Jahr: Fair Value rund 246 Dollar. Der Umsatz läge im zehnten Jahr bei rund 2,4 Billionen Dollar.
- 55% Wachstum im ersten Jahr: Fair Value rund 344 Dollar. Der Umsatz läge im zehnten Jahr bei rund 3,5 Billionen Dollar.
Lass diese Zahlen kurz wirken. 2,4 Billionen Dollar Umsatz pro Jahr. Das wäre achtmal so viel wie heute und deutlich mehr als der gesamte weltweite Halbleitermarkt von heute. Kann das passieren? Wenn KI wirklich die Art verändert, wie die Welt arbeitet, vielleicht. Aber es ist eine Wette darauf, dass der Boom nicht nur weitergeht, sondern ein ganzes Jahrzehnt anhält und Nvidia dabei weder Marge noch Marktanteil abgibt.
Das ist so, als würdest du ein Haus kaufen, dessen Preis nur dann fair ist, wenn die Mieten in der Gegend zehn Jahre lang jedes Jahr kräftig steigen. Das kann klappen. Aber du hast keinen Puffer, falls es nur gut statt fantastisch läuft.
Ohne Übertreibung, und das ist die Einschränkung, die ich oben angekündigt habe: Bei einem Unternehmen wie Nvidia stößt jedes DCF Modell an seine Grenzen. Unser Modell ist bewusst vorsichtig gebaut, damit es nicht jede Euphorie mitmacht. Das schützt dich bei überteuerten Aktien. Es führt aber auch dazu, dass echte Ausnahmeunternehmen im Modell fast immer zu teuer aussehen. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen unserem konservativen Modellwert von 137 Dollar und den sehr optimistischen Markterwartungen an den Hyperscaler Ausbau. Wo genau, hängt fast nur an einer Frage: Wie lange dauert der Ausbau der KI Rechenzentren noch?
Was muss passieren, damit Nvidia enttäuscht?
- Die Investitionen der Kunden flachen ab. Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta geben jedes Jahr Hunderte Milliarden Dollar für Rechenzentren aus. Sobald einer von ihnen bremst, wird der Markt nervös. Die Quartalszahlen dieser Kunden Ende Oktober sind deshalb für Nvidia fast genauso wichtig wie die eigenen.
- Der Cashflow bleibt schwach. Wenn Forderungen und Lager noch ein, zwei Quartale deutlich schneller wachsen als der Umsatz, wird die Frage nach der Qualität des Gewinns lauter.
- Die Margen sinken. Speicherchips werden teurer, Kunden haben mit eigenen Chips mehr Verhandlungsmacht. Schon ein Rückgang der Bruttomarge von 75 auf 70% würde viel Gewinn kosten.
- Die Energie reicht nicht. Rechenzentren brauchen Strom, und der ist in vielen Regionen knapp. Wenn Kunden ihre Chips nicht anschließen können, kaufen sie weniger.
- Taiwan. Das unwahrscheinlichste, aber folgenreichste Risiko. Fast alle Chips kommen von TSMC.
Nvidia aus Sicht deutscher Anleger
Ein paar praktische Punkte, die für dich als Anleger aus Deutschland oder Österreich wichtig sind:
- Kaufen: Die Aktie wird an der Nasdaq gehandelt (Kürzel NVDA) und in Deutschland über Xetra, Tradegate, Lang & Schwarz und die Regionalbörsen. ISIN: US67066G1040, WKN: 918422. Bei praktisch allen Neobrokern gibt es sie auch im Sparplan.
- Handelszeiten und Earnings: Nvidia legt die Zahlen nach US Börsenschluss vor, im November also gegen 22:20 Uhr deutscher Zeit. Einige deutsche Handelsplätze handeln dann noch, aber mit breiteren Spannen zwischen Kauf und Verkaufskurs. Wenn du rund um die Zahlen kaufen oder verkaufen willst, arbeite mit Limits. Sonst zahlst du unter Umständen deutlich mehr als nötig.
- Quellensteuer: Auf die Dividende behalten die USA 15% Quellensteuer ein, sofern dein Broker das automatisch regelt oder du das Formular W-8BEN hinterlegt hast. Wie das funktioniert, erklären wir in unserer Anleitung zum W-8BEN. Bei Nvidia geht es allerdings um kleine Beträge.
- Was netto ankommt: Bei 1.000 Euro Investment und 0,44% Rendite sind das rund 4,37 Euro Dividende im Jahr, brutto. Die USA behalten 15% ein, also rund 0,66 Euro. In Deutschland fallen auf den Rest noch rund 0,46 Euro an. Netto bleiben rund 3,25 Euro. Die Rendite bei Nvidia entsteht fast vollständig über den Kurs.
- Währung: Du kaufst eine Dollar Aktie. Steigt der Euro gegenüber dem Dollar, verlierst du in Euro gerechnet, auch wenn die Aktie in Dollar gleich bleibt.
- Klumpenrisiko: Das unterschätzen viele. Wenn du einen ETF auf den MSCI World, den S&P 500 oder den Nasdaq 100 besparst, hast du Nvidia schon im Depot, und zwar als eine der größten Positionen. Wer zusätzlich Nvidia als Einzelaktie kauft, verdoppelt seine Wette auf die KI. Schau einmal nach, wie hoch dein gesamter Anteil wirklich ist. Worauf es bei der Auswahl eines breiten ETF ankommt, zeigen wir dir in unserem Vergleich zum besten S&P 500 ETF.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen:
- Umsatz verdoppelt sich, Prognose für das dritte Quartal mit +89% klar über den Erwartungen.
- Vera Rubin in voller Produktion, der jährliche Produktzyklus hält die Konkurrenz auf Abstand.
- CUDA und das Netzwerkgeschäft machen Nvidia zum Systemanbieter, nicht nur zum Chiplieferanten.
- Die Kundschaft wird breiter: mehr KI Labore, Staaten, Unternehmen.
- China steckt mit null in der Prognose, jede Lockerung wäre Zusatzgeschäft.
- Rekordrückkauf von 235 Mrd. Dollar und steigende Dividende.
Risiken:
- Der Kurs setzt rund 50% Wachstum im ersten Jahr und ein langes Anhalten des Booms voraus.
- Schwacher Cashflow im letzten Quartal, längere Zahlungsziele, steigende Lager.
- 279 Mrd. Dollar Lieferzusagen und Bürgschaften erhöhen das Risiko bei einem Abschwung.
- Eigene Chips von Google, Amazon, Microsoft und Meta wachsen deutlich schneller als der Markt.
- Hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden, der größte steht für 16% des Umsatzes.
- Fertigung fast vollständig bei TSMC in Taiwan.
Die nächsten Termine
| Datum | Ereignis | Worauf ich achte |
|---|---|---|
| 21.10.26 | Keynote von Jensen Huang auf der GTC in Berlin, 11:00 Uhr | Neuigkeiten zu Rubin, Robotik und Industrie KI, Partnerschaften mit europäischen Firmen |
| Ende Oktober | Quartalszahlen von Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta | Pläne für Investitionen in Rechenzentren 2027. Das ist der wichtigste Frühindikator für Nvidia |
| 17.11.26 | Zahlen Q3 FY27, nach US Börsenschluss | Umsatz gegen die Prognose von 108 Mrd. Dollar, Ausblick auf Q4, Cashflow und Forderungen, Tempo der Rückkäufe |
| Februar 2027 | Zahlen Q4 FY27 | Erster Blick auf das Geschäftsjahr 2028 und die Höhe der neuen Dividende |
Einen Überblick über alle wichtigen US Quartalszahlen im Oktober findest du in unserem Earnings Kalender.
Mein Fazit zur Nvidia Aktie
Nvidia bleibt das technologische Herzstück der globalen KI Infrastruktur mit unübertroffenem Ökosystem (CUDA). Auf dem gegenwärtigen Kursniveau bietet die Aktie jedoch keine ausreichende Sicherheitsmarge für Neuinvestitionen; bestehende Positionen rechtfertigen ein Halten mit engmaschiger Beobachtung der Hyperscaler Budgets.
Ich habe großen Respekt vor dem, was Nvidia gebaut hat. Wirklich. Ein Unternehmen mit fast 100 Mrd. Dollar Quartalsumsatz, das sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und dabei 75% Bruttomarge hält, das gab es noch nie. Jensen Huang hat vor über zehn Jahren auf eine Idee gesetzt, die damals kaum jemand verstanden hat, und er lag richtig.
Aber du kennst meine Regel: Ein großartiges Unternehmen ist nicht automatisch eine großartige Aktie. Es kommt auf den Preis an. Und der Preis von Nvidia verlangt, dass alles weiter nach Plan läuft. Nicht nur im nächsten Quartal, sondern im nächsten Jahrzehnt.
Unser Modell sieht den fairen Wert bei 137 Dollar. Ich weiß, dass das Modell bei solchen Ausnahmeunternehmen konservativ rechnet, und ich habe dir gezeigt, warum. Mit großzügigeren Annahmen komme ich auf rund 246 Dollar. Das zeigt dir die Wahrheit über diese Aktie: Du bekommst bei 229 Dollar kein Schnäppchen, du bezahlst ungefähr den Preis für das optimistische Szenario.
Was heißt das für mich konkret? Wenn du Nvidia schon lange im Depot hast und im Plus bist, gibt es für mich keinen Grund, alles zu verkaufen. Aber schau dir an, wie groß die Position inzwischen ist, gerade wenn du zusätzlich einen Welt ETF besparst. Wenn du neu einsteigen willst, würde ich nicht mit einer großen Summe auf einmal kaufen. Ein Sparplan verteilt das Risiko auf viele Einstiegszeitpunkte. Interessant wird die Aktie für mich im Bereich unter 180 Dollar, dort war sie zuletzt im Frühjahr 2026. Und ich schaue am 17. November ganz genau auf eine Zahl, die kaum jemand beachtet: den operativen Cashflow.
Wie siehst du das? Ist Nvidia für dich die wichtigste Aktie des Jahrzehnts oder die teuerste Wette an der Börse? Schreib es mir gern in die Kommentare.
Häufige Fragen zur Nvidia Aktie
Prüfe SEC Form 10 K und 10 Q Berichte mit unserer 3 seitigen Checkliste und Investment Thesen Vorlage:
Ist die Nvidia Aktie überbewertet?
Nach unserem DCF Modell ja. Der Fair Value liegt bei 137 Dollar, der Kurs am 28.09.26 bei 228,86 Dollar. Der Kurs setzt rund 50% Umsatzwachstum im ersten Jahr voraus. Mit großzügigeren Annahmen, bei denen die heutige Rekordmarge dauerhaft bleibt, kommen wir auf rund 246 Dollar. Ein Schnäppchen ist die Aktie in keinem Szenario.
Wann veröffentlicht Nvidia die nächsten Zahlen?
Nvidia legt die Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2027 am 17. November 2026 nach US Börsenschluss vor. Die eigene Prognose liegt bei 108 Mrd. Dollar Umsatz, plus oder -2%, bei einer Bruttomarge von rund 74%.
Zahlt Nvidia eine Dividende?
Ja, 25 Cent je Aktie pro Quartal, also 1 Dollar pro Jahr. Das entspricht einer Rendite von rund 0,44%. Nvidia hat am 28.09.26 eine Erhöhung angekündigt, aber noch keine Höhe genannt. Deutsche Anleger zahlen darauf 15% US Quellensteuer, die auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet wird.
Warum ist der Cashflow von Nvidia im letzten Quartal gesunken?
Der operative Cashflow fiel im zweiten Quartal auf 24,1 Mrd. Dollar, bei 59,7 Mrd. Dollar Gewinn. Gründe sind längere Zahlungsziele für große Kunden, höhere Lagerbestände für die neue Plattform Vera Rubin und Buchgewinne aus Beteiligungen von 7,8 Mrd. Dollar, die kein Geld in die Kasse bringen.
Wie gefährlich sind Googles TPU und andere eigene Chips für Nvidia?
Sie sind die größte Konkurrenz, größer als AMD. Nach Schätzungen von TrendForce wachsen die Stückzahlen dieser Spezialchips 2026 um rund 45%, die klassischer Grafikbeschleuniger um rund 16%. Nvidia hält trotzdem geschätzt 75 bis 85% Marktanteil, weil der Gesamtmarkt schnell wächst und CUDA viele Entwickler bindet.
Was bedeutet die GTC in Berlin für Nvidia Aktionäre?
Jensen Huang hält am 21. Oktober 2026 um 11 Uhr die Keynote im Berliner Tempodrom. Solche Auftritte bringen oft neue Produkte und Partnerschaften, gerade bei Robotik und Industrie KI, die für Europa wichtig sind. Kursbewegungen um die Keynote sind möglich, an den Zahlen ändert sie kurzfristig nichts.
Quellen
Datenbasis und Vergleichswerte: Die Fair Values, Sicherheitsmargen und Kennzahlen dieses Beitrags stammen aus dem offenen US Aktien Fair Value Datensatz mit 120 Titeln aus dem DCF Modell unter CC BY 4.0. Wie die Werte entstehen, steht vollständig offengelegt in der Fair Value Methodik, alle Rohdaten und Schnittstellen unter Offene Finanzdaten und Datensätze.
- Nvidia Investor Relations & Newsroom: Quartalsbericht Q2 FY27 und offizieller Ausblick auf Q3 FY27.
- SEC EDGAR Filings: Nvidia Form 10 Q und 10 K, Quartalszahlen, Cashflow und Aktienanzahl (CIK 0001045810).
- Nvidia CFO Kommentar zu Q2 FY27: Lieferzusagen, Forderungen, Garantien, laut Berichten von Jon Peddie Research und The Software Frontier.
- Nvidia Mitteilung vom 28.09.26 zum Rückkaufprogramm, berichtet von SiliconANGLE, US News und TIKR.
- Konsensschätzungen: Rex Shares und 24/7 Wall St. zu Q2 FY27.
- Marktanteile: Schätzungen von IDC, Silicon Analysts und TrendForce, zusammengefasst von CommandLinux.
- GTC Berlin 2026: Nvidia Veranstaltungsseite.
- Kurse: Nasdaq Schlusskurse (IEX). Wechselkurs: Europäische Zentralbank. Zinsen: U.S. Department of the Treasury. Marktrisikoprämie: Prof. Aswath Damodaran (NYU Stern).
Hinweis: Dieser Artikel ist keine Anlageberatung. Er gibt meine persönliche Einschätzung auf Basis öffentlich verfügbarer Daten wieder. Aktien können stark schwanken, bis hin zum Totalverlust. Triff deine Entscheidungen selbst und investiere nur Geld, das du langfristig entbehren kannst.