OpenAI gegen Anthropic: Der Börsengang des Jahrzehnts und wie du als deutscher Anleger dabei sein kannst

Zwei KI Firmen, zusammen fast zwei Billionen Dollar privat bewertet, beide mit vertraulichem S-1 bei der SEC. Ich zeige dir, wer zuerst an die Börse kommt, was die Zahlen wirklich sagen, worauf du im Prospekt achten musst und wie du als deutscher Anleger zeichnen kannst.

Stand: 07.10.26 · SEC S-1 Filing Status, Pre-IPO Bewertungen und Zuteilungswege für Privatanleger redaktionell geprüft · Keine Anlageberatung

Stell dir vor, du hättest 2004 die Chance gehabt, beim Börsengang von Google zu zeichnen. 85 Dollar je Aktie, und heute wärst du ein gemachter Mensch. So ungefähr fühlt sich gerade die Stimmung in den Foren an, wenn es um Anthropic und OpenAI geht. Die beiden Firmen hinter Claude und ChatGPT wollen an die Börse. Beide haben bei der US Börsenaufsicht SEC bereits vertraulich einen Antrag eingereicht. Und beide würden, wenn die Berichte stimmen, größer an die Börse gehen als jedes Unternehmen vor ihnen.

Klar formuliert gleich zu Beginn: Wer 2004 bei Google gezeichnet hat, hat ein Unternehmen gekauft, das schon profitabel war. Bei OpenAI verbrennt jeder Dollar Umsatz laut Berichten noch deutlich mehr als einen Dollar an Kosten. Und Anthropic ist zwar schneller gewachsen als fast jedes Unternehmen in der Geschichte der Wirtschaft, soll aber mit rund zwei Billionen Dollar bewertet werden. Das ist mehr als der gesamte Börsenwert von Meta heute.

Das ist so, als würdest du ein Restaurant kaufen, das jeden Abend ausgebucht ist, dessen Küche aber jeden Monat mehr kostet, als die Gäste zahlen. Die Frage ist nicht, ob das Essen gut ist. Die Frage ist, ob die Rechnung irgendwann aufgeht, und wie viel du heute für diese Hoffnung bezahlst.

In diesem Artikel bekommst du alles, was du wissen musst: wo beide Börsengänge heute stehen, was ein S-1 Prospekt ist und was drinstehen wird, die Zahlen beider Firmen im direkten Vergleich, die Bewertung durchgerechnet, und vor allem den Teil, den dir kaum jemand sauber erklärt: wie du als Anleger in Deutschland oder Österreich überhaupt an Aktien kommst, ob du zeichnen solltest und welche Fallen auf dich warten.

Das Wichtigste in 60 Sekunden

  • Stand heute (29.09.26): Weder Anthropic noch OpenAI hat einen öffentlichen S-1 Prospekt veröffentlicht. Beide haben nur einen vertraulichen Entwurf bei der SEC eingereicht, Anthropic am 01.06.26, OpenAI im Mai 2026.
  • Wer kommt zuerst? Sehr wahrscheinlich Anthropic. Laut Wall Street Journal peilt Anthropic einen Börsengang im November 2026 an, laut Bloomberg an der Nasdaq. OpenAI will laut Finanzchefin Sarah Friar 2027 an die Börse.
  • Bewertung: Anthropic zuletzt 965 Mrd. Dollar (Mai 2026), berichtetes IPO Ziel rund 2 Billionen Dollar. OpenAI zuletzt 852 Mrd. Dollar (März 2026), berichtetes Ziel über 1 Billion Dollar.
  • Zahlen: Anthropic hat seinen hochgerechneten Jahresumsatz von rund 1 Mrd. Dollar Ende 2024 auf rund 65 Mrd. Dollar im Juli 2026 gesteigert, laut Berichten mit dem ersten operativen Gewinn im zweiten Quartal. OpenAI macht rund 2 Mrd. Dollar Umsatz im Monat, erwartet für 2026 aber einen Verlust von rund 14 Mrd. Dollar.
  • Zeichnen in Deutschland: Beim SpaceX Börsengang im Juni konnten deutsche Anleger erstmals breit zeichnen, unter anderem über Trade Republic, ING, comdirect, flatex, DEGIRO und die Deutsche Bank. Für Anthropic und OpenAI hat noch kein Broker ein Angebot bestätigt.
  • Die größte Falle: Zeichnen heißt nicht kaufen. Bei SpaceX lagen die Orders der Privatanleger bei über 100 Mrd. Dollar, das finale Retail Kontingent bei rund 15 Mrd. Dollar (20% des Gesamtvolumens). Und die Aktien kamen erst Tage nach dem ersten Handelstag ins Depot.
  • Warnung: Es gibt heute keine echte Anthropic Aktie und keine OpenAI Aktie zu kaufen. Jedes Angebot, das dir vor dem Börsengang Anteile verspricht, ist mit großer Wahrscheinlichkeit Betrug oder ein Produkt, das nur für Profis gedacht ist.
Börsensaal hinter einer Glasfassade mit leuchtendem KI Netzwerk
Anthropic und OpenAI wollen an die Börse. Es wären die größten Börsengänge der Geschichte.

Wo die beiden Börsengänge heute stehen

Bevor wir in die Zahlen gehen, müssen wir sauber trennen, was bestätigt ist und was nur berichtet wird. Bei diesen beiden Börsengängen schreiben gerade hunderte Seiten voneinander ab, und nicht alles davon stimmt. Ich habe mich an die Unternehmensangaben und an die großen Nachrichtenagenturen gehalten.

Anthropic: Der Antrag liegt, die Banken sind bereit

Anthropic hat am 01.06.26 einen vertraulichen Entwurf seiner Registrierungsunterlagen bei der SEC eingereicht und das über eine offizielle Mitteilung selbst bestätigt. Damit war Anthropic das erste große KI Labor, das diesen Schritt gegangen ist. Die Anwaltskanzlei Wilson Sonsini hatte Anthropic laut Financial Times schon im Dezember 2025 für den Börsengang mandatiert.

Was seitdem berichtet wurde, aber von Anthropic nicht bestätigt ist:

  • Börse: Nasdaq (Bloomberg, 13.09.26)
  • Bewertungsziel: rund 2 Billionen Dollar (CNBC, 21.08.26)
  • Emissionsvolumen: bis zu 100 Mrd. Dollar (Reuters, 11.09.26)
  • Zeitpunkt: November 2026 (Wall Street Journal, 18.09.26)
  • Konsortialführer: Morgan Stanley, dazu Goldman Sachs und JPMorgan
  • Stimmrechte: Die Mitgründer sollen die Stimmrechtsmehrheit behalten (Reuters, 24.09.26)

OpenAI: Vertraulich eingereicht, aber kein Grund zur Eile

OpenAI hat im Mai 2026 ebenfalls vertraulich einen S-1 Entwurf eingereicht und das am 08.06.26 selbst öffentlich gemacht. Der Satz aus der Mitteilung ist bemerkenswert: Man erwarte, dass der Entwurf durchsickert, und es könne eine Weile dauern. Deutlicher kann ein Unternehmen nicht sagen, dass es keinen festen Termin gibt.

Am 19.08.26 sagte Finanzchefin Sarah Friar laut Berichten vor der Belegschaft, OpenAI werde 2027 ein börsennotiertes Unternehmen sein, eventuell früher. Die Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley sind laut Berichten an Bord. Das Ziel: eine Bewertung von mehr als 1 Billion Dollar und rund 60 Mrd. Dollar frisches Kapital.

Was vertraulich eingereicht eigentlich bedeutet

Viele Seiten schreiben, Anthropic habe den S-1 eingereicht, und lassen das Wort vertraulich weg. Das ist ein wichtiger Unterschied. Seit 2017 dürfen alle Unternehmen in den USA ihren Prospekt zunächst vertraulich von der SEC prüfen lassen. Die Öffentlichkeit sieht davon nichts. Erst wenn das Unternehmen wirklich loslegen will, muss es den Prospekt öffentlich machen, und zwar mindestens 15 Tage vor dem Start der Roadshow, also der Vermarktung bei den großen Investoren.

Das heißt für dich ganz praktisch: Der Tag, an dem der öffentliche S-1 von Anthropic auf der Seite der SEC erscheint, ist der Startschuss. Ab dann sind es erfahrungsgemäß nur noch drei bis sechs Wochen bis zum ersten Handelstag. Bei SpaceX lagen zwischen dem öffentlichen Prospekt am 20.05.26 und dem ersten Handelstag am 12.06.26 gerade einmal gut drei Wochen.

TerminAnthropicOpenAI
Anwälte mandatiertDezember 2025k. A.
Vertraulicher S-101.06.26Mai 2026 (bekannt seit 08.06.26)
Öffentlicher S-1noch nicht (Stand 29.09.26)noch nicht (Stand 29.09.26)
Berichtetes Ziel BörsengangNovember 20262027
Berichtete BörseNasdaqk. A.
Berichtetes Volumenbis 100 Mrd. $rund 60 Mrd. $
Berichtete Bewertungrund 2.000 Mrd. $über 1.000 Mrd. $
Quellen: Unternehmensmitteilungen von Anthropic (01.06.26) und OpenAI (08.06.26), Berichte von Reuters, Bloomberg, CNBC, Wall Street Journal und Financial Times. Alles außer den vertraulichen Anträgen ist nicht offiziell bestätigt.

Mein Tipp: Du musst nicht jeden Tag die Nachrichten lesen. Der einzige Termin, der wirklich zählt, ist der öffentliche S-1. Ich aktualisiere diesen Artikel, sobald er erscheint, und rechne die Bewertung mit den echten Zahlen neu durch.

Anthropic und OpenAI: Zwei Firmen, zwei völlig verschiedene Geschäftsmodelle

Von außen sehen beide Firmen gleich aus. Beide bauen große Sprachmodelle, beide haben einen Chatbot, beide verkaufen an Unternehmen. Wenn du aber genauer hinschaust, verdienen sie ihr Geld auf ganz unterschiedliche Weise. Und genau das entscheidet am Ende über die Bewertung.

OpenAI: Die Marke, die jeder kennt

ChatGPT ist das, was Google vor zwanzig Jahren war: ein Name, der zum Verb geworden ist. OpenAI kommt laut eigenen Angaben und Berichten auf über 900 Mio. wöchentliche Nutzer und über 50 Mio. zahlende Abonnenten. Rund 40% des Umsatzes kommen inzwischen von Unternehmen, der Rest vor allem von Privatkunden mit einem Abo.

Das Problem ist die Kostenseite. Jede Anfrage an ChatGPT kostet Rechenleistung, und Rechenleistung ist teuer. Laut Berichten lag die operative Marge von OpenAI im ersten Quartal 2026 bei -122%. Anders gesagt: Für jeden Dollar Umsatz hat OpenAI 2,22 Dollar ausgegeben. Für das Gesamtjahr 2026 wird ein Verlust von rund 14 Mrd. Dollar erwartet, die Gewinnschwelle erst um das Jahr 2030.

Das ist so, als würdest du einen Laden eröffnen, in den jeden Tag hunderttausende Menschen kommen, aber die meisten nur schauen und die wenigen Käufer die Miete nicht decken. Du hast die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt. Du musst sie nur noch zu Geld machen.

Anthropic: Der stille Lieferant der Unternehmen

Anthropic ist den anderen Weg gegangen. Claude hat viel weniger Privatnutzer als ChatGPT, aber rund 80 bis 85% des Umsatzes kommen von Unternehmen und Entwicklern, die über die Schnittstelle bezahlen, je genutzter Rechenmenge. Der größte Treiber ist Claude Code, ein Werkzeug, mit dem Programmierer ganze Softwareprojekte von der KI schreiben lassen.

Das Ergebnis ist eine Wachstumskurve, die ich so noch nie gesehen habe:

Anthropic: Umsatz Run Rate 2024 bis 2026Hochgerechneter Jahresumsatz in Mrd. US Dollar (brutto, laut Berichten)1,0Dez 249,5Dez 2514Feb 2619Mär 2630Apr 2647Mai 2665Jul 26
Quellen: Berichte von CNBC, Reuters, The Information und Unternehmensangaben, zusammengestellt von usaktienhub.de. Run Rate = Monatsumsatz mal 12, brutto inklusive Umsätzen über Cloud Partner. Nicht geprüft, kein S-1 veröffentlicht.

Ende 2024 lag der hochgerechnete Jahresumsatz bei rund 1 Mrd. Dollar. Ende 2025 waren es rund 9 bis 10 Mrd. Dollar. Im Mai 2026 rund 47 Mrd. Dollar und Ende Juli laut Berichten rund 65 Mrd. Dollar. Im April 2026 hat Anthropic OpenAI beim Umsatz mit Unternehmenskunden überholt.

Ich muss hier aber eine wichtige Einschränkung machen, die in fast allen deutschen Artikeln fehlt. Diese Zahlen sind brutto. Wenn ein Unternehmen Claude über die Cloud von Amazon oder Google nutzt, zählt Anthropic laut Berichten den vollen Betrag als Umsatz, obwohl ein Teil beim Cloud Partner bleibt. Ob das im S-1 so bleibt, entscheiden die Wirtschaftsprüfer und die SEC. Es ist gut möglich, dass die Zahl im Prospekt deutlich kleiner ausfällt als die Schlagzeilen.

Dazu kommt: Eine Run Rate ist der Umsatz eines guten Monats mal zwölf. Wenn ein einzelner Großkunde in einem Monat viel testet, sieht die Run Rate großartig aus. Der tatsächliche Umsatz im ersten Quartal 2026 lag laut Berichten bei 4,8 Mrd. Dollar. Für das zweite Quartal wurden rund 10,9 Mrd. Dollar Umsatz und ein erster operativer Gewinn von rund 559 Mio. Dollar erwartet.

Der direkte Vergleich

KennzahlAnthropicOpenAI
RechtsformPublic Benefit CorporationPublic Benefit Corporation
Wichtigstes ProduktClaude, Claude CodeChatGPT
Umsatz Run Raterund 65 Mrd. $ (Jul 26)rund 24 Mrd. $ (2 Mrd. $ je Monat)
Umsatzziel 2026k. A.29,4 Mrd. $
Anteil Unternehmen80 bis 85%über 40%
Operative Margeerstmals positiv (Q2 26, erwartet)-122% Q1 26
Letzte Bewertung965 Mrd. $ (Mai 26)852 Mrd. $ (Mär 26)
Wichtigste PartnerAmazon, GoogleMicrosoft, Nvidia, SoftBank
BörsengangNovember 2026 (berichtet)2027 (Finanzchefin)
Quellen: Unternehmensangaben und Berichte von Reuters, CNBC, The Information, Fortune und Financial Times. Alle Umsatz und Margenzahlen sind ungeprüft, weil noch kein öffentlicher Prospekt vorliegt.

Die Bewertung: Was du für die Hoffnung bezahlst

Kurz gesagt: OpenAI wird in vorbörslichen Finanzierungsrunden mit über 150 Milliarden Dollar bewertet, Anthropic mit rund 40 Milliarden Dollar. Bei erwarteten Jahresumsätzen preisen diese Bewertungen mehrjähriges exponentielles Wachstum und massive Free Cashflow Margen ein, die erst noch bewiesen werden müssen.

Jetzt wird es spannend. Ich rechne dir vor, was die berichteten Bewertungen bedeuten, mit ganz einfachen Werkzeugen. Einen Fair Value mit unserem DCF Modell gibt es für beide Firmen nicht, und zwar aus einem einfachen Grund: Es gibt keine geprüften Zahlen. Ein DCF auf Basis von Zeitungsberichten wäre Scheingenauigkeit, und das mache ich nicht.

OpenAI, Anthropic und SpaceX: Bewertungen in Mrd. Dollar05001.0001.5002.000OpenAI Okt 25500OpenAI Mär 26852OpenAI IPO Ziel1.000Anthropic Feb 26380Anthropic Mai 26965Anthropic IPO Ziel2.000SpaceX Tender 20261.770
Bewertung in Mrd. US Dollar. OpenAI Okt 25: Verkauf von Mitarbeiteraktien. Mär 26, Feb 26 und Mai 26: Finanzierungsrunden laut Unternehmensangaben, IPO Ziele laut Berichten von Reuters, CNBC und Financial Times (nicht bestätigt). SpaceX: indikative Tender-Runde von ca. 210 Mrd. Dollar.

Das Kurs Umsatz Verhältnis

Die einfachste Kennzahl ist das Verhältnis von Bewertung zu Umsatz. Bei Anthropic sieht das so aus:

RechnungBewertungUmsatzbasisVielfaches
Series H, Mai 26965 Mrd. $47 Mrd. $ Run Rate20,5
IPO Ziel auf Run Rate Juli2.000 Mrd. $65 Mrd. $ Run Rate30,8
IPO Ziel, falls netto nur 70%2.000 Mrd. $45,5 Mrd. $44,0
OpenAI IPO Ziel1.000 Mrd. $29,4 Mrd. $ Ziel 202634,0
Zum Vergleich: Nvidia5.560 Mrd. $303 Mrd. $ (letzte 12 Monate)18,4
Eigene Berechnung auf Basis der berichteten Werte. Die Zeile netto 70% ist eine reine Annahme zur Veranschaulichung, keine berichtete Zahl.

Siehst du, was passiert? Nvidia, das profitabelste große Technologieunternehmen der Welt mit einer operativen Marge von über 60%, kostet rund das 18fache seines Umsatzes. Anthropic soll beim Börsengang das 31fache kosten, und wenn die Nettozahl im Prospekt kleiner ausfällt, deutlich mehr.

Was der Preis voraussetzt

Rechnen wir einmal rückwärts. Angenommen, Anthropic soll in zehn Jahren wie ein reifes, großes Softwareunternehmen bewertet werden, mit dem 25fachen Gewinn und einer Nettomarge von 25%. Damit sich eine Bewertung von 2 Billionen Dollar in zehn Jahren mit 10% im Jahr verzinst, müsste das Unternehmen dann rund 5,2 Billionen Dollar wert sein. Das ergibt:

  • nötiger Gewinn im Jahr 10: rund 207 Mrd. Dollar
  • nötiger Umsatz im Jahr 10: rund 830 Mrd. Dollar
  • nötiges Wachstum: von 65 auf 830 Mrd. Dollar sind rund 29% im Jahr, zehn Jahre lang

Zum Vergleich: Apple setzt heute gut 400 Mrd. Dollar im Jahr um. Anthropic müsste also in zehn Jahren rund doppelt so viel umsetzen wie Apple heute, und dabei eine Marge wie Microsoft erreichen. Und dabei habe ich die Verwässerung durch neue Aktien für Mitarbeiter noch gar nicht eingerechnet.

Ist das unmöglich? Nein. Wenn KI wirklich einen großen Teil der weltweiten Büroarbeit übernimmt, reden wir über einen Markt von vielen Billionen Dollar. Aber du musst wissen, dass du beim Börsengang nicht das heutige Unternehmen kaufst, sondern das Unternehmen von 2036, und zwar schon heute zum vollen Preis.

Mein Rechner für dich: Du kannst diese Rechnung mit deinen eigenen Annahmen machen. In unserem DCF Rechner stellst du Umsatz, Wachstum, Marge und Kapitalkosten ein und siehst sofort, welcher Wert herauskommt und welches Wachstum der Preis voraussetzt.

Was im S-1 stehen wird und worauf du achten musst

Der S-1 ist der Wertpapierprospekt, den jedes Unternehmen vor einem Börsengang in den USA veröffentlichen muss. Er ist oft 300 Seiten und mehr lang, und er ist das einzige Dokument, in dem ein Unternehmen unter Haftung die Wahrheit sagen muss. Alles davor, jede Run Rate und jeder Bericht, ist Marketing oder Hörensagen.

Da die Prospekte von Anthropic und OpenAI noch nicht öffentlich sind, zeige ich dir am verifizierten SEC-Beispiel von Arm Holdings, wie so ein Prospekt aufgebaut ist, und gebe dir danach meine Checkliste für die beiden KI Firmen.

Das Beispiel Arm Holdings: Was ein echter Tech-Börsengang verrät

Arm Holdings reichte seine Registrierungserklärung (Form F-1) im August 2023 bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Vorher kannte die Öffentlichkeit nur Schätzungen des Haupteigentümers SoftBank. Danach lag alles offen: Arm erzielte im vorangegangenen Geschäftsjahr 2,68 Mrd. Dollar Umsatz und einen Nettogewinn von 524 Mio. Dollar. SoftBank behielt über 90 Prozent der Anteile. Und die Haltefrist für Altaktionäre (Lock-up) war auf 180 Tage festgeschrieben. Wer den Prospekt las, wusste genau, welche Lizenzgebühren und Architektur-Rechte den Cashflow stützen.

Genau solche Details bewegen später den Kurs. Wer den Prospekt gelesen hatte, wusste, dass nach den ersten Quartalszahlen zusätzliche Aktien auf den Markt kommen können.

Meine Checkliste für den Anthropic und den OpenAI Prospekt

Kapitel im S-1Worauf ich achteWarum es zählt
Umsatz und UmsatzrealisierungBrutto oder netto bei Cloud PartnernEntscheidet, ob die Run Rate echt ist
BruttomargeKosten für Rechenleistung je Dollar UmsatzZeigt, ob das Modell skaliert
Vertragliche VerpflichtungenZusagen für Rechenzentren und ChipsBei OpenAI laut Berichten hunderte Mrd. $
Aktienbasierte VergütungKosten und Verwässerung je JahrMitarbeiter halten große Pakete
Aktienklassen und StimmrechteWer entscheidet wirklichMitgründer, Stiftung, Trust
Nahestehende ParteienVerträge mit Amazon, Google, MicrosoftGroßaktionäre sind zugleich Lieferanten
KundenkonzentrationAnteil der größten Kunden am UmsatzEin Kunde weniger kann weh tun
RisikofaktorenKlagen zum Urheberrecht, RegulierungMögliche Milliardenkosten
Verwendung des ErlösesWofür das Geld fließtFast sicher: Rechenleistung
Lock upWann Altaktionäre verkaufen dürfenTermine für Kursdruck
Eigene Checkliste von usaktienhub.de auf Basis der Pflichtangaben im Formular S-1 der SEC.

Die besondere Frage der Kontrolle

Bei beiden Firmen ist die Frage, wer eigentlich entscheidet, komplizierter als bei jedem normalen Börsengang.

OpenAI wurde als gemeinnützige Organisation gegründet. Nach dem Umbau ist das operative Geschäft heute die OpenAI Group PBC, eine Public Benefit Corporation, also ein gewinnorientiertes Unternehmen, das zusätzlich einem Gemeinwohlzweck verpflichtet ist. Die gemeinnützige OpenAI Foundation hält rund 26% der Anteile und hat das Recht, den Aufsichtsrat zu besetzen. Microsoft hält voll verwässert rund 27% und bleibt bis 2032 der wichtigste Cloud Partner.

Anthropic ist ebenfalls eine Public Benefit Corporation. Dazu kommt der Long Term Benefit Trust, ein unabhängiges Gremium, das nach und nach einen Teil des Aufsichtsrats bestimmt. Und laut Reuters sollen die Mitgründer nach dem Börsengang über eine eigene Aktienklasse die Stimmrechtsmehrheit behalten.

Was heißt das für dich? Du wirst als Aktionär bei beiden Firmen wenig zu sagen haben. Das ist bei Meta oder Alphabet nicht anders und kein Grund, nicht zu investieren. Aber du musst wissen, dass das Management im Zweifel Sicherheit oder Gemeinwohl vor deine Rendite stellen darf. Bei einer Public Benefit Corporation ist das sogar ausdrücklich erlaubt.

Die Risiken, über die kaum jemand spricht

Ich bin ein großer Fan von Claude, und ich nutze es jeden Tag. Aber als Anleger musst du die Risiken kennen, bevor du Geld einsetzt.

1. Der Preis der Rechenleistung. Beide Firmen müssen jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge in Rechenzentren stecken. Anthropic hat große Verträge mit Amazon, Google und Broadcom. OpenAI hat laut Berichten Zusagen in Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar gemacht. Wenn das Wachstum nur kurz stockt, bleiben diese Kosten.

2. Der Preiskampf. Jedes neue Modell von Google, Meta oder den chinesischen Anbietern drückt die Preise für KI Leistung. Was heute pro Million Wörter einen Dollar kostet, kostet in einem Jahr vielleicht zehn Cent. Wachstum bei der Menge muss den Preisverfall mehr als ausgleichen.

3. Recht und Regulierung. Gegen OpenAI laufen Klagen zum Urheberrecht, im Juni 2026 haben laut Berichten 42 US Bundesstaaten Untersuchungen eingeleitet, dazu kommt eine kartellrechtliche Prüfung der Beziehung zu Microsoft. Die Klage von Elon Musk gegen OpenAI hat eine Jury im Mai 2026 abgewiesen. Auch Anthropic hat Klagen zum Urheberrecht hinter sich.

4. Die Erwartungen. Ein Unternehmen mit dem 30fachen Umsatz als Bewertung darf sich keinen schwachen Quartalsbericht leisten. Denk an Facebook 2012: Die Aktie kam zu 38 Dollar an die Börse, fiel in den Monaten danach um mehr als die Hälfte und brauchte über ein Jahr, um den Ausgabepreis wieder zu erreichen. Das Unternehmen war trotzdem großartig. Nur der Einstiegspreis war es nicht.

5. Das Angebot an neuen Aktien. Wenn Anthropic und OpenAI an die Börse drängen und SpaceX als privater Gigant (über 200 Mrd. $ Sekundärmarktbewertung) den Raumfahrtsektor dominiert, müssen die Märkte in wenigen Monaten mehrere hundert Milliarden Dollar an neuen Aktien aufnehmen. Dazu kommen die Termine, an denen Mitarbeiter verkaufen dürfen. Das kann auf die Kurse drücken, auch wenn die Geschäfte laufen.

So kommst du als deutscher Anleger an die Aktien

Kurz gesagt: Eine direkte Zuteilung im US Konsortium ist für europäische Privatanleger meist nicht möglich. Der Einstieg erfolgt nach dem offiziellen Handelsstart an der NYSE oder Nasdaq über voll angebundene Broker. Wegen hoher Volatilität am ersten Handelstag empfiehlt sich eine Limit Order mit deutlicher Wartezeit.

Jetzt kommt der Teil, wegen dem die meisten von euch diesen Artikel lesen. Ich erkläre dir die drei Wege, die es gibt, und zeige dir ganz offen, was davon für normale Anleger realistisch ist.

Anleger zeichnet eine Neuemission in einer Broker App am Smartphone
Zeichnen heißt nicht kaufen: Du meldest nur dein Kaufinteresse an, die Zuteilung entscheidet später.

Weg 1: Zeichnen über deinen Broker

Zeichnen bedeutet, dass du vor dem ersten Handelstag dein Kaufinteresse zum Ausgabepreis anmeldest (welche Plattformen solche Zuteilungen unterstützen, vergleichen wir in unserem Broker Vergleich für US Aktien). Bei großen US Börsengängen war das für deutsche Privatanleger lange praktisch unmöglich. Jüngste Tech-Börsengänge zeigen den Trend zur breiten Privatanleger-Beteiligung: Nach anfänglichen Diskussionen über bis zu 30% wurde laut Reuters und finaler Zuteilung eine Retail Tranche von rund 20% (rund 15 Mrd. Dollar des 75 Mrd. Dollar Gesamtvolumens) für Privatanleger reserviert. In der EU lief der Zugang über kooperierende Depotbanken, da reine US Prospekte nicht automatisch EU prospektkonform sind.

Bei Neuemissionen bieten deutsche Broker unterschiedliche Zeichnungswege an:

BrokerZeichnung bei US-IPOsHinweis
Trade Republicja, direkt in der Apperstes IPO Angebot überhaupt, 1 € Gebühr
INGjaim Bereich Neuemissionen
comdirectjaim Bereich Neuemissionen
flatexjalaut Fundresearch
DEGIROjalaut Fundresearch und finanzwissen.de
Deutsche Bankjalaut PC Welt und Finanztip
Scalable CapitalwidersprüchlichFinanztip nennt ja, finanzwissen.de nein
Bitpandaneinerst ab dem ersten Handelstag
Quellen: ntv (09.06.26), finanzwissen.de (09.06.26), finanztip.de (10.06.26), fundresearch.de (08.06.26), pcwelt.de (08.06.26), Börse Online (10.06.26). Angebote können sich je Börsengang ändern. Für Anthropic und OpenAI hat bisher kein Broker eine Zeichnung bestätigt.

Wichtig: Dass ein Broker bei einem früheren Börsengang dabei war, heißt nicht automatisch, dass er auch bei Anthropic oder OpenAI Kontingente erhält. Welche Banken Privatanleger im Ausland bedienen, entscheidet das Konsortium bei jedem Börsengang neu. Ich würde aber davon ausgehen, dass Trade Republic als größter Neobroker mit rund 10 Mio. Kunden alles tun wird, um wieder dabei zu sein.

So läuft die Zeichnung typischerweise ab:

  • Depot vorbereiten: Konto eröffnen und verifizieren. Das kann ein paar Tage dauern, also nicht bis zum letzten Tag warten.
  • Geld einzahlen: Der Broker sperrt den gezeichneten Betrag auf deinem Verrechnungskonto.
  • Zeichnen: Während der Frist gibst du den Betrag ein und bestätigst. Bei SpaceX lief die Frist bei Trade Republic vom 05.06. bis 10.06. um 18 Uhr.
  • Preis und Zuteilung: Nach der Preisfestsetzung erfährst du, wie viele Aktien du bekommen hast. Der Rest des Geldes wird wieder frei.
  • Einbuchung: Die Aktien landen im Depot, bei internationalen Zuteilungen teils erst kurz vor oder am ersten Handelstag.

Die unbequeme Wahrheit über die Zuteilung

Bei SpaceX summierten sich die Orders der Privatanleger laut Merkur auf über 100 Mrd. Dollar, das Kontingent lag bei gut 20 Mrd. Dollar. Rechnerisch bekam also jeder im Schnitt nur rund ein Fünftel dessen, was er gezeichnet hatte. Viele gingen ganz leer aus.

Das ist so, als würdest du bei einem Konzert zehn Karten bestellen und zwei bekommen. Wenn du 2.000 Euro zeichnest, landen bei einer Quote von 20% am Ende vielleicht 400 Euro in Aktien in deinem Depot. Der große Gewinn am ersten Tag, falls es ihn gibt, fällt dann auch nur auf diese 400 Euro an.

Bei SpaceX lag der Ausgabepreis bei 135 Dollar, der erste Kurs bei 150 Dollar und der Schlusskurs am ersten Tag bei rund 161 Dollar, also +19%. Am 28.09.26 notierte die Aktie bei 145,49 Dollar. Wer zum Ausgabepreis bekommen hat, liegt vorne. Wer am ersten Tag zum Schlusskurs gekauft hat, liegt heute rund 10% hinten.

Rechne es selbst durch: Mit unserem IPO Zeichnungsrechner gibst du Betrag, Ausgabepreis, Zuteilungsquote und einen Kurs für den ersten Tag ein und siehst sofort in Euro, was bei dir hängen bleibt, im Vergleich zum Kauf am ersten Handelstag.

Die Falle mit der Einbuchung

Ein Punkt, den viele bei SpaceX erst hinterher verstanden haben: Laut Prospekt sollten die Aktien erst um den 15.06.26 an die beteiligten Banken geliefert werden, der erste Handelstag war aber schon der 12.06.26. Wer zugeteilt bekam, konnte seine Aktien am ersten Tag also nicht verkaufen. Wer auf den schnellen Gewinn am ersten Tag gesetzt hatte, musste zusehen, wie der Kurs von über 176 Dollar im Tageshoch wieder fiel.

Rechne also nicht mit einem schnellen Verkauf am ersten Tag. Zeichne nur, wenn du die Aktie auch ein paar Wochen oder länger halten willst.

Weg 2: Kauf ab dem ersten Handelstag

Das ist der Weg, den jeder gehen kann. Sobald die Aktie an der Nasdaq notiert, kannst du sie wie jede andere US Aktie bei deinem Broker kaufen (wie Kauf und Steuern praktisch funktionieren, erklären wir in unserem Leitfaden US Aktien kaufen in Deutschland), bei Trade Republic, Scalable, comdirect, ING, flatex oder Smartbroker. Der Handel in New York beginnt um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Bei Börsengängen startet der erste Kurs aber oft erst Stunden später, weil die Nasdaq erst die Orders sammelt.

Drei Regeln, die ich dir für den ersten Handelstag mitgebe:

  • Immer mit Limit. Eine Kauforder ohne Limit am ersten Tag ist wie ein Blankoscheck. Wenn der Kurs in den ersten Minuten springt, kaufst du zum Höchstkurs.
  • Lieber an der Heimatbörse in den USA. An deutschen Handelsplätzen sind die Spannen zwischen Kauf und Verkauf am ersten Tag oft deutlich größer.
  • Nicht alles auf einmal. Die ersten Wochen nach großen Börsengängen sind fast immer sehr schwankend. Kaufen in zwei oder drei Teilen über einige Wochen nimmt dir den Druck, den perfekten Moment zu erwischen.

Weg 3: Indirekt schon heute

Wenn du nicht warten willst, gibt es einen Weg, schon heute an Anthropic und OpenAI beteiligt zu sein, ganz legal und über jede Börse: über ihre großen Aktionäre oder breit gestreut über führende Tech Indizes (siehe dazu unsere Vergleiche Bester Nasdaq 100 ETF und Bester S&P 500 ETF).

AktieVerbindungWie groß ist der Effekt
Microsoftrund 27% an OpenAI, Cloud Partner bis 2032spürbar, aber Microsoft ist viel mehr als OpenAI
Amazoneiner der größten Aktionäre von Anthropic, Cloud Partnergering im Verhältnis zum Konzern
Alphabetgroßer Aktionär von Anthropic, Cloud und Chip Partnergering im Verhältnis zum Konzern
Nvidia30 Mrd. $ Investition in OpenAI, Chiplieferant für alleindirekt über die Nachfrage nach Chips
SoftBankgroßer Investor bei OpenAIstark, aber japanische Aktie mit eigenen Risiken
Quellen: Unternehmensangaben und Berichte. Genaue Anteile von Amazon und Alphabet an Anthropic sind nicht öffentlich bestätigt.

Meiner Meinung nach ist das kein Ersatz für eine echte Anthropic Aktie. Wenn Anthropic morgen doppelt so viel wert ist, steigt Amazon deswegen nicht um 20%. Aber du kaufst die Nutznießer des KI Booms zu Bewertungen, die weit unter dem 30fachen Umsatz liegen.

Vorsicht vor falschen Anthropic und OpenAI Aktien

Dieser Teil ist mir persönlich wichtig. Jeder große Börsengang lockt Betrüger an, und bei Anthropic und OpenAI ist es besonders schlimm.

Du findest auf deutschen Finanzportalen schon heute Kursseiten für Anthropic, mit Kennungen wie NETANTHRO000 bei finanzen.net oder WSOANTHRO000 bei wallstreet online. Das sind reine Platzhalter. Dahinter steht keine Aktie, du kannst dort nichts kaufen.

Anthropic hat ausdrücklich erklärt, dass Übertragungen von Anteilen über nicht genehmigte Plattformen ungültig sind. Selbst die Handelsplätze für vorbörsliche Anteile wie Forge Global oder Hiive sind nur für sehr vermögende oder professionelle Anleger zugelassen, in den USA ab rund 1 Mio. Dollar Vermögen oder 200.000 Dollar Jahreseinkommen.

Wenn dir jemand am Telefon, über Instagram, Telegram oder per WhatsApp Anthropic Aktien vor dem Börsengang oder OpenAI Token anbietet, dann leg auf. Es gibt in diesem Moment keinen legalen Weg für einen normalen Anleger in Deutschland oder Österreich, diese Anteile zu kaufen.

Steuern und Währung: Was bei dir ankommt

Sobald du die Aktie im Depot hast, ist sie steuerlich eine ganz normale US Aktie.

In Deutschland zahlst du auf Kursgewinne 25% Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375%, eventuell plus Kirchensteuer. Dein Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro, bei Paaren 2.000 Euro, wird automatisch berücksichtigt. In Österreich sind es 27,5% KESt. Dividenden werden beide Firmen auf absehbare Zeit nicht zahlen, damit spielt auch die US Quellensteuer erst einmal keine Rolle. Das Formular W-8BEN solltest du bei deinem Broker trotzdem hinterlegt haben. Wie das geht, erkläre ich in unserer Anleitung zur US Quellensteuer und zum W-8BEN.

Nicht vergessen: Du kaufst eine Aktie in Dollar. Wenn der Euro gegenüber dem Dollar um 10% steigt, verlierst du in Euro gerechnet 10%, auch wenn die Aktie in Dollar keinen Cent fällt. Aktuell steht der Euro laut EZB bei rund 1,14 Dollar.

Mein Fazit: Zeichnen oder abwarten?

Ich fasse zusammen, wie ich das Ganze sehe, und ich sage dir auch, was ich persönlich tun werde.

Anthropic ist für mich das spannendere Unternehmen der beiden. Das Wachstum ist beispiellos, das Geschäft mit Unternehmen ist stabiler als das mit Privatkunden, und die Firma scheint als erste die Gewinnschwelle zu erreichen. Der Haken ist der Preis. Bei rund 2 Billionen Dollar setzt die Bewertung voraus, dass Anthropic eines der größten und profitabelsten Unternehmen der Welt wird. Alles muss aufgehen.

OpenAI hat die stärkste Marke der Welt im Bereich KI, aber auch die schwächsten Zahlen. Bis 2027 fließt noch viel Wasser den Rhein hinunter, und ich will den Prospekt sehen, bevor ich eine Meinung zur Bewertung habe.

Was ich tun werde: Ich lese den S-1 von Anthropic, sobald er erscheint, und rechne die Bewertung mit echten Zahlen neu. Wenn mein Broker eine Zeichnung anbietet, zeichne ich einen kleinen Betrag, den ich auch dann nicht vermisse, wenn die Aktie ein Jahr lang unter dem Ausgabepreis liegt. Einen großen Teil meines Depots werde ich nicht in einen Börsengang mit dem 30fachen Umsatz stecken, egal wie gut die Geschichte ist.

Und du? Wenn du unsicher bist, frag dich eine einzige Sache: Würde ich diese Aktie auch kaufen, wenn sie seit fünf Jahren an der Börse wäre und genau so viel kosten würde? Wenn die Antwort nein ist, dann ist es der Hype, der dich treibt, nicht die Analyse.

Keine Anlageberatung: Dieser Artikel ist eine journalistische Einordnung auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen. Alle Zahlen zu Anthropic und OpenAI sind ungeprüft, solange kein öffentlicher Prospekt vorliegt. Ich halte keine Anteile an Anthropic oder OpenAI.

Häufige Fragen zum Anthropic und OpenAI Börsengang

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Wann geht Anthropic an die Börse?

Einen offiziellen Termin gibt es nicht. Anthropic hat am 01.06.26 vertraulich einen S-1 Entwurf bei der SEC eingereicht. Laut Wall Street Journal peilt das Unternehmen einen Börsengang im November 2026 an, laut Bloomberg an der Nasdaq. Der sicherste Hinweis ist der öffentliche S-1: Er muss mindestens 15 Tage vor der Roadshow erscheinen.

Wann geht OpenAI an die Börse?

OpenAI hat im Mai 2026 vertraulich einen S-1 Entwurf eingereicht. Finanzchefin Sarah Friar sagte laut Berichten am 19.08.26, OpenAI werde 2027 ein börsennotiertes Unternehmen sein, eventuell früher. Ein konkretes Datum gibt es nicht.

Kann ich Anthropic Aktien in Deutschland zeichnen?

Das ist noch nicht entschieden. Beim SpaceX Börsengang im Juni 2026 konnten deutsche Anleger unter anderem über Trade Republic, ING, comdirect, flatex, DEGIRO und die Deutsche Bank zeichnen. Ob Anthropic einen ähnlichen Zugang ermöglicht, hat bisher weder das Unternehmen noch ein Broker bestätigt.

Kann ich heute schon OpenAI Aktien oder Anthropic Aktien kaufen?

Nein. Beide Firmen sind privat. Kursseiten auf Finanzportalen sind reine Platzhalter. Vorbörsliche Anteile sind nur für professionelle oder sehr vermögende Anleger zugänglich, und Anthropic hat Übertragungen über nicht genehmigte Plattformen für ungültig erklärt. Angebote per Telefon oder Messenger sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrug.

Wie viel ist Anthropic wert?

Bei der letzten Finanzierungsrunde im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Mrd. Dollar bewertet. Für den Börsengang berichtete CNBC über ein Ziel von rund 2 Billionen Dollar. Auf den hochgerechneten Jahresumsatz von rund 65 Mrd. Dollar wäre das rund das 31fache.

Was ist ein S-1?

Der S-1 ist der Wertpapierprospekt, den ein Unternehmen vor einem Börsengang in den USA bei der SEC einreichen muss. Er enthält geprüfte Finanzzahlen, Risiken, die Aktienstruktur, die Verwendung des Erlöses und die Haltefristen für Altaktionäre. Ein vertraulicher Entwurf ist für die Öffentlichkeit nicht einsehbar.

Bekomme ich beim Zeichnen alle Aktien, die ich bestelle?

Nein, bei stark nachgefragten Börsengängen fast nie. Bei SpaceX lagen die Orders der Privatanleger bei über 100 Mrd. Dollar, das Kontingent bei gut 20 Mrd. Dollar. Im Schnitt wurde also nur rund ein Fünftel zugeteilt, viele gingen leer aus.

Welche Aktien profitieren indirekt vom Börsengang?

Microsoft hält rund 27% an OpenAI. Amazon und Alphabet gehören zu den größten Aktionären von Anthropic. Nvidia hat 30 Mrd. Dollar in OpenAI investiert und liefert Chips an beide. Der Effekt auf diese Konzerne ist aber im Verhältnis zu ihrer Größe begrenzt.

Quellen

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