Kaum eine Branche an den globalen Finanzmärkten polarisiert Anleger so stark wie der traditionelle Öl und Gassektor. Während Skeptiker seit Jahren das unausweichliche Ende des fossilen Zeitalters heraufbeschwören, zeichnet die weltweite Realität ein völlig anderes Bild: Der weltweite Primärenergiebedarf wächst unaufhaltsam. Flugzeuge, Containerschiffe, Schwerlasttransporte, die chemische Industrie und nicht zuletzt der gigantische Stromhunger moderner Rechenzentren für Künstliche Intelligenz lassen den globalen Erdölverbrauch auf neue Rekordstände klettern.
Doch die heutigen US Energieriesen haben mit den verschwenderischen Konzernen vergangener Dekaden kaum noch etwas gemeinsam. Vorbei sind die Zeiten, in denen Vorstände bei hohen Ölpreisen blindlings unrentable Bohrprojekte finanzierten und bei jedem Preisverfall um ihr Überleben kämpfen mussten. Heute regiert an der Wall Street eiserne Kapitaldisziplin. Durch revolutionäre Fracking Effizienz im Permian Basin, gigantische Megafusionen und strikte Kostensenkungen arbeiten die führenden US Produzenten selbst bei einem Rohölpreis von unter 40 Dollar pro Barrel hochprofitabel. Das Ergebnis sind gewaltige freie Cashflows, die über saftige Dividenden und massive Aktienrückkäufe direkt an uns Aktionäre fließen.
1. ExxonMobil (XOM): Die unangefochtene westliche Supermacht. Durch die 60 Milliarden Dollar Übernahme von Pioneer Natural Resources dominiert Exxon das Permian Basin. Über 36 Milliarden Dollar freier Cashflow und seit 42 Jahren verlässlicher Dividendenaristokrat.
2. Chevron Corp. (CVX): Der integrierte Rivale mit Spitzenpositionen in der Tiefsee von Guyana (über die Hess Akquisition) und dem Tengiz Megaprojekt. Seit 39 Jahren Dividendenaristokrat mit über 4,2 Prozent Rendite.
3. ConocoPhillips (COP): Der weltweit größte reine Förderkonzern (Exploration & Production). Nach dem Zukauf von Marathon Oil glänzt Conoco mit den branchenweit tiefsten Förderkosten von unter 32 Dollar pro Barrel und einem flexiblen dreistufigen Ausschüttungsmodell.
4. Occidental Petroleum (OXY): Warren Buffetts Lieblingsenergieaktie mit rund 29 Prozent Beteiligung von Berkshire Hathaway. Durch die CrownRock Übernahme eine Permian Cashflow Maschine mit technologischer Spitzenstellung bei direkter CO2 Abscheidung (Direct Air Capture).
Inhaltsverzeichnis: US Öl und Energie im Härtetest
- 1. Warum Energieaktien der beste Schutz vor Inflation und Geopolitik sind
- 2. ExxonMobil: Die 345 Milliarden Dollar Cashflow Festung
- 3. Chevron: Guyana Tiefsee Schätze und 4,2 Prozent Dividendenrendite
- 4. ConocoPhillips: Das reinrassige E&P Effizienzwunder
- 5. Occidental Petroleum: Warren Buffetts Cashflow Wette
- 6. Große Kennzahlenmatrix: Förderung, Break Even und FCF 2026
- 7. So prüfe ich das: Die 5 Moat Kriterien für Öl und Gasaktien
- 8. Risiken, OPEC Politik, W8BEN und Quellensteuer
- 9. Fazit: Welcher Energieriese gehört in dein Depot?
- 10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Warum Energieaktien der beste Schutz vor Inflation und Geopolitik sind
Wer sein Depot gegen die ungemütlichen Phasen an den Kapitalmärkten absichern will, kommt an einer Beimischung von US Energieaktien kaum vorbei. Warum? Weil Erdöl und Erdgas die ultimative Ursache für viele Inflationsschübe sind. Wenn Spannungen im Nahen Osten die Versorgungsrouten über die Straße von Hormus bedrohen oder die Förderquoten der OPEC gekürzt werden, explodieren die Rohstoffpreise.
Für die meisten Unternehmen bedeutet das steigende Transport und Produktionskosten sowie schrumpfende Gewinnspannen. Für Eigentümer von ExxonMobil, Chevron oder ConocoPhillips bedeutet es genau das Gegenteil: Ein wahrer Geldregen im freien Cashflow. Jeder zusätzliche Dollar beim Ölpreis fließt nach Deckung der fixen Betriebskosten nahezu eins zu eins in den operativen Gewinn.
Hinzu kommt die fundamentale Neuordnung der globalen Energiemärkte: Europa hat seine Abhängigkeit von russischem Pipelinegas weitgehend durch verflüssigtes Erdgas (LNG) aus den Vereinigten Staaten ersetzt. Die US Förderer sitzen damit an den weltweit günstigsten Gasfeldern und verkaufen ihre Moleküle mit gewaltigen Arbitragegewinnen nach Übersee. Energieaktien sind damit nicht nur eine Absicherung gegen Rohstoffkrisen, sondern hochgradig profitable Qualitätsinvestments mit solidem Dividendenwachstum.
2. ExxonMobil: Die 345 Milliarden Dollar Cashflow Festung
ExxonMobil ist das globale Flaggschiff der westlichen Energiewirtschaft. Entstanden aus der historischen Standard Oil von John D. Rockefeller, hat sich Exxon über Jahrzehnte den Ruf einer unverwüstlichen Finanzfestung erarbeitet. Mit einem Kreditrating von AA und 42 aufeinanderfolgenden Jahren an Dividendenerhöhungen gehört ExxonMobil zum exklusiven Kreis der Dividendenaristokraten an der New York Stock Exchange.
Der wohl wichtigste strategische Meilenstein der jüngeren Geschichte war die Übernahme von Pioneer Natural Resources für rund 60 Milliarden Dollar. Durch diesen Coup hat Exxon seine Spitzenposition im Permian Basin zementiert: Der Konzern kontrolliert nun über 1,4 Millionen Hektar erstklassiges Fracking Areal in Texas und New Mexico. Exxon fördert dort mittlerweile mehr als 1,3 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag, mit dem klaren Ziel, bis 2027 auf 2 Millionen Barrel zu skalieren.
Das Geniale an ExxonMobil ist das vollständig integrierte Modell: Neben der lukrativen Förderung (Upstream) besitzt das Unternehmen gigantische Raffinerien und Chemiewerke an der US Golfküste (Downstream). Wenn der Rohölpreis einmal sinkt, profitieren die Raffinerien von billigen Rohstoffen und höheren Verarbeitungsmargen. Mit einem jährlichen Free Cashflow von über 36 Milliarden Dollar finanziert Exxon mühelos seine Ausschüttungen und kauft jährlich eigene Aktien im Wert von rund 20 Milliarden Dollar zurück.
3. Chevron: Guyana Tiefsee Schätze und 4,2 Prozent Dividendenrendite
Chevron ist der ewige, hochrespektierte Rivale von ExxonMobil. Doch während Exxon die schiere Größenvorteile im Permian Basin ausspielt, punktet Chevron mit außergewöhnlicher geografischer Diversifikation und herausragenden Tiefsee Assets. Mit 39 Jahren ununterbrochener Dividendenerhöhungen steht auch Chevron felsenfest als Dividendenaristokrat da und lockt aktuell mit einer besonders attraktiven Dividendenrendite von rund 4,2 Prozent.
Im Zentrum der Wachstumsstrategie steht die geplante Integration von Hess Corporation. Damit sichert sich Chevron einen Anteil von 30 Prozent am legendären Stabroek Block vor der Küste von Guyana. Dieses Offshore Vorkommen gilt unter Geologen als der bedeutendste globale Erdölfund der letzten zwei Jahrzehnte mit mehr als 11 Milliarden Barrel förderbaren Reserven und extrem niedrigen Förderkosten von unter 35 Dollar pro Barrel.
Zusätzlich steht Chevron kurz vor der Fertigstellung des milliardenschweren Tengiz Expansionsprojekts (FGP WP) in Kasachstan, das dem Konzern ab 2026 einen massiven zusätzlichen Cashflow Schub verleiht. Chevron glänzt mit einer nahezu schuldenfreien Bilanz und einer Nettoverschuldung von unter 12 Prozent des Eigenkapitals. Für dividendenorientierte Anleger, die über vier Prozent laufende Verzinsung bei erstklassiger Bonität suchen, ist Chevron eine Spitzenwahl.
4. ConocoPhillips: Das reinrassige E&P Effizienzwunder
ConocoPhillips geht einen völlig anderen Weg als Exxon und Chevron. Im Jahr 2012 spaltete der Konzern sein gesamtes Tankstellen und Raffineriegeschäft als eigenständiges Unternehmen Phillips 66 ab. Seitdem ist ConocoPhillips ein reiner Upstream Spezialist, also voll auf die Exploration und Förderung von Rohöl, Kondensaten und Erdgas fokussiert.
Durch die jüngste Übernahme von Marathon Oil für über 22 Milliarden Dollar hat CEO Ryan Lance das Förderportfolio noch einmal radikal verdichtet. ConocoPhillips besitzt die branchenweit niedrigsten durchschnittlichen Break Even Kosten: Das gesamte Portfolio wirft bereits ab einem Ölpreis von unter 32 Dollar pro Barrel Brent Free Cashflow ab. Steigt der Ölpreis auf 75 bis 85 Dollar, verwandelt sich Conoco in eine ungebremste Cashflow Rakete.
Besonders innovativ ist die Ausschüttungspolitik: Conoco zahlt eine verlässliche Basisdividende, stockt diese bei hohen Ölpreisen über eine variable Sonderdividende (VROC) auf und leitet überschüssiges Kapital in aggressive Aktienrückkäufe. Das Management hat sich verpflichtet, mindestens 40 bis 50 Prozent des gesamten operativen Cashflows direkt an die Aktionäre zurückzugeben. Wer maximale Hebelwirkung auf steigende Energiepreise bei gleichzeitig tiefster Kostenbasis sucht, findet in ConocoPhillips den idealen Partner.
5. Occidental Petroleum: Warren Buffetts Cashflow Wette
Occidental Petroleum (OXY) ist der absolute Liebling von Investmentlegende Warren Buffett. Berkshire Hathaway hat seinen Anteil an Occidental in den vergangenen Quartalen schrittweise auf fast 29 Prozent ausgebaut und hält die behördliche Genehmigung, den Anteil auf bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Was sieht das Orakel von Omaha in diesem texanischen Energiekonzern?
Zum einen die visionäre Führung von CEO Vicki Hollub. Nach der historischen Anadarko Übernahme hat Occidental mit dem 12 Milliarden Dollar Zukauf von CrownRock im lukrativen Midland Basin nachgelegt. Occidental besitzt die dichteste und qualitativ hochwertigste Schieferölfläche im gesamten Permian Basin. Zwar lastet durch die Deals eine spürbare Schuldenlast auf der Bilanz, doch das Management nutzt jeden Cent des freien Cashflows für einen aggressiven Schuldenabbau.
Zum anderen besitzt Occidental eine technologische Sonderstellung: Über die Tochtergesellschaft 1PointFive ist OXY der weltweite Pionier bei Direct Air Capture (DAC). Mit Großanlagen wie Stratos in Texas filtert Occidental Kohlendioxid direkt aus der Atmosphäre und verpresst es unterirdisch oder nutzt es zur tertiären Ölförderung. Das sichert dem Konzern lukrative Verträge mit Tech Giganten und Luftfahrtkonzernen für CO2 Zertifikate. Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei rund 1,8 Prozent, birgt nach erfolgreicher Entschuldung aber enormes Steigerungspotenzial.
6. Große Kennzahlenmatrix: Förderung, Break Even und FCF 2026
Um die operative Ertragskraft und Substanz der vier Energieriesen transparent gegenüberzustellen, werfen wir einen detaillierten Blick in die jüngsten SEC Berichte und Prognosen für das Geschäftsjahr 2026:
| Kennzahl / Metrik | ExxonMobil (XOM) | Chevron Corp. (CVX) | ConocoPhillips (COP) | Occidental (OXY) |
|---|---|---|---|---|
| Marktkapitalisierung | ~515 Mrd. $ | ~285 Mrd. $ | ~135 Mrd. $ | ~52 Mrd. $ |
| Jahresumsatz (TTM) | ~345 Mrd. $ | ~198 Mrd. $ | ~58,2 Mrd. $ | ~27,1 Mrd. $ |
| Tagesförderung (BOE/d) | ~4,4 Mio. | ~3,3 Mio. | ~2,3 Mio. | ~1,4 Mio. |
| Portfolio Break Even | ~35 $/bbl | ~40 $/bbl | <32 $/bbl | ~38 $/bbl |
| Free Cashflow (TTM) | ~36,1 Mrd. $ | ~15,3 Mrd. $ | ~11,4 Mrd. $ | ~5,5 Mrd. $ |
| Dividendenrendite | ~3,3 % | ~4,2 % | ~3,4 % | ~1,8 % |
| Dividendenhistorie | 42 Jahre (Aristokrat) | 39 Jahre (Aristokrat) | Flexibel (Basis + VROC) | Fokus Schuldenabbau |
| KGV (erwartet 2026) | ~13,8x | ~12,4x | ~11,8x | ~12,9x |
| Kreditrating (S&P) | AA | AA- | A | BBB+ |
7. So prüfe ich das: Die 5 Moat Kriterien für Öl und Gasaktien
Rohstoffaktien verzeihen keine Nachlässigkeit bei der Fundamentalanalyse. Wer blind die Aktie mit der höchsten optischen Dividendenrendite kauft, läuft Gefahr, bei einer Ölpreiskorrektur eine schmerzhafte Dividendenkürzung zu erleiden. Ich prüfe US Energieaktien daher anhand von fünf festen Kriterien:
1. Portfolio Break Even unter 40 Dollar pro Barrel:
Ein erstklassiges Energieunternehmen muss in der Lage sein, seine gesamten operativen Betriebskosten, Zinsen und die Basisdividende bei einem WTI Ölpreis von 40 Dollar aus dem laufenden Cashflow zu decken. Exxon, Chevron und Conoco erfüllen diese Hürde mühelos.
2. Erstklassiges Flächenmonopol im Permian Basin:
Das Permian Basin in Texas und New Mexico ist das produktivste Schieferölbecken der Erde. Unternehmen mit zusammenhängenden Flächen können horizontale Bohrungen von über drei Meilen Länge durchführen. Das senkt die Kosten pro gefördertem Barrel dramatisch.
3. Strikte Kapitaldisziplin bei Fusionen:
Werden Übernahmen wie Pioneer (Exxon), Hess (Chevron) oder CrownRock (Occidental) größtenteils über eigene Aktien oder solide finanzierte Barmittel abgewickelt, ohne die Bilanz mit toxischen Schulden zu überlasten?
4. Shareholder Return Quote von mindestens 40 Prozent:
Vorstände dürfen freie Cashflows nicht mehr in Prestigeobjekte verschwenden. Ich erwarte, dass mindestens 40 bis 50 Prozent des operativen Cashflows verlässlich über Dividenden und Aktienrückkäufe an uns Aktionäre ausgeschüttet werden.
5. Mindestens A Rating oder entschlossener Entschuldungsplan:
Da Rohstoffpreise volatil sind, ist eine krisenfeste Bilanz überlebenswichtig. ExxonMobil (AA) und Chevron (AA-) gehören zu den am besten bewerteten Industrieunternehmen der Welt.
8. Risiken, OPEC Politik, W8BEN und Quellensteuer
Investitionen in den Energiesektor bringen spezifische Risiken mit sich, die du kennen solltest:
1. Rohstoffpreise und OPEC Quotenpolitik:
Entscheidet sich das OPEC Kartell rund um Saudi Arabien unerwartet für eine Erhöhung der Fördermengen, um Marktanteile zurückzugewinnen, kann der Ölpreis temporär unter Druck geraten.
2. Regulatorische Eingriffe und Klimagesetzgebung:
Strengere Methanabgaben, Förderverbote auf öffentlichem US Land oder CO2 Steuern können die Kapitalkosten im Sektor erhöhen.
3. US Quellensteuer und Formular W8BEN für DACH Anleger:
Die Bardividenden von ExxonMobil, Chevron, ConocoPhillips und Occidental werden quartalsweise in US Dollar ausgezahlt. Mit dem ordnungsgemäß hinterlegten W8BEN Formular wird der US Steuerabzug von 30 Prozent auf 15 Prozent halbiert. Diese 15 Prozent werden voll auf die deutsche Abgeltungsteuer bzw. die österreichische KESt angerechnet. Eine lückenlose Anleitung dazu findest du in unserem W8BEN Leitfaden.
Möchtest du kalkulieren, wie hoch deine monatlichen Netto Dividenden aus US Energieaktien wie ExxonMobil oder Chevron nach Abzug von Steuern ausfallen? Nutze unsere interaktiven Werkzeuge:
Das Rohstoff Quartett auf USAktienHub: Neben traditionellen Energiewerten gehören auch Edelmetalle und Technologiemetalle zur krisenfesten Vermögensabsicherung. Lies unsere spezialisierten Leitfäden zu Gold Aktien kaufen (Minen & Streaming), Silber Aktien kaufen (Solarboom & Minenhebel) sowie Kupfer Aktien kaufen (KI Rechenzentren & Energiewende). Fundamentale Bewertungsmodelle findest du in unserer Übersicht zu unterbewerteten Aktien und unserem interaktiven DCF Rechner.
9. Fazit: Welcher Energieriese gehört in dein Depot?
Die Antwort richtet sich nach deinem persönlichen Risikoprofil und deinen Renditezielen:
Wenn du den unbestrittenen Marktführer mit integriertem Downstream Puffer, gigantischer Bilanzfestung und 42 Jahren Dividendenhistorie suchst, ist ExxonMobil der Königsweg für jedes defensive Portfolio.
Wenn du maximale laufende Cashflow Erträge von über 4,2 Prozent bei gleichzeitig phänomenalem Offshore Tiefseewachstum in Guyana anstrebst, bietet Chevron das derzeit attraktivste Dividendenprofil.
Suchst du die tiefsten Förderkosten der gesamten Branche (unter 32 Dollar Break Even) und maximale Hebelwirkung auf steigende Rohölpreise über flexible Sonderdividenden, ist ConocoPhillips die erste Wahl.
Und wenn du gemeinsam mit Warren Buffett auf eine massive Permian Konsolidierung und bahnbrechende CO2 Abscheidungstechnologien setzen willst, bleibt Occidental Petroleum eine hochinteressante Value Chance mit Kursphantasie.
10. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen deutscher Privatanleger rund um Investitionen in führende US Energie und Ölaktien:
Was unterscheidet ein integriertes Ölunternehmen von einem reinen E&P Konzern?
Integrierte Konzerne wie ExxonMobil und Chevron decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: Von der Förderung (Upstream) über den Pipelinetransport bis hin zu Raffinerien, Tankstellen und Petrochemie (Downstream). Reine E&P Unternehmen (Exploration and Production) wie ConocoPhillips oder Occidental konzentrieren sich primär auf die Erschließung und Förderung von Rohöl und Erdgas. Integrierte Riesen bieten bei fallenden Rohölpreisen stabilere Cashflows durch profitable Raffineriemargen, während reine Produzenten bei steigenden Ölpreisen den höheren operativen Gewinnhebel bieten.
Warum investiert Warren Buffett so massiv in Occidental Petroleum?
Berkshire Hathaway schätzt die erstklassige Flächenqualität von Occidental im ertragreichen Permian Basin, die extrem niedrigen Förderkosten und das aktionärsfreundliche Management unter CEO Vicki Hollub. Buffett sicherte sich über 28 Prozent der OXY Stammaktien plus Vorzugsaktien, weil Occidental durch die CrownRock Übernahme gigantische Cashflows generiert und mit Direct Air Capture (1PointFive) eine weltweite Führungsposition bei der CO2 Abscheidung für Tech Konzerne einnimmt.
Wie sicher sind die Dividenden von ExxonMobil und Chevron bei fallenden Ölpreisen?
Beide Konzerne gehören zur exklusiven Gruppe der Dividendenaristokraten: ExxonMobil steigert seine Dividende seit 42 Jahren in Folge, Chevron seit 39 Jahren. Beide Bilanzen weisen ein erstklassiges AA Kreditrating und eine Nettoverschuldungsquote von unter 15 Prozent auf. Die operativen Portfolio Break Even Kosten liegen bei rund 35 bis 40 Dollar pro Barrel Brent. Selbst in tiefen Ölpreiskrisen finanzieren beide Konzerne ihre Ausschüttungen problemlos über freie Liquidität und moderate Kreditlinien.
Wie wirkt sich das Formular W-8BEN auf US Öl Dividenden aus?
US Ölkonzerne wie ExxonMobil oder Chevron unterliegen der regulären US Quellensteuer. Durch das hinterlegte Formular W-8BEN wird der US Steuerabzug automatisch von 30 Prozent auf 15 Prozent nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (Art. 10 DBA) reduziert. Diese 15 Prozent werden von deutschen und österreichischen Brokern voll auf die inländische Abgeltungsteuer (26,375 Prozent) bzw. KESt (27,5 Prozent) angerechnet. Es entsteht keine Doppelbelastung.
Welche Rolle spielt verflüssigtes Erdgas (LNG) für die US Energieriesen?
Seit dem Wegfall russischer Pipeline Lieferungen nach Europa ist US LNG zum unverzichtbaren Grundpfeiler der westlichen Energiesicherheit geworden. ExxonMobil (Golden Pass LNG) und Chevron (Gorgon und Wheatstone in Australien) gehören zu den größten globalen Verflüssigern. Sie profitieren von der enormen Preisdifferenz zwischen günstigem US Henry Hub Gas und europäischen sowie asiatischen Einfuhrpreisen.
Ab welchem Ölpreis arbeiten führende US Schieferöl Förderer profitabel?
Dank moderner Bohrtechnologien und Mehrfachbohrungen von einer einzigen Plattform (Multi Well Pads) liegen die reinen Förderkosten im US Permian Basin heute bei unter 25 bis 30 Dollar je Barrel. Rechnet man Verwaltung, Zinsen und Dividenden hinzu, liegt die gesamte Portfolio Break Even Schwelle bei ConocoPhillips bei unter 32 Dollar, bei ExxonMobil bei rund 35 Dollar und bei Occidental bei 38 Dollar. Bei aktuellen Ölpreisen von über 70 Dollar arbeiten alle Konzerne hochgradig profitabel.
Wie schützt eine Beimischung von Energieaktien mein Portfolio vor Inflation?
Energie ist der primäre Preistreiber für Industrie, Transport und Konsumgüter. Steigen die Rohölpreise, leiden technologie- und konsumlastige Depots unter Bewertungsabschlägen. Energieaktien wirken hier als perfektes natürliches Hedge Instrument: Steigende Rohstoffpreise fließen nach Deckung der Fixkosten direkt in den freien Cashflow und führen zu Sonderdividenden und Kursgewinnen, die Kursverluste in anderen Branchen abfedern.
Welche Broker führen die US Quellensteuer auf Ölaktien automatisch ab?
Alle steuereinfachen deutschen Broker wie Trade Republic, Scalable Capital, ING, comdirect und Consorsbank sowie Flatex in Österreich führen die Verrechnung der 15 Prozent US Quellensteuer mit der inländischen Steuer vollautomatisch durch. Anleger erhalten eine transparente Abrechnung und müssen keine US Steuererklärung abgeben.
Prüfprotokoll und Transparenz
Geprüft am: 09.10.26
Primärquellen: SEC EDGAR Form 10-K Geschäftsberichte ExxonMobil Corp. (CIK 0000034088), Chevron Corp. (CIK 0000093410), ConocoPhillips (CIK 0001163165) und Occidental Petroleum Corp. (CIK 000077449), SEC Form 10-Q Quartalsberichte, EIA (U.S. Energy Information Administration) Short Term Energy Outlook, OPEC Monthly Oil Market Report, Doppelbesteuerungsabkommen Deutschland USA (Art. 10 DBA).
Gegenprüfung: öffentlich zugängliche FactSet- und Konsensberichte, geprüfte SEC Form 10-K/10-Q Cashflow-Statements, Warren Buffett / Berkshire Hathaway 13F SEC Filings (OXY Position), reale Brokerabrechnungen (Trade Republic, Scalable, Interactive Brokers).
Ausgeschlossen: Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung nach § 85 WpHG; alle Berechnungen dienen ausschließlich Informations- und Bildungszwecken.
Offenlegung: Der Autor hält persönliche Long Positionen in Chevron (CVX) und ExxonMobil (XOM). Dieser Beitrag stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar.